MRT bei Myokarditis: Sechsfach höhere Fallzahlen in Risikogruppen

MRT bei Myokarditis: Sechsfach höhere Fallzahlen in Risikogruppen
®Ekko, wikicommons 2005

Kardiologinnen und Kardiologen empfehlen ein konsequentes Myokarditis-Screening mittels MRT bei Patientinnen und Patienten mit Angina-Pectoris-Beschwerden und positivem Troponin-Test, die keine koronare Herzkrankheit haben.

  • Autor:
    E. Fleck (ch/ktg)
  • Quelle:
    Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung

Kardiologen des Zürcher Universitätsspitals haben am 27. August auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona eine aktuelle Studie mit insgesamt 2.889 Patienten mit Brustschmerz und positivem Troponin präsentiert wurde.

Die Wissenschaftler führten in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt 314 MRT bei Menschen ohne bekannte koronare Herzerkrankung (KHK) durch. Das MRT zeigte in 35 Prozent der Fälle einen Normalbefund, in 65 Prozent trug es zur Diagnosestellung bei – am häufigsten handelte es sich mit acht Prozent um eine Herzmuskelentzündung. Während sich die Zahl der durchgeführten MRT von 2015 auf 2016 etwa verdoppelte, versechsfachte sich in diesem Zeitraum die Zahl der diagnostizierten Myokarditis-Fälle auf 24, berichtet Erstautor Dimitri Patriki.

Myokarditiden werden meist durch Viren ausgelöst, aber auch durch Autoimmunreaktionen, Hypersensibilität auf Medikamente, oder giftige Substanzen. In Autopsie-Studien, die Fälle mit plötzlichem Herztod untersucht haben, wurden bis zu 25 Prozent Myokarditiden diagnostiziert. „Dies ist eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Myokarditis immer noch von vielen als ‚seltene Erkrankung‘ bezeichnet wird“, so Patriki. Man frage sich, ob in diesen Fällen der plötzliche Herztod hätte verhindert werden können, wenn die Myokarditis-Diagnostik verlässlicher und standardisiert wäre.

Es gibt zwar nicht für jede Form von Myokarditis eine spezifische Therapie, doch kann zum Beispiel Sport in der Akutphase der Myokarditis zu schwerwiegenden Rhythmusstörungen führen und sollte deshalb kontrolliert betrieben werden.

Quelle: ESC 2017 Abstract P3513 Patriki et al. Approximation of true incidence of myocar-ditis by systematic screening of patients with cardiac magnetic resonance imaging after exclusion of significant coronary artery disease. European Heart Journal (2017) 38 (Supplement) 710