Bildgebung bei zielgerichteten Krebstherapien

Bildgebung bei zielgerichteten Krebstherapien

Um die Wirkung zielgerichteter Krebstherapien abzubilden, muss die Bildgebung der Zukunft Veränderungen auf zellulärer und molekularer Ebene erkennen. Methoden wie der Magnetresonanz-Fingerabdruck zeigen viel versprechende Ergebnisse.

  • Datum:
    10.04.2019 0 Kommentare
  • Journal:
    Nat Rev Clin Oncol. 2019 Feb 4.
  • Titel:
    The beginning of the end for conventional RECIST — novel therapies require novel imaging approaches
  • Autor:
    Gerwing M et al.
    Zur Originalstudie

Neue Krebstherapien greifen gezielt in die molekularen Mechanismen von Krebszellen ein und sorgen dadurch für einen Wachstumsstopp und den Tod der Krebszelle. Zu Beginn einer solchen zielgerichteten Therapie kann mit konventionellen CT- oder MRT-Untersuchungen zunächst ein scheinbares Wachstum des Tumors beobachtet werden. Diese Pseudoprogression würde bei Anwendung der auf Morphologie beruhenden RECIST-Kriterien fälschlicherweise als Tumorwachstum gewertet werden. Mirjam Gerwing, Universitätsklinikum Münster, und KollegInnen berichten von den Möglichkeiten biomedizinischer Bildgebung, die über die Tumormorphologie hinausgehen.

Zielgerichtete Bildgebung

Keines der hier genannten Verfahren hat bisher Einzug in die klinische Praxis gefunden. Es liegen jedoch mindestens präklinische Ergebnisse vor.

Viel versprechend: die erweiterte MRT

Dem MR-Fingerabdruck liegt die Annahme einzigartiger gewebsspezifischer Signale zugrunde. Durch eine neue Methode der Kernspinanregung werden quantitative Messungen von Veränderungen im Gewebebereich möglich, die etwas über den Zustand eines Tumors aussagen können.

Analyse der Mikroumgebung von Tumoren

Nuklearmedizinische Ansätze wie die Immuno-PET ermöglichen den Nachweis spezifischer Biomarker in der Mikroumgebung des Tumors, wie beispielsweise tumorassoziierter Immunzellen.

Ein anderes Beispiel für die Erkundung der Mikroumgebung ist die kontrastverstärkte MRT auf Basis von Eisenoxid-Nanopartikeln zur Detektion von tumorassoziierten Makrophagen (TAMs).

Immer wichtiger: die Integration der -omics

Die Integration bildgebender Biomarker mit anderen diagnostischen Datensätzen der so genannten -omics, wie Genomics, Proteomics und Metabolomics könnte eine genauere Bewertung des Therapieansprechens ermöglichen als die mit RECIST (Response Evaluation Criteria In Solid Tumors) allein.

Fazit

Morphologische Kriterien wie die RECIST-Kriterien sind nicht ausreichend, um die molekulare Komplexität von Krebszellen abzubilden und einen zielgerichteten Therapieeffekt zu beurteilen. Neue Ansätze wie die Immuno-PET zeigen in der Entwicklung gute Resultate in präklinischen Studien oder klinischen Pilot-Studien, sind jedoch schwer in die klinische Praxis umzusetzen. Bessere Erfolge könnte die Weiterentwicklung konventioneller Bildgebung wie der MR-Fingerabdruck bringen, oder die Kombination mit anderen diagnostischen Verfahren, wie den -omics. Gerwing et al. halten aber fest, dass eine Entwicklung der Radiologie hin zu molekularer Bildgebung unvermeidbar ist, um das Therapieansprechen auf Zellebene abzubilden.

biho/ktg
10.04.2019

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