Brexit: Herausforderungen und Möglichkeiten für die Radiologie

Brexit: Herausforderungen und Möglichkeiten für die Radiologie

Von den Änderungen, die der Brexit mit sich bringt, bleibt auch das nationale Gesundheitssystem Großbritanniens nicht unberührt.

  • Datum:
    16.05.2017 0 Kommentare
  • Journal:
    BJR 2017;90(1072):1-3
  • Titel:
    Post Brexit: challenges and opportunities for radiology beyond the European Union
  • Autor:
    Piorkowska M et al.
    Zur Originalstudie

Marta Piorkowska, Kings College London, und Kollegen beschreiben in einem Kommentar, welche Herausforderungen und Chancen der Brexit für das nationale Gesundheitssystem (NHS) und somit auch für die Radiologie bereit hält.

Arbeitszeitrichtlinien

Strahlenschutzregularien und die Arbeitszeitrichtlinie der EU haben Einfluss auf den Arbeitsalltag. So gab es in Großbritannien Bedenken, dass sich die medizinische Ausbildung aufgrund der reduzierten Praxiszeit verschlechtere und darunter auch die Patientensicherheit leide. Der Brexit bietet den radiologischen Institutionen in Großbritannien die Möglichkeit, zu alten Arbeitsbedingungen zurückzukehren, die dem National Health Service (NHS) angemessen sind. Es bleibe allerdings fraglich, so die Autoren, ob die neue Generation der Ärzte sich damit zufrieden geben wird.

Arbeitskräftemangel

Großbritannien leidet unter einem Mangel an Arbeitskräften. Auf 100.000 Einwohner kommen in Großbritannien sieben Radiologen, während es beispielsweise in Österreich 17 sind. 2014 waren 12% der NHS-Posten für Radiologen nicht besetzt, während die Nachfrage an radiologischen Untersuchungen zunahm. Gegenwärtig sind die meisten Abteilungen von ausländischen Ärzten abhängig, so dass 9% der NHS-Ärzte aus anderen EU-Mitgliedsstaaten kommen. Die Arbeitserlaubnis sowie die Anerkennung der Qualifikation könnten Teil des Exit-Deals werden; allerdings dürfte die Ungewissheit in der Zwischenzeit nicht dazu beitragen, EU-Ärzte einschließlich Radiologen nach Großbritannien zu rekrutieren.

Forschung

Die britische medizinische Forschung hat einen hohen internationalen Stellenwert und lockt dadurch qualifizierte Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. 20 Prozent der Akademiker Großbritanniens sind EU-Bürger. Großbritanniens Wissenschaftler sprachen sich für den Verbleib in der EU aus, unter anderem da Großbritannien Netto-Empfänger des EU-Forschungsbudgets war. 2012 trug die medizinische Forschung mit 7,6 Milliarden Pfund Sterling (knapp 9 Milliarden Euro) zur britischen Wirtschaft bei, deren Finanzierung zu 20% aus EU-Geldern stammte.

Produktvertrieb

Um ein Produkt in der EU vermarkten zu können, braucht es die Lizenz eines EU-Landes. Da die Standards nicht in allen Ländern gleich sind, ist es möglich, die Lizenz in einem Land mit milderen Regulierungen einzuholen und das Produkt damit in der gesamten EU zu vermarkten. Großbritannien hat nun die Möglichkeit, dieses Gesetz für sich zu überprüfen und höhere Standards zu einzuführen, was zu einer höheren Patientensicherheit führen könnte.

Fazit

Die Auswirkungen des Brexit auf den NHS sind in ihrer Gänze nicht vorauszusagen. Die Autoren empfehlen den Radiologen des Vereinigten Königreichs, die neuen Möglichkeiten zu nutzen und damit die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

mm/ktg
16.05.2017

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