Dosismanagement am kindlichen Herzen

Dosismanagement am kindlichen Herzen

Eine geringere Strahlenbelastung in der pädiatrischen Bildgebung ist insbesondere bei Kindern mit Herzfehlern indiziert.

  • Datum:
    05.07.2018 0 Kommentare
  • Journal:
    Pediatr Radiol 2018 Jan;48(1):5-20
  • Titel:
    Radiation dose management for pediatric cardiac computed tomography: a report from the Image Gently ‘Have-A-Heart’ campaign
  • Autor:
    Rigsby CK et al.
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Kinder mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern müssen regelmäßig CT-Kontrolluntersuchungen durchlaufen. Die Image Gently "Have-A-Heart"-Kampagne setzt sich für den angemessenen Einsatz von CT-Untersuchungen bei gleichzeitiger Minimierung der Strahlenbelastung ein. Cynthia K. Rigsby, Northwestern University Chicago, USA, und KollegInnen erläutern den Dosisbegriff und gehen auf das Dosismanagement ein.

Der CT-Scanner misst keine Strahlenbelastung

Ein CT-Scanner erfasst die Strahlendosis, der PatientInnen ausgesetzt sind, nicht direkt. Statt effektiver Dosen werden System- oder Bildempfängerdosen angezeigt. Beschreibend dafür ist der CT-Dosisindex CTDI. Aus dem CTDI berechnet sich das Dosis-Längen-Produkt (DLP), ein Maß für die gesamte Strahlenbelastung während einer CT-Untersuchung. Das DLP, multipliziert mit einem Körperumrechnungsfaktor, ergibt die effektive Strahlendosis, der ein bestimmter Körperteil ausgesetzt war.

Laut Rigsby et al. sind die Methoden zur Bestimmung des Körperumrechnungsfaktors jedoch nicht ausreichend standardisiert und ergeben daher variierende Umrechnungsfaktoren. Die AutorInnen vermissen auch die Hinzuziehung der größenspezifischen Dosisschätzung (SSDE) bei Herz-CTs – diese berücksichtigt Größe und Gewicht der PatientInnen. Damit käme man der individuellen effektiven Dosis sehr viel näher.

Protokolloptimierung

Die effektiven Dosen während einer pädiatrischen Herz-CT bewegen sich je nach Studie und Alter zwischen 0,2 und 10,3 mSv:

Alter

Effektive Dosis [mSv]

< 1 Jahr

0,2-9,6

1-10 Jahre

0,5-28

>10 Jahre

0,4-10,3


Zur Dosisreduzierung empfehlen Rigsby et al. folgende Maßnahmen:

EKG-Gating

Die Verbesserung der zeitlichen und räumlichen Auflösung in der CT hat die Bildgebung des kindlichen Herzens mit typischerweise hohen Herzfrequenzen ermöglicht. Mit dem prospektiven EKG-Gating verringert sich die Strahlenbelastung im Vergleich zum retrospektiven Gating erheblich: Rigsby et al. erwähnen Durchschnittswerte von 0,5-28 mSv mit retrospektivem Gating und eine Verringerung auf zwischen 0,05-5,8 mSv mit prospektivem Gating. Trotzdem gibt es Fälle, bei denen retrospektives Gating angezeigt ist.

Automatische Röhrenstrommodulation

Die Grundidee der Röhrenstrommodulation ist die Anpassung des Röhrenstroms an die gescannte Körperregion in Quer- und in Längsrichtung. Der optimale Röhrenstrom wird in Abhängigkeit von dem angewandten Protokoll und dem Gewicht des Patienten berechnet. Rigby et al. empfehlen die Anwendung für eine geringere Strahlenbelastung bei gleichbleibend guter Bildqualität.

Kontrastmitteldosierung und Röhrenspannung

Die Kontrastmitteldosierung ist gewichtsabhängig und sollte mit großer Sorgfalt berechnet werden. Die Reduzierung der Röhrenspannung erlaubt eine niedrigere Kontrastmitteldosis. Für die meisten Untersuchungen ist eine Röhrenspannung von 80 kV ausreichend – Rigsby et al. empfehlen nur in Ausnahmefällen eine Spannung von 100 kV.

Einführung einer Dosisüberwachungssoftware

Die Erfassung und Analyse der CT-Daten mittels einer Software zum Dosismanagement bündelt Informationen über Strahlendosen, Scanner und PatientInnen. Sie führt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Untersuchungsprotokolle, so dass die diagnostische Bildqualität bei einer geringeren Strahlendosis erhalten bleibt. Die Software ermöglicht auch die Festlegung von Dosisschwellenwerten.

Fazit

Die Kenntnis des Dosisbegriffs und der technischen Möglichkeiten moderner CT-Scanner sind Voraussetzungen dafür, die wiederholten Kontrolluntersuchungen bei Kindern mit Herzfehlern bei reduzierter Strahlendosis durchzuführen. Die AutorInnen empfehlen die Einführung eines konsequenten Dosismanagement-Programms.

biho/ktg
05.07.2018

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