ESUR-Klassifikation bei MR-geführter Prostata-Biopsie

ESUR-Klassifikation bei MR-geführter Prostata-Biopsie

2012 veröffentlichte die European Society of Urogenital Radiology den PI-RADS Score, um die MR-Diagnostik der Prostata zu standardisieren. Deutsche Wissenschaftler überprüften nun die Aussagekraft des Scores bei gezielten MR-gestützten Biopsien von verdächtigen Befunden.

  • Datum:
    17.12.2014 0 Kommentare
  • Journal:
    Eur J Radiol 2014;83(12):2103-8.
  • Titel:
    Predictive power of the ESUR scoring system for prostate cancerdiagnosis verified with targeted MR-guided in-bore biopsy
  • Autor:
    Schimmöller L et al.
    Zur Originalstudie
Studien haben bereits gezeigt, dass der PI-RADS Score zu einer guten Übereinstimmung der von verschiedenen Radiologen erhobenen Befunde führt. Zugleich verbessert er die Reproduzierbarkeit gegenüber der nicht standardisierten Diagnostik. Lars Schimmöller und Kollegen vom Universitätsklinikum Düsseldorf widmeten sich nun der Frage, ob der Score auch Karzinome sicher von benignen Befunden abgrenzen kann, ohne zu viele falsch positive Befunde zu generieren.

Methode
235 Patienten mit erhöhtem prostataspezifischem Antigen (PSA) wurden in die retrospektive Untersuchung eingeschlossen. 87 Teilnehmer waren bisher nicht biopsiert worden, 148 hatten negative transrektale ultraschall-gestützte Biopsien (TRUS).
Alle Patienten unterzogen sich einer MR-gestützten Prostata-Biopsie. Insgesamt wurden 566 Läsionen biopsiert.

Drei Uroradiologen beurteilten die multiparametrischen MR-Bilder – T2-gewichtete, diffusionsgewichtete (DWI) und Perfusions-Aufnahmen – gemeinsam nach folgenden Kriterien:
  1. Festlegung auf maximal drei Indexläsionen (d.h. dominante intraprostatische Läsionen; DIL) pro Patient
  2. Eingruppierung der DIL nach einem einfachen PI-RADS Score (PSsingle) auf einer Skala von 1-5
  3. Berechnung eines Summenscores (PSsum) für jede Läsion auf einer Skala von 3-15
  4. Einordnen jedes Patienten in einen Overall-Score PSoverall I-V; gruppiert nach Psum 3-6 (I-II), 7-9 (III), 10-12 (IV) und 13-15 (V), ausgehend vom individuell höchsten Summen-Score.
Anschließend erfolgte ein Abgleich mit dem Gleason Score.

Ergebnisse
Patienten mit histologisch gesichertem Prostata-Ca waren im Durchschnitt geringfügig älter als jene mit benignen Läsionen (67 ±7,4 Jahre vs. 65 ±8 Jahre). Das mittlere Prostatavolumen lag bei den Karzinompatienten signifikant niedriger (44,7 ±21 ml vs. 61,8 ±32,1 ml). Die PSA-Werte unterschieden sich nicht signifikant voneinander.

Für gesicherte hochgradige Prostata-Karzinome zeigten sich folgende Detektionsraten:



Für alle Läsionen betrug die Sensitivität der multiparametrischen MRT für die Prostata- Karzinom-Detektion 86%, die Spezifität 47,8%.

Wurde ein Grenzwert von PSsum ≥10 zugrunde gelegt, zeigten sich ein positiver Vorhersagewert von 47,4% und ein negativer Vorhersagewert von 86,2%.

Für höhergradige Prostata-Karzinome wurden eine Sensitivität von 98,6% und ein negativer Vorhersagewert von 99,5% erreicht.

Fazit
Die Autoren bescheinigen dem PI-RADS Summenscore eine gute diagnostische Wertigkeit, besonders für höhergradige Prostata-Karzinome. Trotzdem fordern sie eine Weiterentwicklung von PI-RADS, um unnötige Untersuchungen zu vermeiden.

ch/ktg
17.12.2014

Sie müssen sich einloggen, um Kommentare zu verfassen.