Ganzkörper-CT bei Kindern mit Polytrauma

Ganzkörper-CT bei Kindern mit Polytrauma

Wann eine Ganzkörper-CT bei pädiatrischen Polytrauma-PatientInnen angezeigt ist, kann eine Kombination aus verschiedenen klinischen Variablen ganz gut vorhersagen.

  • Datum:
    04.02.2019 0 Kommentare
  • Journal:
    Eur J Radiol 2018;105:32-40
  • Titel:
    Indication of whole body computed tomography in pediatric polytrauma patients-Diagnostic potential of the Glasgow Coma Scale, the mechanism of injury and clinical examination
  • Autor:
    Frellesen C et al.
    Zur Originalstudie

Bei Kindern mit Polytrauma werden generell seltener Ganzkörper-CT-Untersuchungen durchgeführt als bei traumatisierten Erwachsenen. Ein Grund hierfür ist die erhöhte Strahlenexposition. Claudia Frellesen und KollegInnen der Goethe-Universität Frankfurt am Main suchten in einer retrospektiven Studie nach klinischen Markern, die die Entscheidung für oder wider eine Ganzkörper-CT in pädiatrischen Polytrauma-PatientInnen erleichtern könnten.

Methode

Frellesen et al. beurteilten das diagnostische Potenzial

  • der Glasgow-Koma-Skala (GCS, eine Skala zur Abschätzung einer Bewusstseinsstörung),
  • des Unfallmechanismus, das meint die Umstände, unter denen bei einem Unfall Verletzungen entstanden sind (engl.: MOI, mechanism of injury),
  • der klinischen Untersuchung, unter Einbeziehung der Ergebnisse der Notfallsonographie (einer sonographischen Untersuchung des Bauches und Beckens; engl.: FAST, Focused Assessment with Sonography for Trauma), und
  • der Schwere einer Verletzung nach dem Injury Severity Score (ISS)

 für die Indikation der Ganzkörper-CT bei 100 pädiatrischen Polytrauma-PatientInnen.

Frellesen et al. berechneten die Korrelationen zwischen allen klinischen Variablen und PatientInnengruppen mit und ohne Verletzung.

Ergebnisse

Keine der klinischen Variablen zeigte allein einen signifikanten Vorhersageeffekt auf Ganzkörperverletzungen.

Für Schädel-Hirn-Verletzungen war ein Schwellenwert von 12,5 auf der Glasgow-Koma-Skala optimal.

Die besten prädiktiven Aussagen für thorakale Pathologien zeigten sich in der Kombination eines schweren MOI, pathologischer Auskultation und dem Auftreten äußerer Verletzungen. Die Schwere der Verletzung (ISS) korrelierte jedoch nicht mit dem Unfallmechanismus (MOI).

FAST in Zusammenhang mit Abwehrspannung der Bauchmuskulatur und äußeren Verletzungen deutete am ehesten auf abdominale Pathologien hin.

In beiden Pathologien war die Sensitivität der Korrelation jedoch sehr gering.

Fazit

Mehrere klinische Variablen sind notwendig, um ein Ganzkörper-CT bei pädiatrischen Polytrauma-PatientInnen zu indizieren. Die Glasgow-Koma-Skala zeigte einen signifikanten prädiktiven Wert für Schädel-Hirn-Verletzungen, jedoch nicht für thorakale oder abdominale Pathologien. Frellesen et al. empfehlen eine Schädel-CT bei einem GCS-Wert gleich oder unter 13.

biho/ktg
04.02.2019

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