Klaustrophobie-Fragebogen zum Screening vor MRT

Klaustrophobie-Fragebogen zum Screening vor MRT

Der Claustrophobia Questionnaire lässt sich als Screening-Verfahren vor einer MR-Bildgebung verwenden, um das Risiko eines klaustrophobischen Ereignisses einzuschätzen.

  • Datum:
    16.05.2017 2 Kommentare
  • Journal:
    Radiology 2017;283(1):148-157
  • Titel:
    Analysis and Prediction of Claustrophobia during MR Imaging with the Claustrophobia Questionnaire: An Observational Prospective 18-month Single-Center Study of 6500 Patients
  • Autor:
    Napp AE et al.
    Zur Originalstudie

Ziel der Studie von Adriane Napp und Kollegen, Charité Berlin, war es mit Hilfe des Claustrophobia Questionnaire (QLC) die Differenz zwischen dem QLC-Score von Patienten ohne und mit klaustrophobischem Ereignis zu bestimmen. Zusätzlich sollte ein Cutoff-Wert ermittelt werden, ab dem ein klaustrophobischer Anfall als wahrscheinlich einzuschätzen ist.

Methode

6520 Patienten mit einer Indikation für eine MRT zwischen Januar 2010 und Juni 2011 wurden in die Studie aufgenommen. 4288 der Teilnehmer füllten vor der Untersuchung die deutsche Version des QLC aus. Dieser enthält 26 Fragen zu den Komponenten der Klaustrophobie, die anhand einer 5-Punkte Skala von 0-4 zu beantworten sind, wobei der Wert 0 „keiner Angst“ entspricht. 2232 Patienten bearbeiteten den QLC nicht und dienten als Vergleichsgruppe, um das Auslösen eines klaustrophobischen Vorfalls durch den QLC auszuschließen.

Als klaustrophobisches Ereignis wurde eine Untersuchung definiert, bei der Bewältigungsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Gabe eines Sedativums, benötigt wurden, oder die aufgrund der Klaustrophobie abgebrochen werden musste.

Ergebnis

Insgesamt hatten 9,8% der Probanden ein klaustrophobisches Ereignis während der MRT. 81% der QLC-Gruppe beantwortete den Fragebogen vollständig. Das Bearbeiten des Fragebogens erwies sich nicht als Auslöser für einen eventuell nachfolgenden klaustrophobischen Anfall.

Der QLC-Mittelwert lag bei Patienten mit klaustrophobischem Ereignis bei 1,48 ±0,93 und war damit signifikant höher als bei Patienten ohne Vorfall, die im Mittel einen Wert von 0,60±0,59. Der Cutoff-Wert, der einen Vorfall mit einer Sensitivität von mindestens 90% voraussagt, war insgesamt 0,33 und abhängig vom Geschlecht. Bei Männern lag er bei 0,14, bei Frauen 0,56.

Diskussion

Der ermittelte Cutoff-Wert hilft eine Aussage über das Ausbleiben eines klaustrophobischen Anfalls zu treffen. Er hat also einen hohen negativ-prädiktiven Wert. Mit dem Wissen, dass Patienten, die im QLC unter dem Cuttoff-Wert bleiben, mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit keinen klaustrophobischen Anfall erleiden werden, könnten Vorbereitungen für Coping-Strategien entfallen, was zu Zeitersparnis führen würde. Dabei raten die Autoren dazu, den geschlechtsspezifischen Cutoff-Wert zu nutzen. Eine Voraussage über die individuelle Gefahr eines klaustrophobischen Events lässt sich jedoch anhand des QLC nicht treffen, da der positiv-prädiktive Wert sehr gering ist.

mm/ktg
16.05.2017

Vorhandene Kommentare

Durchschnittliche Bewertung 2 Kommentare

Sinnvoll wäre es, den Fragebogen mit einem KLICK zu finden, damit er angewendet werden kann und vielleicht auch in anderen Einrichtungen Menschen frühzeitig identifiziert werden, die Hilfe bei der Überwindung ihrer Klaustrophobie benötigen. Aber vielleicht habe ich das nur übersehen? Die Arbeit selbst und der Abstrakt sind aus meiner Sicht sehr gut!

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