Systematische Wahrnehmungsfehler bei der Befundung

Systematische Wahrnehmungsfehler bei der Befundung

Kognitive Fehlleistungen können zu falschen Diagnosen führen. Ein bewusster Diagnoseprozess unter zu Hilfenahme strukturierter Befundung hilft, Fehler zu vermeiden.

  • Datum:
    14.05.2018 0 Kommentare
  • Journal:
    Diagnosis 2017;4(3):141–147
  • Titel:
    Perceptual errors in pediatric radiology
  • Autor:
    Taylor GA
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Laut Literatur sind geschätzte 48-80% aller radiologischen Fehldiagnosen auf Denkfehler bei der Befundung zurückzuführen. George A. Taylor, Harvard Medical School, Boston, erläutert, welche kognitiven Verzerrungen dem Diagnoseprozess zugrunde liegen und wie RadiologInnen diese vermeiden können. Seinen Ausführungen lagen Erhebungen aus seinem Institut der pädiatrischen Radiologie zugrunde (Taylor GA, 2011).

Kognitive Verzerrungen

Als wichtigste unbewusste Beeinflussungen bei der Bildbefundung listet Taylor auf:

„Wunschdenken“

  • Der/die RadiologIn beendet die Bildbefundung vorschnell, nachdem er/sie Belege gefunden hat, die die Symptome erklären (engl.: Satisfaction of Search, SOS).

Selektive Wahrnehmung

  • Der/die RadiologIn konzentriert sich bei der Bildbefundung nur auf das Zentrum des Bildes und ignoriert die peripheren Bereiche (engl.: visual isolation).
  • Der/die RadiologIn übersieht eine offensichtliche, aber unerwartete Anomalie (engl.: inattentional blindness).

Maßnahmen zur Vermeidung von systematischen Wahrnehmungsfehlern

Radiologen sollte sich der unbewussten Beeinflussung ihrer Diagnose immer bewusst sein und entsprechend aufmerksam handeln.

Taylor empfiehlt eine erste differenzialdiagnostische Befundung ohne zusätzliche PatientInneninformationen. Eine Zweitbegutachtung der Bilder sollte dann unter Hinzunahme der Symptome und weiterer Informationen geschehen.

Eine weitere, weniger zeitaufwändige Maßnahme ist die strukturierte Befundung. Diese orientiert sich an Checklisten, die vor allem SOS-Verzerrungen minimieren können.

Laut Studienergebnissen helfen auch das laute Verbalisieren des Diagnoseprozesses und die Beschreibung der betrachteten Anatomie, um die Aufmerksamkeit zu zentrieren und Fehler zu vermeiden.

Fazit

Unbewusste, systematische Wahrnehmungsfehler während der Bildbefundung lassen sich durch ein geschärftes Bewusstsein und strukturierte Befundung minimieren.

biho/ktg
14.05.2018

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