RöKo Digital – CT/MRT bei kindlichem Trauma: Therapeutische Konsequenz entscheidet

RöKo Digital – CT/MRT bei kindlichem Trauma: Therapeutische Konsequenz entscheidet

Zwei Fragen sollten vor jeder CT oder MRT beim kindlichen Trauma stehen: Hat die Untersuchung eine therapeutische Konsequenz? Ist sie zur Diagnosesicherung forensisch notwendig?

  • Präsentationstag:
    04.07.2020 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Sprecher:
    Sebastian Tschauner, Universität Graz
  • Quelle:
    Röntgenkongress Digital 2020

Sebastian Tschauner, Kinderradiologe an der Universität Graz, verdeutlichte, wo die Fallen bei der Kinder CT- und MRT liegen.

  • Problematisch bei der CT ist nach wie vor die Strahlenbelastung, vor allem bei der Schädel-CT und der Polytrauma-CT. Man sollte sich vor Augen halten, dass die CT nachgewiesenermaßen DNA-Doppelstrangbrüche verursacht, so Tschauner. Sie sind zwar in der Regel reparabel, doch das Risiko für Tumoren ist erhöht.
  • Tschauner wies darauf hin, dass auch die CT auch im „normalen Röntgengerät“ als Cone Beam CT (CBCT), also digitale Volumentomographie, durchgeführt werden kann. Die Strahlendosis entspricht aber auch der einer „echten CT“.
  • Die MRT ist im Traumasetting selten ein Problem, bei kleinen Kindern sind allerdings Sedierung und Narkose zu bedenken. Gadolinium-haltiges Kontrastmittel sei in der Regel nicht notwendig, so Tschauner.

Notwendig sind die Untersuchungen grundsätzlich bei therapeutischer Konsequenz, beispielweise zur OP-Entscheidung.
Eine zweite Indikation ist die forensisch notwendige Diagnosesicherung, beispielweise zum Nachweis einer Kindesmisshandlung. Hier ist besonders zu achten auf: intrakranielle Blutungen, Schädelfrakturen, spinale Bandverletzungen und Frakturen, ein retroclivales Hämatom und lebensbedrohliche Verletzungen am Körperstamm.

Immer zu diskutieren seien mögliche Alternativen zur CT. Eine CT oder MRT durchzuführen, nur „weil man es hausintern immer so gemacht hat“, ist ebenfalls deutlich zu hinterfragen, so Tschauner.

Als übertrieben bezeichnete er die CT – vor allem des Schädels, des Rumpfs und des Achsenskeletts – und die MRT in Narkose ohne therapeutische Konsequenz.

Indikationsspektrum von MRT und CT bei Kindern ähnlich

CT

MRT

Polytrauma

-

Schädel

Schädel

Achsenskelett

Achsenskelett

Becken

-

Extremitäten zur OP-Planung

-

-

Gelenke

-

Handwurzel

Pathologische Frakturen

Pathologische Frakturen

Komplikationen

Komplikationen

Schädel-CT

Sehr häufig durchgeführt wird die Schädel-CT: In der Kinderradiologie der Universität Graz steht sie an der Spitze der Körperregionen mit 46% der Fälle. „Die Schädel-CT ist oft ohne Pathologie“, so Tschauner. Man kann aber mit der Schädel-CT Vieles ausschließen. Die Strahlenbelastung ist auch hier zu beachten: Auf 3.000 bis 10.000 Schädel-CTs kommt ein zusätzlicher Hirntumor, so Tschauner. Strahlendosis lässt sich sparen durch die richtige Indikationsstellung, die Optimierung der CT-Protokolle und das Ausweichen auf Alternativen wie die Black-Bone-MRT oder den Ultraschall.

Er gab außerdem zu bedenken, dass bei nur bei rund einem Prozent der Kindern eine relevante Hirnverletzung vorliegt, zur neurochirurgischen Intervention kommt es in lediglich 0,1% der Fälle. Hinweise auf eine relevante Verletzung gibt die Anamnese: Liegt eine Wesensveränderung vor, ein GSC (Glasgow Coma Scale) < 15 oder eine tastbare Schädelfraktur, steigt das Risiko für eine relevante Hirnverletzung auf über 4% (Kuppermann 2009).

„Hier sind sämtliche Entscheidungspfade klinisch und eine Überprüfung der Indikation ist kaum möglich – da können wir Radiologen wenig tun“, kommentierte Tschauner.

Scherverletzungen sind in der CT kaum zu sehen. Bei diesem Verletzungstyp ist die MRT überlegen.

Referenzen

Kuppermann N et al.
Identification of Children at Very Low Risk of Clinically-Important Brain Injuries After Head Trauma: A Prospective Cohort Study
Lancet. 2009;374(9696):1160-70
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(09)61558-0

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