RöKo 2016 – Zu hohe Strahlenexpositionen definieren, dokumentieren und analysieren

RöKo 2016 – Zu hohe Strahlenexpositionen definieren, dokumentieren und analysieren

Die neue EURATOM-Strahlenschutznorm schreibt für signifikant zu hohe Strahlenexpositionen ein Meldesystem vor. Zurzeit wird diskutiert, wie dieses in Deutschland aussehen könnte.

  • Präsentationstag:
    04.05.2016 1 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Martin Fiebich, Technische Hochschule Mittelhessen
  • Quelle:
    Deutscher Röntgenkongress 2016
Artikel 63 der EU-Richtlinie 2013/59/EURATOM beschreibt die Rahmenbedingungen für das Vorgehen bei unfallbedingten und unbeabsichtigten Strahlenexpositionen. So soll beispielsweise die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß solcher Ereignisse so gering wie möglich gehalten werden. Falls trotzdem eine außergewöhnliche medizinische Exposition auftritt, soll diese dokumentiert, ausgewertet und zeitnah an die zuständige Behörde gemeldet werden. Bisher gebe es jedoch noch keine strukturierte Erfassung sowie kein standardisiertes Meldesystem, sagte Martin Fiebich von der TH Mittelhessen.   

 „Vorkommnisse“ sind unbeabsichtigte Abweichungen vom Standard, die durch organisatorische, technische oder aus anderen Gründen zu einer erhöhten Strahlenexposition geführt haben. Als „bedeutsam“ wird ein Vorkommnis eingestuft, wenn es für eine Einzelperson (= individueller Ansatz) oder eine Gruppe (= kollektiver Ansatz) von hoher strahlenhygienischer Relevanz ist.

Beim kollektiven Ansatz wird für CT, Digitale Volumentomographie, nuklearmedizinische Untersuchungen und Durchleuchtungen folgender Grenzwert als strahlenhygienisch relevant diskutiert: Diagnostischer Referenzwert (DRW) beziehungsweise DRWlokal überschreitet beständig den festgelegten DRW um 100%. Anwender müssen für häufige Untersuchungen einen DRWlokal bestimmen und diesen an die ärztliche Stelle melden. Als ‚häufig‘ sollen jene Untersuchungen gelten, die mindestens 250mal im Jahr durchgeführt werden. Diese Zahl gefalle aber vielen nicht, ergänzte Fiebich: „Was passiert mit Untersuchungen, die nur 100mal durchgeführt werden? Ist die Strahlenexposition dort dann egal?“

Für den individuellen Ansatz sollen beispielsweise Tabellen zum Dosisflächenprodukt (DFP) bei Durchleuchtung oder Röntgen-Aufnahmen herangezogen werden. Fiebich nannte für die Region des lateraler Schädels eine Erhöhung des DFP auf 10.800 µGy x m² bei einem DRW von 60 µGy x m² als nicht mehr gerechtfertigt. „Der limitierende Faktor sind hier die Speicheldrüsen.“

Für die interventionelle Radiologie wird, laut Fiebich, ein DFP von 50.000 Gy x m² als strahlenhygienisch relevant diskutiert. Dies entspreche einer Hautdosis von 5Gy bei einer Feldgröße von 0,1m x 0,1m.

Datenerfassung
Tritt ein bedeutsames Vorkommnis auf, soll ein Medizinphysik-Experte (MPE) dieses zeitnah an die zuständige Behörde melden. Die Aufgaben eines MPE werden im Artikel 83 der EU-Richtlinie beschrieben. So soll er beispielsweise den Strahlenschutz von Patienten und Personal überwachen und gegebenenfalls optimieren. Zudem obliegt ihm die Qualitätssicherung.

Fiebich wies darauf hin, dass die Dokumentation und Analyse von Ereignissen sich in Zukunft nicht mehr händisch bewerkstelligen ließen. „Dazu brauchen Sie ein Dosismanagementsystem.“

Diskussion
Das Gesetz kommt ja im Frühjahr 2018, aber die Umsetzung dauert sicher länger. Ein Zuhörer wollte wissen, ob es eine Übergangsfrist gebe, um die neuen Anforderungen in der Praxis zu etablieren. „Nein. Zumindest für neue Geräte brauchen Sie ab 2018 einen MPE.“

Viele EU-Länder hätten damit keine Probleme, aber in Deutschland könnte eine flächendeckende Versorgung mit Medizinphysikern problematisch werden, räumte Fiebich ein. Um zu vermeiden, dass der MPE nur auf dem Papier steht, riet der Referent: „Machen Sie den MPE zu Ihrem Strahlenschutzbeauftragen. Sie kaufen sich für relativ wenig Geld einen Kümmerer, der Ihnen das alles abnimmt. Dadurch wird teure Arztzeit frei.“

Eine andere Frage aus dem Auditorium lautete: „Warum brauchen wir überhaupt ein zusätzliches Melderegister? Wir haben doch die ärztliche Stelle“. Die ärztliche Stelle führe nur Stichproben durch, erklärte Fiebich. Zukünftig solle die Einhaltung der Vorschriften aber kontinuierlich überprüft werden, inklusive des individuellen Ansatzes. „Den hatten wir bisher nicht.“ 

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