ECR 2019 – Mamma-Bildgebung: Wirksamkeit der MRT im Vergleich zur konventionellen Mammographie

ECR 2019 – Mamma-Bildgebung: Wirksamkeit der MRT im Vergleich zur konventionellen Mammographie

Die kontrastmittelverstärkte MR-Mammographie ist der konventionellen Mammographie bei fast allen Patientinnen, Tumorarten und klinischen Szenarien überlegen. Aktuelle Leitlinien empfehlen die kontrastmittelverstärkte MR-Mammographie jedoch immer noch nur für die Untersuchung von Hochrisikopatientinnen.

  • Datum:
    15.08.2019
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    J. Barkhausen, Universität Lübeck, Deutschland
  • Quelle:
    ECR 2019

Anwendung der Mamma-MRT in der kommunalen Praxis

Wernli KJ et al. analysierten in ihrer Beobachtungs-Kohortenstudie aus dem Jahr 2014 (JAMA Intern Med) Daten von Mamma-MRT und Mammographie, die von 2005 bis 2009 in fünf nationalen Registern des US Breast Cancer Surveillance Consortium erhoben wurden. In den fünf Jahren waren über 1,2 Millionen Mammographien durchgeführt worden – im Vergleich zu etwa 8.900 Mamma-MRT-Untersuchungen.

Die Gesamtrate an Mamma-MRTs hat sich von 2005 bis 2009 jedoch von 4,2 auf 11,5 Untersuchungen pro 1.000 Frauen nahezu verdreifacht. Die häufigsten klinischen Indikationen für eine Mamma-MRT waren diagnostische Beurteilung (40,3 %) und Screening (31,7 %).

Brustkrebsscreening mittels MRT bei BRCA-Trägerinnen

Trägerinnen des „BReast CAncer“-Gens (BRCA1, BRCA2) haben ein 5- bis 7-mal höheres kumulatives Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Brustkrebs setzt bei BRCA-Trägerinnen früher ein.

Phi XA et al. (J Clin Oncol 2015) verglichen die altersbezogene Untersuchungsgenauigkeit von Mamma-MRT und Mammographie bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen. Ihre Metaanalyse basierte auf individuellen Patientendaten von 1.951 Frauen.

Das Ergebnis: Die Mamma-MRT war der konventionellen Mammographie überlegen und zeigte altersunabhängig eine sehr viel höhere Sensitivität, aber eine etwas geringere Spezifität als die Mammographie. Die Sensitivität der Mammographie war bei Frauen über 50 Jahren nicht höher. Die besten Ergebnisse wurden mit einer Kombination von Mamma-MRT und konventioneller Mammographie erzielt.

Diagnostische Bewertung von klinischen Befunden und Nicht-MRT-Bildgebung

In zwei prospektiven multizentrischen Studien (GEMMA I und GEMMA II – Invest Radiol 2016) bewerteten Sardanelli F et al. die diagnostische Wirksamkeit von Gadobutrol-verstärkter präoperativer Mamma-MRT bei Patientinnen mit gesicherter Brustkrebsdiagnose.

Die Ergebnisse zeigten eine höhere Sensitivität bei kontrastmittelverstärkter MR-Mammographie im Vergleich zur konventionellen Mammographie. Der Unterschied zwischen beiden Modalitäten verstärkte sich mit zunehmender Brustdichte. Aber selbst bei Patientinnen mit dem niedrigsten Dichtegrad A gemäß ACR Version 5 bewies die MR-Mammographie eine höhere Sensitivität als die konventionelle Mammographie.

Präoperative Mamma-MRT: Staging

Dieselben Daten aus den GEMMA-Studien wurden verwendet, um die beiden Modalitäten hinsichtlich ihres Potenzials zur Detektion zusätzlicher Krebsmanifestationen zu vergleichen. Im Vergleich zur Mammographie zeigte die kontrastmittelverstärkte MR-Mammographie eine signifikant höhere Sensitivität in der Detektion zusätzlicher Krebsmanifestationen. Auch in diesem Setting verstärkte sich der Unterschied zwischen beiden Modalitäten mit zunehmender Brustdichte.

Follow-up nach brusterhaltender Therapie

Gweon HM et al. (Radiology 2014) untersuchten die Ergebnisse einer einzelnen Mamma-MRT bei Frauen mit brusterhaltender Therapie nach Brustkrebs und zuvor negativen Mammographie- und Ultraschallbefunden.

Bei 607 Frauen wurden im MRT 11 Tumoren zusätzlich entdeckt (18,1 Krebsfälle auf 1.000 Frauen).

Klinische Leitlinien – Überwachung nach brusterhaltender Therapie

Swinnen J et al. (Insights Imaging 2018) analysierten systematisch 18 zwischen 2007 und 2017 publizierte Leitlinien daraufhin, welche Empfehlungen zur Überwachung mittels Mamma-Bildgebung bei Frauen ohne hohes Risiko nach einer kurativen Behandlung eines primären, nicht-metastasierten Mammakarzinoms gegeben wurden.

17 von 18 Leitlinien empfahlen eine jährliche beidseitige Mammographie. Nur eine Leitlinie empfahl die routinemäßige Anwendung der digitalen Tomosynthese, zwei empfahlen eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung der Brust. 16/18 Leitlinien empfahlen keine kontrastmittelverstärkte MRT; 6/18 Leitlinien empfahlen die kontrastmittelverstärkte MRT zumindest für Subgruppen, wie zum Beispiel junge Patientinnen und Patientinnen mit dichtem Brustgewebe.

Öffentliche Diskussion

Die Vorsitzende Lale Umutlu fragte Barkhausen, warum es die Mamma-MRT bisher nicht in klinische Leitlinien geschafft habe. Barkhausen antwortete, es könnte neben finanziellen Gründen an der Tatsache liegen, dass die MRT immer noch zeitaufwändig ist. Außerdem „zeigen die anderen Modalitäten ebenfalls exzellente Leistung – wir haben starke Konkurrenten“.

Literaturhinweise

Gweon HM et al.

Breast MR imaging screening in women with a history of breast conservation therapy.

Radiology. 2014 Aug;272(2):366-73

Phi XA et al.

Magnetic resonance imaging improves breast screening sensitivity in BRCA mutation carriers age ≥ 50 years: evidence from an individual patient data meta-analysis.

J Clin Oncol. 2015 Feb 1;33(4):349-56

Sardanelli F et al.

Gadobutrol-Enhanced Magnetic Resonance Imaging of the Breast in the Preoperative Setting: Results of 2 Prospective International Multicenter Phase III Studies.

Invest Radiol. 2016 Jul;51(7):454-61

Swinnen J. et al.

Breast imaging surveillance after curative treatment for primary non-metastasised breast cancer in non-high-risk women: a systematic review.

Insights Imaging 2018;9:961-70

Wernli KJ et al.

Patterns of breast magnetic resonance imaging use in community practice.

JAMA Intern Med. 2014 Jan;174(1):125-32