ESGAR 2017 – Fiktive Tumorkonferenzen zu Leberteilresektionen

ESGAR 2017 – Fiktive Tumorkonferenzen zu Leberteilresektionen

Eine bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden zeigt, dass multidisziplinäre Tumorkonferenzen zu kolorektalen Lebermetastasen zu einer potenziell höheren Resektionsrate führt.

  • Datum:
    01.12.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    anho/ktg
  • Sprecher:
    Nikolaos Kartalis, Karolinska Institut, Stockholm, Schweden
  • Quelle:
    ESGAR 2017
Eine Konsensentscheidung von Onkologen und Chirurgen bezüglich einer präoperativen Chemotherapie oder einer sofortigen operativen Entfernung kolorektaler Lebermetastasen (CRLM) wird nicht immer getroffen. Nikolaos Kartalis und Kollegen der Karolinska Universität, Stockholm, untersuchten, welche Faktoren für und welche Faktoren gegen eine Leberteilresektion sprechen. Mit Hilfe fiktiver multidisziplinärer Tumorkonferenzen entschieden sie in einer retrospektiven Studie über rund 300 Fälle.

Methode

Von 1026 Patienten mit kolorektalen Karzinomen (CRC) aus dem Großraum Stockholm entwickelten 272 Patienten im Laufe von vier Jahren (zwischen 2008 und 2012) Lebermetastasen.
Kartalis’ fiktive Tumorkonferenz setzte sich aus einem präsentierenden Chirurgen, einem Radiologen (Kartalis selbst), vier Chirurgen und drei Onkologen zusammen. Die Tumorkonferenz traf fiktive Behandlungsentscheidungen für die untersuchten Fälle in zwei Settings: zunächst als kolorektale und dann als Lebertumorkonferenz. Anschließend verglichen sie diese mit den ursprünglich getroffenen Entscheidungen. Zusätzlich analysierten Kartalis et al. die für die jeweilige Entscheidung bedeutenden Faktoren.

Ergebnisse

Die fiktive kolorektale Tumorkonferenz bewertete mit 266 der 272 Patienten nahezu alle als für eine potentielle Leberteilresektion in Frage kommend. Im ursprünglichen Setting waren nur 102 Patienten in der kolorektalen Tumorkonferenz zur Bewertung an eine Lebertumorkonferenz weitervermittelt bzw. für eine Resektion vorgeschlagen worden.

Kartalis’ fiktive Lebertumorkonferenz schlug bei 85 der Patienten (ursprünglich 66) eine Resektion vor. In weiteren 23 Patienten (ursprünglich 17) wurden potentiell entfernbare Läsionen gefunden.

Die Neubesprechung der Fälle führte zudem bei 26 Patienten zu potentiell anderen Behandlungsentscheidungen. Von diesen 26 Fällen waren fünf ursprünglich nicht in einer Tumorkonferenz und 17 ursprünglich nicht in einer Lebertumorkonferenz besprochen sowie vier ursprünglich als inoperabel eingestuft worden.
Folgende Faktoren beeinflussten die Entscheidungen von Kartalis’ Tumorkonferenz maßgeblich: das Alter der Patienten, die Bewertung nach ASA-Kriterien (American Society of Anesthesiologists) und die Anzahl der Metastasen (p <0,001 für alle).

Fazit

Kartalis schlussfolgerte, dass die Zahl an Leberteilresektionen durch eine detaillierte Fallbesprechung in einer speziellen Lebertumorkonferenz erhöht werden könne. In seiner bevölkerungsbasierten Studie ermittelte er einen Anstieg der potentiellen Resektionen von 25% (66 von 272) auf 40% (85+23 von 272). Kartalis musste jedoch zugeben, dass seine Daten veraltet sein könnten. „Wir behandeln Kolorektalkarzinome heute deutlich aggressiver als noch im Jahr 2000“, sagte er. „Die Studienergebnisse könnten heute somit anders ausfallen.“

Sie müssen sich einloggen, um Kommentare zu verfassen.