ESGAR 2017 – Nachvollziehbare Befunderhebung in der Onkologie

ESGAR 2017 – Nachvollziehbare Befunderhebung in der Onkologie

Strukturierte Berichte in der Radiologie erfüllen die steigenden Anforderungen in der Dokumentation und erleichtern die Zusammenarbeit mit Klinikern. Herkömmliche Berichte mit sich wiederholenden und unklaren Formulierungen sollten der Vergangenheit angehören.

  • Datum:
    22.11.2017
  • Autor:
    biho/ktg
  • Sprecher:
    Daniele Regge, Universität Turin, Italien
  • Quelle:
    ESGAR 2017
„Radiologische Berichte sind medizinische Rechtsdokumente“, sagte Daniele Regge von der Universität Turin in Italien. „Sie sollten klar, kurz und präzise sein. Darüber hinaus sollten sie Empfehlungen für zusätzliche Untersuchungen bei unspezifischen Befunden enthalten.“ Um diesen Ansatz zu unterstützen, wurden 2011 entsprechende Leitlinien von der European Society of Radiology (ESR) herausgegeben.

Vorteile strukturierter Berichte

„Ein wesentlicher Punkt ist ein definiertes und eindeutiges Vokabular, das einen bestimmten klinischen Kontext und eine spezifische Fragestellung deutlich macht“, sagte Regge. Schwartz et al. (2011) verglichen den Inhalt, die Klarheit und den klinischen Nutzen klassischer und strukturierter CT-Befundberichte in einem medizinischen Zentrum für Krebserkrankungen. Überweisende Ärzte und Radiologen waren statistisch signifikant zufriedener mit der strukturierten Befundung. Sie bewerteten den besser verständlichen Inhalt und die größere Klarheit der strukturierten Berichte als sehr positiv.

Potential strukturierter Befundung

„Wir haben eine Online-Umfrage zur Anwendung strukturierter Befundung in Italien durchgeführt“, so Regge weiter (Faggioni L et al. 2016). Mehr als 1000 Mitglieder der Italienischen Gesellschaft für Medizinische Radiologie (SIRM) nahmen teil. Obwohl rund 40% schon von strukturierter Befundung gehört hatten, arbeiteten über die Hälfte der Befragten ohne entsprechende Befundungsvorlagen. „Über 70 Prozent sahen jedoch die Vorteile, wie beispielsweise eine höhere Reproduzierbarkeit und bessere Interaktion zwischen Radiologen und überweisenden Klinikern“, schilderte Regge. „Einige Teilnehmer befürchteten jedoch, dass komplexe Fälle zu stark vereinfacht würden. Sie bemängelten die Unveränderlichkeit der Befundungsvorlagen und eine potentiell wenig nutzerfreundliche Bedienbarkeit.“ Zusammenfassend befürwortete ein Drittel der Befragten eine strukturierte Befundung, fast 60 Prozent äußerten sich mäßig interessiert und nur sieben Prozent sprachen sich dagegen aus.

Ausblick

Regge beendete seinen Vortrag mit Beispielen strukturierter Befundberichte für verschiedene Krebsarten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) förderte die Entwicklung einer Software (MintLesion) durch MintMedical (https://mint-medical.com/de/), die eine strukturierte Befunderhebung anhand der Richtlinien und eine Auswertung der Behandlungsergebnisse ermöglicht. „Die strukturierte Befundung spielt auch eine zunehmende Rolle in der Praxiszertifizierung,“ sagte Regge. „Gesundheitsdienstleister und die Industrie sollten zusammenarbeiten und die Umsetzung unterstützen.“

Referenzen

  • Schwartz LH et al. Improving communication of diagnostic radiology findings through structured reporting. Radiology 2011;260(1):174-81.
  • Faggioni L et al. Usage of Structured Reporting in Radiological Practice: Results From an Italian Online Survey. Eur Radiol 2016;27(5):1934-43.
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