ESPR 2018 – „Wir müssen Strahlendosisreduktion aktiv angehen“

ESPR 2018 – „Wir müssen Strahlendosisreduktion aktiv angehen“

„Es sind die einfachen Dinge, die wir zuerst angehen müssen“, mahnte der Pariser Medizinphysiker Jad Farah, als er die Herausforderungen beschrieb, die sich beim Aufstellen lokaler dosimetrische Referenz-Level (DRL) biliärer Interventionen in der Pädiatrie ergeben.

  • Präsentationstag:
    22.06.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Sprecher:
    Jad Farah, Hôpital Bicêtre Paris-Sud, Frankreich
  • Quelle:
    ESPR 2018

Das Pariser Hôpital Bicêtre, an dem Farah arbeitet, führt zwei Drittel der pro Jahr durchschnittlich 65 pädiatrischen Lebertransplantationen in Frankreich durch. Biliäre Komplikationen sind in dieser Patientengruppe mit 15-30% häufig. Zur Therapie dieser Komplikationen wird häufig die Perkutane Transhepatische Cholangiographie (PTC) genutzt. Soweit möglich wird die Untersuchung ultraschallgestützt durchgeführt.

Bei den Patienten besteht das Risiko, sich der Intervention häufiger unterziehen zu müssen. Dazu kommt die Immunsuppression als erschwerender Faktor. „Wir müssen also die Strahlendosis so weit wie möglich reduzieren, damit wir das Krebsrisiko bei unseren Patienten so gering wie möglich halten“, unterstich Farah.

Lokale dosimetrische Referenz-Level

Farah hat in einer retrospektiven Studie Daten aller PTC Patienten eines Jahres analysiert und DRL errechnet. 59 Patienten gingen in die Studie ein, zwischen Oktober 2016 und März 2018 unterzogen sie sich 97 Interventionen. 55% der Patienten waren männlich, der Altersschnitt lag bei 6 (±5) Jahren.

Zudem hat er aus dem RSDR (Radiation Dose Structured Report) weitere Daten zu Röhrenspannung und -stromstärke, Strahlenfeldgröße, Röntgenpuls, Vergrößerung, Röhre, Detektor und Tischpositionierung gezogen. „Wir wollten weitere Optimierungsmöglichkeiten finden“, so Farah.

Es zeigte sich, dass die genutzten Protokolle guter Strahlenschutzpraxis entsprachen. Allerdings erwiesen sich umgebende Bereiche als optimierbar, beispielsweise die Positionierung von Tisch und Detektor: In einigen Fällen war die Nadel zu groß, so dass der Detektor nicht optimal positioniert werden könnte. In einem anderen Fall war der Tisches aufgrund der Größe des Radiologen zu hoch und damit zu nah an der Röhre. „15 Zentimeter näher an der Röhre bedeutet 40% mehr Strahlenbelastung“, betonte Farah. Es sei notwendig, die an der Intervention Beteiligten auf die Fehlermöglichkeiten hin zuweisen und Trainings anzubieten.

„Wir sollten alle so viel von Dosisreduktion verstehen wie die Medizinphysiker“, kommentierte Erich Sorantin, Leiter der Kinderradiologie der Medizinischen Universität Graz. Die Dosis lasse sich in vielen Fällen auch ohne neues Equipment senken, fügte Farah hinzu. Beispielsweise sei auch verstärkt auf die Positionierung des Patienten zu achten. „Wenn wir die Belichtungsautomatik nicht richtig zentrieren, geht die Dosis automatisch hoch“, so Farah: „Mit so simplen Dingen müssen wir anfangen.“

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