ETIM 2018: Chancen und Herausforderungen eines digitalisierten Gesundheitswesens

ETIM 2018: Chancen und Herausforderungen eines digitalisierten Gesundheitswesens

In Dänemark haben Patienten seit 2003 die Möglichkeit, online auf ihre Gesundheitsdaten zuzugreifen. Das E-Health-Portal sundhed.dk hat für Entlastungen in Praxen und Krankenhäusern gesorgt.

  • Datum:
    23.03.2018
  • Autor:
    ska/aca
  • Sprecher:
    Morten Elbæk Petersen
  • Quelle:
    ETIM 2018

Seit mehr als 15 Jahren gibt es in Dänemark das nationale E-Health-Portal sundhed.dk. Auf diesem Portal, dessen Namen auf Dänisch „Gesundheit“ bedeutet, können die Dänen all ihre medizinischen Daten einsehen. Außerdem sind die Daten dort Ärzten und Therapeuten zugänglich. Morten Petersen, CEO des Portals, gab in seinem Vortrag interessante Einblicke in die Erfahrung der letzten Jahre.

Hausarztsystem entlastet Krankenhäuser

Petersen berichtete, dass er häufig gefragt wird, wie es dazu kam, dass das Portal implementiert worden ist. Auch Fragen nach der Datensicherheit begegnen ihm sehr häufig. Wie Petersen ausführte, sieht das Gesundheitssystem in Dänemark einen universellen, steuerfinanzierten Zugang zu allen Gesundheitsleistungen für alle Bürger vor. Hausärzte fungieren in diesem System als Pförtner, die den Zugang der Patienten zu Leistungen des Gesundheitssystems kontrollieren. Dieses System sorgt für eine Entlastung der Krankenhäuser, da 90 Prozent der Patienten von den Hausärzten versorgt werden können.

Zentraler Zugriff auf alle Gesundheitsdaten

Das Portal sundhed.dk ist 2003 von den Kostenträgern im dänischen Gesundheitswesen als nationaler Einstiegspunkt für den Zugriff auf elektronisch gespeicherte Gesundheitsdaten geschaffen worden. Dänemark ist damit eines der ersten Länder gewesen, das den Schritt hin zu online zugänglichen Gesundheitsdaten vollzogen hat. Seit dem Start des Portals ist dieses mittlerweile mehrmals komplett überarbeitet worden und damit auf dem aktuellsten Stand der Technik. Es ist nicht nur vom Computer aus zugänglich, sondern auch für den Zugriff über Tablets und Smartphones optimiert.

Entlastung durch Onlineservice

„Seit der Einführung des Portals haben sich viele Dinge im dänischen Gesundheitssystem zum Positiven geändert“, berichtete Petersen. Um organisatorische Dinge zu erledigen, beispielsweise die Verlängerung eines Rezepts, müssen Patienten nicht mehr extra in die Arztpraxis kommen. Solche Dinge lassen sich über sundhed.dk erledigen. Dies hat nach Angaben von Petersen dazu beigetragen, Praxiskapazitäten zu schonen. Das Portal macht es außerdem Ärzten leicht, auf die Daten von anderen Einrichtungen zuzugreifen. „So können Hausärzte beispielsweise auf alle im Krankenhaus erhobenen Daten zugreifen und sind nicht darauf angewiesen, auf Arztbriefe zu warten“, erklärte Petersen.

Seit der Einführung des Portals hat sich laut Petersen die Produktivität der dänischen Krankenhäuser erhöht, während gleichzeitig die Mortalität in Krankenhäusern gesunken ist. Umfragen zeigen ihm zufolge eine konstante Patientenzufriedenheit und konstant bleibende Kosten im Gesundheitswesen.

Hohe Sicherheit durch dezentrale Speicherung

„Was die Datensicherheit betrifft, werden auf sundhed.dk höchste Standards eingehalten“, betonte Petersen. Die Daten sind dabei jedoch nicht auf sundhed.dk, sondern dezentral an 120 verschiedenen Orten gespeichert. „sundhed.dk dient nur als Einstiegsstelle, von der aus auf die Daten zugegriffen werden kann“, so Petersen. Es gibt keine eigenen Server, auf denen die Daten gespeichert sind.

Gesundheitsdaten und ihre Erklärung

Das Portal besteht nach Angaben von Petersen aus zwei getrennten Bereichen. Es gibt einen geschlossenen Bereich, auf den Nutzer nur mit einer Kennung und einem Passwort zugreifen können. In diesem Bereich – „my health“ – können die Nutzer alle über sie gesammelten Gesundheitsdaten abrufen. Sie können auch einem nahen Angehörigen oder einer sonstigen Vertrauensperson die Autorisierung geben, auf ihre Gesundheitsdaten zuzugreifen. Dies kann zum Beispiel im Alter für pflegende Angehörige relevant werden. Außerdem können die Nutzer über die Funktion „my log“ stets erfahren, wer auf ihre Gesundheitsdaten zugegriffen hat. Petersen wies darauf hin, dass es bisher nur in sehr wenigen Fällen vorgekommen ist, dass sich Nutzer über nicht autorisierte Zugriffe auf ihre Daten beschwert haben. In den meisten Fällen hat sich das Problem dann auch im Nachhinein klären lassen.

Neben diesem geschlossenen Bereich bietet sundhed.dk auch einen offenen Bereich. Darin können die Nutzer beispielsweise medizinische Informationen und Hilfestellung für das Verständnis ihrer Gesundheitsdaten erhalten.

FAZIT

Die Erfahrung hat laut Petersen bisher gezeigt, dass die dänischen Nutzer sehr mit der Möglichkeit zufrieden sind, online auf ihre Gesundheitsdaten zuzugreifen. Wie Petersen hervorhob, ist die Entwicklung des Portals von einer andauernden Forschung und einem andauernden Dialog mit den Nutzern begleitet. Umfragen zeigen regelmäßig eine hohe Akzeptanz des Portals. Die Nutzer plädieren sogar dafür, noch mehr Daten für sie im Portal zugänglich zu machen.