MR-Diagnostik bei Rückenschmerzen

MR-Diagnostik bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind häufig und deren Ursachen vielfältig. Eine sorgfältige Differentialdiagnostik hilft bei der Therapieentscheidung.

  • Datum:
    09.02.2017 1 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Andrea Baur-Melnyk, Klinikum der Universität München
  • Quelle:
    Internationales MRI Symposium 2017

Wegen der Kürze der Zeit konzentrierte sich Andrea Baur-Melnyk, Universitätsklinikum München, in ihrem Vortrag auf den Rückenschmerz bei Erwachsenen.

Degenerative Veränderungen

Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen ist eine Arthrose im Facettengelenk. Auf T1- oder T2-gewichteten Bildern werde das häufiger übersehen, so Baur-Melnyk. Mit STIR oder manchmal auch durch Kontrastmittel-Gabe wird die Diagnose klarer.

Eine chirurgische Intervention wird heute nur noch bei motorischen Ausfällen gemacht. Ein Drittel der Facettengelenksarthrosen bleibt asymptomatisch und in einem weiteren Drittel hören die Schmerzen auch ohne spezifische Therapie wieder auf.

Erkrankungen der Bandscheiben

Die Begriffe „Vorfall“ oder „Prolaps“ für einen Bandscheibenvorfall seien heute nicht mehr so gebräuchlich, meint Baur-Melynk. Sie verwende stattdessen „Diskusherniation“ und „Diskushernie“.

Es werde zwischen Protrusion und Extrusion unterschieden. Bei einer Protrusion ist die vorgewölbte Basis größer als der größte Durchmesser in der Diskushernie. Bei der Extrusion ist es umgekehrt, der größte Herniendurchmesser überschreitet die Basisgröße.

Auch eine Anulusfissur kann, wenn auch selten, radikuläre Schmerzen auslösen. Ursache für einen Riss im äußeren Bandscheibenring sind mukoide Degenerationen, also altersbedingter Verschleiß. Mit der MRT lassen sich meist nur höhergradige Anulusfissuren (Grad 3 und 4) erkennen. Die CT-Diskographie sei da sensitiver, erklärt Baur-Melnyk.

Bei jungen Erwachsenen mit Rückenschmerzen nach Trauma, beispielsweise nach einem Sportunfall, sollte differentialdiagnostisch auch daran gedacht werden, dass durch den Unfall ein Schmorl’scher Knoten entstanden ist. Sichtbar wird die Verlagerung von Bandscheibengewebe in den Wirbelkörper als Eindellung in der Grund- oder Deckplatte. Schmorl’sche Knoten sind meist asymptomatisch; erst wenn sie größer als 8 Millimeter sind, kommt es häufiger zu Beschwerden.

Wirbelkörperveränderungen

Störungen in der Umwandlung von Knorpel in Knochen (Osteochondrosen) lassen sich nach Modic in drei radiologische Typen einteilen:

  • Modic 1: Ödem im Knochenmark; auf T1-gewichteten Aufnahmen hypointens, auf T2w-Bildern hyperintens
  • Modic 2: Umbau des Knochenmarks in Fettgewebe; hohe Signalintensität auf T1w- und T2w-Aufnahmen
  • Modic 3: Sklerosierung, hypointens auf T1w- und T2w-Bildern

Die erosive Osteochondrose (EO) ist manchmal schwer von einer infektiösen Spondylitis als Ursache für Rückenschmerzen abzugrenzen. Radiologische Zeichen in der MRT helfen bei dieser Differentialdiagnostik (Stäbler et al. RöFo 1998).

Als Differentialdiagnosen bei ödematösen Endplattenveränderungen nannte Baur-Melnyk: akute Spondylose, Wirbelkörper- und Spondylophyten-Fraktur, aktivierter Schmorlscher Knoten oder erosive Osteochondrose.

Fazit

Rückenschmerzen kommen bei Erwachsenen häufig vor. Meist sind degenerative Veränderungen die Ursache.

Der radiologische Befund muss immer mit der Klinik korreliert werden. Nur so können unnötige Behandlungen vermieden werden.

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