Neue Konzepte in der Tumorbildgebung

Neue Konzepte in der Tumorbildgebung

Funktionelle Bildgebungsmethoden gewinnen in der Tumorbildgebung an Bedeutung.

  • Präsentationstag:
    19.01.2019 0 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Elke Hattingen, Universität Frankfurt/Main
  • Quelle:
    Internationales MRT Symposium 2019

Grenzen der konventionellen morphologischen Tumorbildgebung

Generell gehe man beim Tumorgrading davon aus, dass je höher die Malignität eines Astrozytoms sei, es umso wahrscheinlicher Kontrastmittel anreichere. Allerdings würden rund 30 Prozent der WHO-III-Astrozytome nicht anreichern, und auch bei den Glioblastomen gebe es zumindest Ausnahmefälle, in denen der Tumor kein Kontrastmittel anreichere. Die konventionelle Bildgebung sei insofern noch nicht gut genug, so Hattingen.

Neben der problematischen Einordnung der Malignität sei auch die Heterogenität von Tumoren schwierig. Auch die Ausdehnung eines Glioms gehe in der Regel über die sichtbaren T2-FLAIR-Veränderungen und die Kontrastmittelanreicherung hinaus.

Biologische Aspekte in der MR-Bildgebung

Malignität einschätzen

Hattingen erläuterte die biologischen Aspekte, die sich in die morphologische MR-Bildgebung mit hineinnehmen lassen, um Malignität und Tumorausmaß besser einzuschätzen:

  • Proliferationsrate mittels Spektroskopie (z.B. Cholin-Peaks).
    Faustregel: Wenn der Cholin-Peak mindestens doppelt so hoch ist wie auf der gesunden Seite, spricht das für Malignität.
  • Zelldichte mittels Diffusionsgewichteter Bildgebung
  • Endothelproliferate/Neovaskularisation als Ausdruck von Malignität mittels MR-Perfusion
  • Tumornekrose unbehandelter Tumoren mittels Spektroskopie (Lipid)

Spektroskopie und Perfusion können auch in der Differentialdiagnostik hilfreich sein, wie Hattingen an Fallbeispielen veranschaulichte: Während beim Gliom WHO III-IV das Cholin immer wesentlich höher ist als der Lipid-Peak, ist dies beim Lymphom mit hohen Lipid-Peaks und geringen Cholinerhöhungen genau andersherum.

Um bei heterogenen Tumoren mit der operativen Therapie den Tumoranteil mit der höchsten Malignität zu erreichen, eignet sich die Spektroskopie.

Präoperative Darstellung funktioneller Areale

Die funktionelle MRT zeigt die kortikalen Funktionsareale, worauf Hattingen nicht näher einging. Sie konzentrierte sich auf die Fasertrakte, die der Neurochirurg verschonen muss: Die Pyramidenbahn für die Motorik und den Fasciculus arcuatus für die Sprache.

Deren Darstellung gelingt mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) – mit entsprechenden Algorithmen lassen sich gezielt auch einzelne Fasertrakte abbilden. 3D-Rekonstruktionen, die den Tumor wie auch die zu schützenden Trakte darstellen, erleichtern dem Neurochirurgen die Arbeit. Der Verlauf der Fasertrakte lässt auch Aussagen zur Prognose zu.

Therapieansprechen erkennen

Ob ein Tumor auf eine Therapie anspricht oder nicht, lasse sich mittels morphologischer MRT nicht unterscheiden, sagte Hattingen. Wenn der Tumor anspreche, könnten durchaus tumorartige Pseudoprogressionen entstehen. Für das Tumormonitoring empfahl Hattingen:

  • Standards einführen und einhalten, um im Vergleich überhaupt Veränderungen erkennen zu können. Leider gebe es dafür in Deutschland keine Vorschriften.
  • Quantitative Bildgebung statt ausschließlich gewichteter Bildgebung verwenden.
  • Die oben genannten Parameter zur Beurteilung der Malignität auch für die Beurteilung des Therapieansprechens hinzuziehen.
    „Wenn Sie einen nicht-anreichernden Tumor bestrahlen und er danach anreichert, handelt es sich wahrscheinlich um eine Strahlennekrose und eher nicht um eine Malignisierung“, erläuterte sie. Die Perfusion liefere in solchen Fällen ergänzende Informationen und helfe, solche Effekte als therapiebedingt zu erkennen. Das gelte auch für die Spektroskopie.

Ausblick

Auch wenn die einzelnen Methoden gar nicht so schwer anzuwenden seien, bekomme man in der Tumorbildgebung angesichts der immer weiter steigenden Datenmengen Probleme. Daher sei der zunehmende Einsatz von Rechenleistung unverzichtbar – Radionomics sei hier das Stichwort.

In dem Versuch, die molekularen Daten durch Bildgebung sozusagen zu imitieren, sehe sie persönlich nicht die Zukunft der Tumordiagnostik, sagte Hattingen. Im Rahmen der immer besser werdenden molekularen Diagnostik werde man auf diese nicht verzichten wollen. Aber die Radiogenomics würden zukünftig einen enormen Benefit leisten, wenn sie zusammen mit der molekularen Bildgebung für Prognose und Beurteilung des Therapieansprechens genutzt würden.

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