Wissenswertes über Nierentumoren

Wissenswertes über Nierentumoren

Einer erfolgreichen Operationsplanung von Nierentumoren liegt in eine gründliche Evaluierung mittels bildgebender Verfahren zugrunde.

  • Präsentationstag:
    19.01.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    biho/ktg
  • Sprecher:
    Melvin D’Anastasi, Mater dei Hospital, Malta
  • Quelle:
    10. Internationales CT Symposium

Nierentumoren sind häufige Nebenbefunde bei bildgebenden Untersuchungen. Radiologen liefern Urologen präzise Angaben für die oftmals folgenden chirurgischen Eingriffe. Melvin D’Anastasi, Mater dei Hospital, Malta, listete die wichtigsten Punkte bei der Befundung und ging auf die aktuellen Leitlinien für die Therapie ein.

Radiologische Informationen

Für die Therapieplanung und Prognose sind folgende Größen von essentiellem Nutzen:

  • Tumorgröße
  • Tumorlokalisation
  • Lagebezug bzw. Infiltration von: Sinus renalis, Hilusgefäßen, Hohlsystem oder perirenalem Fettgewebe, der Nebenniere
  • Exo- oder endophytisches Wachstum
  • Uni- oder multifokaler Tumor

Besonders aussagekräftig sind laut D’Anastasis die native und die Kontrast-verstärkte nephrographische Phase der Bildgebung. Er empfahl eine Dual-Energy CT mit CAVE-Rekonstruktion. D’Anastasis sprach sich für eine gute Gefäßdarstellung für die Volume Rendering Technique (VRT) aus, die die Oberfläche der Niere sehr genau rekonstruiert.

R.E.N.A.L. Score für Komplexität und Vorhersage möglicher Komplikationen

Als Scoring-System für die übersichtliche Tumorenbeurteilung nannte D’Anastasis den R.E.N.A.L. Score. Dieser Score basiert auf fünf Komponenten, die den Radius des Tumors, den exo- oder endophytischen Tumoranteil, die relative Lokalisation der Pol-Linie und die Nähe des tiefsten Anteils des Tumors zum Sinus auf einer Punkteskala beurteilt.

Eine fünfte Komponente gibt die anteriore oder posteriore Lage des Tumors bezogen auf die koronare Ebene der Niere an. Je nach Gesamtpunktzahl wird der Tumor als niedrig-, mäßig- oder hoch-komplexe Läsion eingestuft.

Tumorstadien und Behandlungsoptionen nach Leitlinien

Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) 2016 sehen folgende Optionen vor:

  • T1a: offene oder laparoskopische partielle Nephrektomie (PN) empfohlen
  • T1b: offene oder laparoskopische partielle Nephrektomie (PN) radikaler Nephrektomie (RN) vorziehen
  • T2: laparoskopische radikale Nephrektomie, wenn PN nicht in Frage kommt

Je nach Tumorgrading besteht für PatientInnen auch die Möglichkeiten der minimalinvasiven Ablation oder – bei PatientInnen ohne akuten Handlungsbedarf – der aktiven Überwachung.

Bei der laparoskopischen partiellen oder radikalen Nephrektomie gibt es neben der konventionellen Chirurgie mittlerweile auch die Möglichkeit einer robotergestützten Operation. Der Roboter bietet mit sieben Freiheitsgraden eindeutig Vorteile gegenüber der humanen Hand. Die Operation muss innerhalb von 30 Minuten erfolgen (warme Ischämiezeit), da sonst eine postoperative Niereninsuffizienz droht.

Fazit

D’Anastasis hob die Wichtigkeit radiologischer Befundung für die Therapieentscheidung bei Nierentumoren hervor. Nur wenn alle erforderlichen Tumorcharakteristika erhoben werden, ist eine gute Behandlung gewährleistet.

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