PET/MRI-Symposium Essen 2018 – Interview mit Prof. Dr. rer. medic. Harald Quick

PET/MRI-Symposium Essen 2018 – Interview mit Prof. Dr. rer. medic. Harald Quick
Prof. Dr. rer. medic. Harald Quick – Direktor des Erwin L. Hahn Institute for Magnetic Resonance Imaging und Leiter Hochfeld- und Hybride MR-Bildgebung am Universitätsklinikum Essen (© Universität Duisburg-Essen)

Anlässlich des PET/MRI-Symposiums an der Universitätsklinik Essen im Februar 2018 sprachen wir mit Prof. Dr. rer. medic. Harald Quick. Als Leiter der Hochfeld- und Hybrid-MR-Bildgebung am Universitätsklinikum Essen gibt er Einblicke in aktuelle Weiterentwicklungen der PET/MRT.

  • Datum:
    05.03.2018
  • Autor:
    mh/ktg
  • Quelle:
    PET/MRI-Symposium Essen 2018

Auf welchem Sektor erwarten Sie in den nächsten Jahren die wichtigsten Innovationen für die PET/MRT: In der Entwicklung spezifischer PET-Tracer, in der Gerätetechnik, in der Software – oder primär in der Ausweitung klinischer Indikationen durch zunehmende Etablierung?

In der Tat erwarte ich in allen genannten Bereichen weitere wichtige Innovationen für die PET/MRT. Dazu brauchen wir nur die Entwicklungen der vergangenen Jahre seit Einführung der PET/MRT in 2010 gedanklich in die Zukunft fortzuschreiben. Ich erwarte zusätzlich eine zunehmende Dynamik für neue Entwicklungen in diesen Bereichen, jetzt wo sich die PET/MRT weltweit weiter etabliert hat.

Alle genannten Bereiche – PET-Tracer, Gerätetechnik, Software und klinische Indikationen – bedingen sich ja auch gegenseitig. Neue technische Möglichkeiten und neue Tracer schaffen neue klinische Anwendungen. Neue Anwendungen stimulieren technische Neu- und Weiterentwicklungen. Konkret sehen wir eine Ausweitung klinischer Indikationen und eine zunehmende klinische Etablierung.

Wir sehen die Einführung neuer Software-Features, die den PET/MRT-Workflow vereinfachen und zeitlich verkürzen, die uns eine noch bessere und robustere Schwächungskorrektur der PET-Daten liefern. Das war ja in den letzten Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Neue Techniken erlauben die Bewegungskorrektur von MRT- und von PET-Daten. Insgesamt erweitern sich das Anwendungsspektrum und die diagnostische Genauigkeit der PET-MRT dadurch.

Inwiefern tragen die kombinierten PET/MR-Daten auch zu einem verbesserten Verständnis der MRT-Daten bei? Könnten daraus neue MR-Biomarker resultieren, die auch ohne den nuklearmedizinischen Anteil der Untersuchung aussagekräftig sind? Welche Rolle könnte dabei Künstliche Intelligenz spielen?

Das ist eine sehr interessante Frage – und sicherlich ist das keine Einbahnstraße, wo wir nur den Einfluss der einen auf die andere Modalität betrachten. Gerade bei der integrierten PET/MRT-Hybridbildgebung können wir MRT- und PET-Daten zeitgleich und physikalisch unabhängig voneinander akquirieren und somit verschiedene diagnostische Informationen aus dem gleichen Organ oder Gewebeelement gewinnen.

Wir können also das exakt gleiche Bildelement oder Voxel mit einer großen Tiefe und Dichte von Informationen belegen, zum Beispiel mit den zahlreichen Parametern der MRT-Bildgebung – Protonendichte, T1- und T2-Relaxationszeiten, Diffusion, Perfusion, Kontrastanreicherung und -dynamik und vieles mehr – und zusätzlich mit den funktionellen Informationen der PET-Bildgebung und der Verstoffwechselung verschiedener Tracer. Das gibt uns theoretisch eine enorme Fülle von Informationen.

Die PET/MRT bietet sich geradezu als Datenlieferant für Radiomics-Studien an. Strukturierte diagnostische Informationen mit einer großen Informationstiefe, computerfreundlich abgelegt in großen 3D Bilddatensätzen. Dabei wird uns künstliche Intelligenz eine große Hilfe sein, Voxel für Voxel Korrelationen zwischen MRT- und PET-Daten aufzudecken, die das menschliche Gehirn nicht mehr ohne weiteres überblicken kann. Erste Studien hierzu sind in der PET/MRT-Community angelaufen und zeigen schnell erste Erfolge.

Für welche Indikationen sehen Sie besondere Vorteile der simultanen PET/MRT gegenüber der sequentiellen Bildgebung? Wird die sequentielle PET/MRT weiterhin ihren Stellenwert in der Diagnostik haben?

Die simultane PET/MRT oder auch integrierte PET/MRT bietet gegenüber der sequentiellen PET/MRT von Beginn an schon sehr große und offensichtliche Vorteile, die gegenwärtig und in Zukunft noch viel weiter ausgebaut werden. Ich denke da zunächst an die Möglichkeiten, MRT- und PET-Daten zeitgleich und völlig unabhängig voneinander zu akquirieren. PET und MRT sind beides Ganzkörper-Bildgebungsmodalitäten, die beide nicht zu den schnellsten bildgebenden Verfahren zählen. Bei geschickter Protokollwahl spart man mit der simultanen Datenakquisition dem Patienten bis zur Hälfte der Gesamtuntersuchungszeit gegenüber einer sequentiellen PET- und MRT-Untersuchung ein.

Abgesehen von diesen offensichtlichen logistischen Vorteilen bietet die simultane PET/MRT den Mehrwert, dass MRT-Daten genutzt werden können, um eine Bewegungskorrektur der PET-Daten vorzunehmen. Neue Software-Features ermöglichen somit die exakte Überlagerung der MRT- und PET-Datensätze auch bei der Untersuchung von bewegten Organen, wie zum Beispiel Herz- und Lungenuntersuchungen. Exakte Datenüberlagerung nach erfolgter Bewegungskorrektur ist wiederum ein wichtiger Faktor, wenn man gedanklich den Kreis zu den angesprochenen Radiomics-Studien und zum Einsatz der künstlichen Intelligenz schließt. Aus den genannten Gründen und Beispielen gehe ich davon aus, dass der Stellenwert der simultanen gegenüber der sequentiellen PET/MRT weiter steigen wird.