ESUR 2017: Rezidiverkennung beim Prostatakarzinom

ESUR 2017: Rezidiverkennung beim Prostatakarzinom

Die dynamische kontrastverstärkte MRT gilt als wichtigste Sequenz für die Detektion lokaler Rezidive eines Prostatakarzinoms.

  • Präsentationstag:
    17.09.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Valeria Panebianco, Sapienza Universität Rom/Italien
  • Quelle:
    24. European Symposium on Urogenital Radiology (ESUR), Sopot/Polen

PSA und PSA-Kinetik in der Rezidiverkennung

Nach Behandlung eines Prostatakarzinoms (PCa) mit kurativer Absicht sollte das prostataspezifische Antigen (PSA) nicht mehr nachweisbar sein, erläuterte Valeria Panebianco von der Sapienza Universität in Rom. Konkret bedeutet das: Der PSA sollte unterhalb von 0,1 ng/ml liegen. Ein PSA oberhalb von 0,1 ng/ml gilt als Hinweis auf Residualgewebe der Prostata, während steigende PSA-Werte über 0,2 ng/ml ein Rezidiv vermuten lassen.

Die PSA-Kinetik bietet zwei zusätzliche Parameter, die prädiktiv für ein PCa sind:

  • PSA-Geschwindigkeit (PSA velocity, PSAV) = absoluter jährlicher Anstieg des Serum-PSA. Ist er höher als 0,5 ng/ml im Monat?
  • PSA-Verdopplungszeit (PSA doubling time, PSA-DT) = Maß für den exponentiellen Anstieg des Serum-PSA im Zeitverlauf. Kürzer als zwei Monate?

Bildgebung zur Rezidiverkennung

Nach den Prostatakrebs-Leitlinien der European Association of Urology “ist die Bildgebung zur Detektion lokaler Rezidive nur dann empfohlen, wenn sie Auswirkungen auf die Behandlungsplanung hat. Biopsieren vor einer Second-Line-Therapie ist normalerweise nicht erforderlich“ (EAU Guidelines 7.1.5). Und weiter: „Die präzise Lokalisation eines lokalen Rezidivs mittels bildgebender Verfahren ist nur dann nötig, wenn vor einer Salvage-Behandlung der histologische Nachweis eines Rezidivs verlangt wird und/oder die Lokalisation zur Änderung des Behandlungsplans führen könnte“ (EAU Guidelines 6.10.4.5.1).

Multiparametrische MRT bei ansteigendem PSA nach radikaler Prostatektomie

Nach radikaler Prostatektomie liefert die multiparametrische MRT (mpMRT) eine Reihe unterschiedlicher Parameter. “Wir sollten die mpMRT als Biomarker ansehen, denn jede ihrer Techniken liefert uns unterschiedliche pathologische Charakteristika”, so Panebianco.

In T2-gewichteten Bildern zeigt sich ein lokales Rezidiv hypointens zum umliegenden Fett und hyperintens im Vergleich zur Beckenmuskulatur. T2-Bildgebung allein sei allerdings nicht aussagekräftig genug, so Panebianco.

Die MR-Spektroskopie (MRS) zeigt Cholin-Spitzen.

Die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) zeigt Diffusionseinschränkungen in soliden Tumoren.

Die dynamische kontrastverstärkte MRT (DCE-MRT) gilt als wichtigste Sequenz für die Detektion lokaler Rezidive. In der DCE-MRT reichern Tumoren aufgrund der postoperativen Veränderungen tendenziell früher und stärker an. Das Verfahren erlaubt die Gewebecharakterisierung und die Unterscheidung zwischen lokoregionären Rezidiven, geringen Volumina verbliebenen gesunden Prostatagewebes, und narbigen, fibrotischen oder Granulationsgewebe.

„Die multiparametrische MRT kann man derzeit als verlässlichsten Biomarker ansehen, um bei Patienten nach radikaler Prostatektomie lokale Rezidive zu erkennen“, so Panebianco. Das gelte vor allem für Patienten mit einem PSA zwischen 0,2 und 1,0 ng/ml, für die eine PET/CT nicht empfohlen werde.

Fazit

Die multiparametrische MRT ist mit hoher Genauigkeit in der Lage, gesundes Residualgewebe oder narbiges Gewebe der Prostata von einem Rezidiv zu unterscheiden.

Diskussion

„Welches ist Ihrer Ansicht nach die beste Methode, um nach Fernmetastasen zu suchen?“ fragte ein Zuhörer. „Eindeutig die PET/CT“, sagte Panebianco. Die mpMRI werde empfohlen bei PSA-Werten zwischen 0,1 und 1,0 ng/ml.

„Verwenden Sie Endorektalspulen?“ – „Das hängt vom Magneten ab“, sagte Panebianco, „wir verwenden Endorektalspulen, aber mit einer 32-Kanal-Spule bekommen Sie auch exzellente Bilder und können auf eine Endorektalspule verzichten.“

„Wäre die Nano-MRT ein gangbarer Weg für die Detektion lokaler Rezidive?“ – Diese Frage ließ Panebianco unbeantwortet; der Vorsitzende ergänzte, dass es in diesem Bereich gegenwärtig keine praktische Anwendung der Nano-MRT gebe.

„Gehört die MR-Spektroskopie in ein Protokoll zur Rezidiverkennung?“ – „Unser Protokoll besteht aus diffusionsgewichteter und dynamischer kontrastverstärkter Bildgebung“, so Panebianco.

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