RadiologiekongressRuhr – Metastasen sind die häufigsten Lebertumoren

RadiologiekongressRuhr – Metastasen sind die häufigsten Lebertumoren

Die gut durchblutete Leber ist für die meisten Karzinome erste Station bei Metastasierung. Die CT bleibt die Standard-Methode für das Staging. Bei Problemen und kleinen Läsionen liefert die MRT bessere Ergebnisse.

  • Datum:
    06.12.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Philipp Heusch, Universitätsklinikum Düsseldorf
  • Quelle:
    RadiologiekongressRuhr
Die Leber wird über zwei Kreisläufe mit Blut versorgt, dem arteriellen und dem portalvenösen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass sich streuende Tumorzellen von vielen Primärkarzinomen zuerst hier ansiedeln.
„Das gilt nicht für das tiefsitzende Rektum-Karzinom. Wie Sie sicher wissen, metastasiert es zuerst in die Lunge“, erklärt Philipp Heusch vom Universitätsklinikum Düsseldorf.

Charakteristika

Am häufigsten sind Leber-Metastasen hypovaskulär. Die Primärtumoren liegen hauptsächlich im Gastrointestinaltrakt. „Entscheidend ist hier die portalvenöse Phase“, sagt Busch. Die Läsionen nehmen dann kein Kontrastmittel mehr auf und imponieren als ‚Speicherdefekt‘.
Für Metastasen eines kolorektalen Karzinoms seien Randenhancement und hypointense Zentren typisch, so Busch.

Hypervaskuläre Metastasen sind selten, zum Beispiel bei neuroendokrinen Tumoren. In der arteriellen Phase zeigen sie eine Hyperperfusion. Im Verlauf kommt es zu keiner Kontrastmittel-Füllung. Der Washout ist nur gering.

Bildgebung

Der erste Schritt zur Beurteilung der Leber mit Bildgebung ist der Ultraschall (US). Die Methode ist kostengünstig, überall verfügbar und kommt ohne Strahlung aus. US-Kontrastmittel ermöglichen eine kontrastreiche Darstellung. Die verwendeten Mikrobubbles sind extrazelluläre Substanzen, so genannte Blood-Pool-Agents. Die Gabe von Kontrastmittel erhöhe die Detektions- und Differenzierungsrate des US, so Busch.
„Ultraschalluntersuchungen werden aber meist von den Internisten durchgeführt, auch bei Kontrastmitteleinsatz.“
Diese Einschätzung des Referenten wird vom gut gefüllten Auditorium bestätigt. Kaum eine/r hebt die Hand bei seiner Nachfrage: Wer von ihnen macht Ultraschall?

Die Computertomographie sieht Busch weiterhin als Standardverfahren zum Staging von Lebermetastasen. Bei hypovaskulären Metastasen müsse das Augenmerk besonders auf die portalvenöse Phase gelegt werden.

Die Magnetresonanztomographie bezeichnet Busch als „Platzhirsch“ bei Problemfragestellungen. Die Methode verbessert die Detektion und Charakterisierung von Leberläsionen. Besonders bei kleinen Läsionen kann die Methode punkten.
Zusatzinformationen, die für die exakte Diagnose entscheiden sein können, liefern kontrastmittelverstärkte Aufnahmen und die DWI.

Der PET-CT bescheinigt Busch zwar eine hohe Genauigkeit (Sens. 95%, Spez. 92%), aber trotzdem spiele die Methode in der Leberdiagnostik nur eine untergeordnete Rolle. „Kleine Läsionen lassen sich damit nur schlecht abgrenzen“. Als möglichen Grund nannte er, die Atmungsaktivität des Organs, durch die es immer in Bewegung sei.  

Ist die PET-MRT hier eine Lösung? In den letzten Jahren gab es dazu einige vielversprechende Studien. Busch nannte jene die Veröffentlichung von Beiderwellen K et al. (Eur J Radiol 2013) und Donati OF et al. (J Nucl Med 2010). In beiden Studien hatte die PET-MRT gegenüber der PET-CT bei Detektion und Charakterisierung von Leberläsionen zu besseren Ergebnissen geführt.
Trotzdem glaubt Busch, dass das Verfahren in den nächsten Jahren (noch) keine  entscheidende Rolle in der Leberdiagnostik spielen wird.

Fazit

Lebermetastasen sind rund 40mal häufiger als primäre Lebertumoren. Sie lassen sich nicht über spezifische klinische Symptome detektieren.
Mit Ultraschall lassen sich bereits viele Leberläsionen detektieren. Das präoperative Staging ist die Domaine der CT, bei Problemfällen und/oder kleinen Läsionen erreicht die MRT die besten Ergebnisse.

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