RadiologiekongressRuhr – Primäre Leberkarzinome: HCC und CCC

RadiologiekongressRuhr – Primäre Leberkarzinome: HCC und CCC

Das hepatozelluläre Karzinom ist häufig, Gallengangskarzinome dagegen eher selten. Die Bildgebung hilft bei Detektion und Differenzierung.

  • Datum:
    21.11.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Thomas Lauenstein, Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf
  • Quelle:
    RadiologiekongressRuhr
Thomas Lauenstein vom Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf beginnt seinen Vortrag mit einem anatomischen Bild der hepatischen Blutversorgung: 75% läuft über den portovenösen und 25% über den arteriellen Kreislauf. „Das ist wichtig zu wissen, da einige Tumoren rein arteriell versorgt werden, zum Beispiel das HCC.“

Bildgebung

Für die arterielle Kontrastmittelphase habe man früher häufig einen fixed Delay von beispielsweise 20 Sekunden verwendet, erklärte Lauenstein. „Das funktionierte dann aber nicht immer, zum Beispiel wenn die kardiale Auswurfleistung nur gering ist.“ Heute gängig sind die Gabe eines Testbolus oder das Bolustracking.

Die High-Resolution-Acquisition ist eine relativ neue, vielversprechende Methode. Dabei werden beispielsweise 3D-Daten im Zwei-Sekunden-Rhythmus akquiriert. „Damit sind Sie auf der sicheren Seite und können sich retrospektiv den besten Datensatz raussuchen“, erläuterte Lauenstein die Vorteile.

Die Diffusionsbildgebung (DWI) ist eine gute Ergänzung für die Diagnostik. Zwar warnte Lauenstein, dass man nie nur anhand der ADC-Werte die Diagnose maligne oder benigne stellen sollte. Aber die DWI liefere nützliche Zusatzinformationen (Bruegel M et al., Eur Radiol 2008).

Hepatozelluläres Karzinom

Das HCC gehört zu den häufigen primären Lebertumoren. Rund 3% der Frauen und 6% der Männer erkranken an einem HCC.
Der Tumor entwickelt sich auf dem Boden einer Leberzirrhose. Diese ist meist alkoholtoxisch oder viral bedingt. „Die zugrundeliegende Ursache der Leberzirrhose ist aber für die Entstehung eines HCC nicht relevant“, ergänzt Lauenstein.
Das HCC wird zu 100 Prozent arteriell versorgt. Daher imponiert die Läsion in der arteriellen Phase hypervaskularisiert ohne weitere Kontrastmittelanreicherung in der portalvenösen Phase. Durch dieses Washout erscheint das Leberparenchym heller, da es zu 75 Prozent aus dem portalvenösen Kreislauf versorgt wird.
Weiteres Merkmal der HCC ist ihre Pseudokapsel in der portalvenösen Phase, verursacht durch die hypervaskuläre Entzündungsreaktion um die Läsion herum.

„Im CT springt das Washout nicht so ins Auge. Da müssen Sie eventuell nach 3-5 Minuten eine weitere Aufnahme machen“, so Lauenstein.
Sonderformen des HCC
Eine diagnostische Herausforderung ist das diffuse HCC. Auf den T1-Aufnahmen sei das „wie Nebel“, erklärt Lauenstein. Hier brauche man die T2-Aufnahmen. Dort komme es zu einer Signalsteigerung und die Läsion sei nur unscharf von der Umgebung abgrenzbar.
Eine Pseudokapsel, wie sie sonst bei HCC vorkommt, fehlt. Ein starker Hinweis auf ein diffuses HCC liefert der Tumormarker AFP. Er ist bei diffusem HCC deutlich erhöht.

Fibrolamelläre HCC treten vor allem bei jüngeren Menschen auf. Sie entwickeln sich nicht auf dem Boden einer Leberzirrhose.
Das Enhancement dieses Tumors ist heterogen. In der Spätphase zeigt sich häufig eine zentrale Narbe.
„Kleine Verkalkungen im CT sind relativ pathognomonisch für diese Sonderform, das nehmen Sie bitte mit in Ihren Alltag.“
Gallengangskarzinome (CCC)
Gallengangskarzinome sind seltener als das HCC (3:100.000). Als Risikofaktor gelten alle chronischen Entzündungen der Gallengänge, beispielsweise die PSC (primäre sklerosierende Cholangitis).
Das Leitbild des CCC sind die erweiterten Gallengänge. „Auch noch relative kleine Läsionen können bereits den Abfluss behindern“, ergänzte Lauenstein.

Als Sonderform nannte Lauenstein den Klatskintumor. Dieser wächst an der Hepatikusgabel. Bei der Gabe leberspezifischen Kontrastmittels nimmt die Läsion in der leberspezifischen Phase zwar Kontrastmittel auf. Ursache dafür ist aber nicht die portalvenöse Blutversorgung des Tumors, sondern das späte Enhancement, ausgelöst vom extrazellulären Anteil des Kontrastmittels.

Fazit

Hepatozelluläre Karzinome zeigen in der Bildgebung ein arterielles Enhancement, ein Washout und eine Pseudokapsel. Bei Gallengangskarzinomen sind die Gallengänge dilatiert. Die Läsionen sind hypervaskularisiert mit zentraler Nekrose.

Der Co-Moderator der Veranstaltung, Johannes Weißling vom Clemens-Hospital in Münster, wollte wissen, wie Lauenstein mit dysplastischen Knoten umgeht. „Das kontrollieren wir spätestens nach drei Monaten wieder. Sonst verpassen wir möglicherweise schnellwachsende HCC.“

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