RSNA 2016 – Zukünftige Radiologinnen wollen Mentoren

RSNA 2016 – Zukünftige Radiologinnen wollen Mentoren

In der Radiologie ist die Kluft zwischen den Geschlechtern groß – und sie wächst weiter. In allen Hierarchie-Ebenen gibt es deutlich weniger Frauen als Männer. Um Studentinnen für die Radiologie zu gewinnen, bedarf es eines Mentors oder einer Mentorin.

  • Präsentationstag:
    27.11.2016 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Sprecher:
    Holly J. Jumper, Niedergelassene Radiologin in Little Rock, Arkansas, USA
  • Quelle:
    RSNA 2016

Noch nie studierten an US-amerikanischen Medizinuniversitäten so viele Frauen wie heute. Umso verwunderlicher ist es, dass in der Radiologie der Frauenanteil seit Jahren eher sinkt. “Seit 2011 beobachten wir einen kontinuierlichen Rückgang, wobei die Quote 2016 wieder leicht angestiegen ist”, erläuterte Holly J. Jumper aus Little Rock, USA.

Jumper beschäftigte sich mit die Frage, wieso Medizinstudentinnen keine Karriere in der Radiologie wollen: Gemeinsam mit ihren Kollegen begab sie sich auf die Suche nach den Ursachen dieses Phänomens, in dem sie den jährlichen Absolventen-Fragebogen der Association of American Medical Colleges (AAMC) dahingehend auswertete.

Der Fragebogen (graduation questionnaire, GQ) der AAMC gibt 31 verschiedene Spezialisierungswege zur Auswahl vor – darunter auch die Radiologie. Zusätzlich können die Befragten zwischen elf Faktoren wählen, die ihre Entscheidungen für eine bestimmte Karriereoption beeinflusst haben. Jumper und Kollegen nahmen sich für ihre Analyse alle 87.333 zwischen 2011 und 2016 eingegangenen Fragebögen vor. Ihr Hauptaugenmerk legten sie auf die Frage: “Welches Fachgebiet wollen Sie einschlagen?”

Bei den männlichen Befragten nahm die Radiologie Rang fünf aller Spezialisierungsoptionen ein; sieben Prozent strebten eine Karriere in der Radiologie an. Bei den Absolventinnen lag die Radiologie hingegen nur auf Platz elf. Gerade einmal zwei Prozent der weiblichen Befragten konnten sich Radiologie als Spezialisierung vorstellen.

Mentoren, Mentoren und noch einmal Mentoren

Von den elf wählbaren Einflussfaktoren traten vier deutlich in den Vordergrund, wenn es um die Berufswahl Radiologie ging:

  • Work-Life Balance
  • Zukünftige Familienplanung
  • Einkommen und hohe Verschuldung
  • Wettbewerbsfähigkeit in diesem Berufsfeld 

“Der einzig statistisch signifikante Faktor, bei dem sich die Geschlechter unterschieden, war das Thema Mentoren”, erklärte Jumper. Die Datenlage habe klar erkennen lassen, dass dieser Faktor in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen habe. Derzeit bewerten 47% der Frauen den Faktor Mentor als sehr wichtig für eine Berufslaufbahn in der Radiologie. Bei anderen Spezialisierungen, wie Allgemeinmedizin, Innere Medizin, sowie Pädiatrie wurde das Thema Mentor sogar als noch wichtiger erachtet (62%, 55%, 50%).

Zusammenfassung

Familienplanung scheint nicht mehr der wichtigste Einflussfaktor zu sein, in dem sich Frauen und Männer bei der Gestaltung ihrer Karriere unterscheiden. Die Frage nach Mentoren beeinflusst die Wahl der Radiologie als Berufsziel offenbar sehr stark. “Hier eröffnet sich eine gute Möglichkeit, um mehr Frauen für die Radiologie zu gewinnen”, folgerte Jumper.

Diskussion

Ein Teilnehmer wollte wissen, ob das Geschlecht des Mentors eine Rolle spiele. “Das scheint nicht das Problem zu sein. Die weiblichen Befragten bezogen sich generell auf Mentoren, unabhängig von deren Geschlecht”, antwortete Jumper.

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