7T-MRT: Neues zum Blutkreislauf in Röhrenknochen

7T-MRT: Neues zum Blutkreislauf in Röhrenknochen
Feinste Blutgefäße verbinden das Knochenmark direkt mit der Knochenhaut (©UDE/M. Gunzer, A. Grüneboom)

Ein bisher übersehenes Netzwerk aus feinsten Blutgefäßen, das das Knochenmark direkt mit der Zirkulation der Knochenhaut verbindet, haben Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen identifiziert.

  • Datum:
    01.02.2019
  • Autor:
    B. Kostka (mh/ktg)
  • Quelle:
    Universität Duisburg-Essen

Blutversorgung im Röhrenknochen nicht ganz geklärt

Knochen haben ein dichtes Netzwerk von Blutgefäßen in ihrem Inneren, wo sich das Knochenmark befindet, sowie auf der mit Knochenhaut bedeckten Außenseite. Deshalb bluten beispielsweise Knochenbrüche erheblich. Durch dieses Gefäßsystem können auch neu gebildete Blutzellen das Knochenmark verlassen und in den Körper auswandern.

„Wie jedes Organ benötigt ein Knochen für diese Funktionen einen geschlossenen Blutkreislauf. Während frisches Blut über Arterien in das Organ hineintransportiert wird, fließt über die Venen das verbrauchte Blut wieder heraus. Wie dieser geschlossene Blutkreislauf von Röhrenknochen genau aussieht, war allerdings bisher noch nicht ganz klar“, so Dr. Anika Grüneboom vom Universitätsklinikum Erlangen.

Entdeckung: Transkortikalgefäße

In Knochen von Mäusen fand die Wissenschaftlergruppe nun teils über tausend bisher unbekannte Blutgefäße, die auf der gesamten Länge quer durch die Kortikalis verlaufen. Deshalb bezeichneten die Forscher sie als „Transkortikalgefäße“. Weiter konnten sie zeigen, dass durch dieses neu entdeckte Gefäßsystem die überwiegende Menge sowohl des arteriellen als auch des venösen Blutes fließt.

Prof. Dr. Matthias Gunzer von der Universität Duisburg-Essen, einer der Leiter der Forschungsgruppe, erläutert: „Die bisherigen Konzepte beschrieben lediglich einige wenige arterielle Zuflüsse und zwei venöse Abflüsse bei Knochen. Das ist vollkommen unvollständig und spiegelt die natürliche Situation überhaupt nicht wider. Es ist schon erstaunlich, dass man im 21. Jahrhundert noch neue anatomische Strukturen finden kann, die in keinem Lehrbuch beschrieben werden.“

Möglich wurde dies durch eine einmalige Mischung modernster Bildgebungsverfahren, darunter  die sogenannte Lichtblattmikroskopie oder die ultrahochaufgelöste 7-Tesla-MRT. An der Studie waren auch Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen sowie von Forschungseinrichtungen in Erlangen, Jena, Berlin, Dresden und Bern beteiligt. Ihre Ergebnisse wurden jetzt in Nature Metabolism publiziert.