Europäische Forschungsplattform für medizinischen Strahlenschutz gegründet

Europäische Forschungsplattform für medizinischen Strahlenschutz gegründet
Prof. Dr. rer. nat. Christoph Hoeschen (© H. Krieg/Uni Magdeburg)

Prof. Dr. Christoph Hoeschen, Universität Magdeburg, ist Gründungspräsident der ersten europäischen Plattform zur Erforschung des medizinischen Strahlenschutzes.

  • Datum:
    17.11.2017
  • Autor:
    K. Vorwerk (mh/ktg)
  • Quelle:
    Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Der Medizintechniker Christoph Hoeschen wird künftig maßgeblich daran beteiligt sein, medizinische Diagnose- und Therapieverfahren zu individualisieren, Patienten und Mediziner vor übermäßiger Strahlenbelastung zu schützen und einheitliche europäische Standards für die Nuklearmedizin durchzusetzen.

Im Rahmen des mit 10 Millionen Euro geförderten EU-Verbundprojekts „MEDIRAD - Implications of Medical Low Dose Radiation Exposure“ entwickelt Hoeschen bereits passgenaue und personalisierte Therapien und Diagnoseverfahren. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Maciej Pech von der Magdeburger Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin geht er vor allem der Frage nach, wie künftig die röntgenstrahlenbasierte Diagnostik verbessert werden kann, persönliche Bedürfnisse von Patienten berücksichtigt und Risiken minimiert werden können.

„Bisher ist es in Deutschland so, dass die medizinische Strahlenexposition pro Kopf genauso groß ist wie die aller natürlichen, aus dem Boden, der Atmosphäre oder unserer Nahrung abgegeben Strahlung zusammen“, so Hoeschen. „Wir wissen, dass nicht jeder Patient die gleiche Menge Strahlung benötigt, bisher gibt es aber noch viel zu wenig Verfahren, diese Individualisierung der medizinischen Anwendung ionisierender Strahlung zu ermöglichen. Zudem fehlen europäische Standards, die an Kliniken europaweit die gleichen Therapie- und Diagnoseverfahren anbieten.“

Bis 2020 werden die 32 europäischen Projektpartner die gesundheitlichen Folgen schon geringer Mengen ionisierender Strahlung durch diagnostische und therapeutische Verfahren in der Medizin erforschen und damit die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen, um klinische Anwendungen künftig mehr und mehr zu individualisieren.

„Wir werden durch eine verbesserte Einschätzung der Effekte medizinischer Strahlung künftig die Dosis optimieren und für den einzelnen Patienten personalisieren können“, so Hoeschen. „Wenn wir verstehen, welche Auswirkung eine bestimmte Strahlendosierung auf Gefäße oder unser Herz-Kreislauf-System und andere Organe haben, wird es möglich sein, die bei jedem Patienten besonders gefährdeten Regionen besser zu schützen.“

Zum Ende des auf vier Jahre angelegten Forschungsprojektes sollen wissenschaftlich basierte Empfehlungen und Richtlinien entwickelt werden, um künftig die Patienten und Mediziner gleichermaßen besser zu schützen.