Schwaches Herz verschlechtert Hirnleistung

Schwaches Herz verschlechtert Hirnleistung

Die Herzinsuffizienz bedarf einer umfassenden Therapie mit exakter Medikamenteneinnahme, die aber von vielen PatientInnen nicht eingehalten wird. Dies liegt häufig gar nicht am fehlenden Willen, sondern an einer durch die Herzschwäche begünstigten Störung des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit.

  • Datum:
    19.07.2018
  • Autor:
    K. Linkamp (ch/ktg)
  • Quelle:
    Dt. Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), Universitätsklinikum Würzburg

Ein Würzburger Forscherteam hat in einer Beobachtungsstudie herausgefunden, dass 41 Prozent der untersuchten Herzschwäche-PatientInnen Defizite in der Reaktionszeit und 46 Prozent im verbalen Gedächtnis aufwiesen.

Im Kopf-MRT zeigten die 148 PatientInnen im Vergleich zu den 288 Herzgesunden der Vergleichsgruppe eine stärkere Atrophie des Temporallappens. Der Schläfenlappen spielt eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung.

Doch wieso beeinflusst das kranke Herz die Herzfunktion? „An der Pumpfunktion scheint es nicht zu liegen“, erklärt die Erstautorin der Studie Anna Frey, Kardiologin am Universitätsklinikum Würzburg. Es findet sich kein direkter Zusammenhang zwischen der eingeschränkten Pumpleistung und der kognitiven Fähigkeit. Auffällig bei den PatientInnen mit kognitiven Störungen war jedoch die geringere Ausdauer. Beim 6-Minuten-Gehtest schnitten sie nicht so gut ab wie die Kontrollgruppe.

Frey warnt vor einer Pauschalisierung. Nicht jede/r PatientIn mit einer Herzschwäche habe zwangsläufig eine Gedächtnisstörung. Immerhin sei bei 32 Prozent aller Studienteilnehmer keine Auffälligkeiten im Gehirn gefunden worden und lediglich 16 Prozent hatten ernsthafte kognitive Störungen.

Bild: MRT-Bild des Hippocampus: Links das von gesunden Probanden, rechts die Atrophie bei Herzschwäche-PatientInnen (Quelle: DZHI, UKW).

Originalpublikation

Frey A et al. Cognitive Deficits and Related Brain Lesions in Patients With Chronic Heart Failure. JACC Heart Fail. 2018;6(7):583-92.