In die Röhre statt unters Messer

In die Röhre statt unters Messer

Biomarker im Hippocampus könnten helfen eine Schläfenlappenepilepsie früher zu erkennen. Vorteil: Medikamente wirken in frühen Stadien besser, so dass weniger Patientinnen und Patienten operiert werden müssen.

  • Datum:
    15.08.2017
  • Autor:
    RW Dreier (ch/ktg)
  • Quelle:
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Heute vom Fahrrad gestürzt und in zehn Jahren an Epilepsie erkrankt? Solche Zusammenhänge wirken weit hergeholt, sind aber durchaus möglich, sagen Freiburger Forscherinnen und Forscher.
Mithilfe neuester MRT-Verfahren haben Carola Haas, Klinik für Neurochirurgie, Jürgen Hennig, Klinik für Radiologie, und Ulrich Egert, Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, in Zusammenarbeit mit Jan Korvink vom Karlsruher Institut für Technologie gezeigt, wie bestimmte Störungen des Hippocampus eine medikamentenresistente Epilepsie in Gang setzen.

Das Team hat mit mithilfe der Magnetresonanztomographie das Hirngewebe von Mäusen und Menschen untersucht: Ist der Hippocampus geschädigt, tritt später zwar nicht zwangsläufig eine Epilepsie auf. Entwickelt sich jedoch eine Anfallsneigung, scheint die Schädigung immer ursächlich dafür zu sein. Zudem hat das Team unter anderem durch Messungen der Bewegung von Wassermolekülen im Hirngewebe den Schweregrad der späteren Epilepsie bestimmt. Häufig sind es die Gliazellen, die auf eine Weise umstrukturiert sind, die das Anfallsrisiko erhöht.

Die pathologischen Veränderungen im Hippocampus könnten der klinischen Diagnostik als Biomarker dienen, um Krankheitsverläufe vorherzusagen, das therapeutische Fenster zu vergrößern oder personalisierte Behandlungen vorzunehmen, bevor die Betroffenen operiert werden müssen.
Welchen prognostischen Wert die potentiellen Biomarker im Hippocampus wirklich haben, muss in klinischen Studien aber erst noch untersucht werden.  

Abbildung: Neue MR-Methode ermöglicht es, den Verlauf von Nervenfasern genau nachzuverfolgen. (Niels Schwaderlapp/Klinik für Radiologie, Medizinphysik).

Originalveröffentlichung

Janz, P et al. Early tissue damage and microstructural reorganization predict disease severity of experimental epilepsy, eLife 2017; 6:e25742.