RöKo 2019 – Bildgebung an Schultern und Knien

RöKo 2019 – Bildgebung an Schultern und Knien
Prof. Dr. med. Timm Denecke, Uniklinikum Leipzig, beim Bayer Vital Workshop „Muskuloskelettale Bildgebung“

Die MR-Bildgebung liefert bei vielen Fragestellungen rund um die Schulter wertvolle Informationen. In Detektion und Charakterisierung von Meniskusläsionen im Knie ist das Verfahren der Arthroskopie überlegen.

  • Präsentationstag:
    31.05.2019 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Timm Dennecke, Universitätsklinikum Leipzig
  • Quelle:
    100. Deutscher Röntgenkongress – Workshop Bayer Vital GmbH

Timm Denecke wechselte erst kürzlich von der Berliner Charité nach Leipzig. Seit April leitet er die radiologische Klinik der Universität Leipzig. Beim Bayer-Workshop sprach er über die muskuloskelettale Bildgebung.

Schulter

Akromioklavikulares Gelenk (ACG): Früher wurde die Schwere traumatischer Verletzungen am ACG nach Tossy (I-III) eingeteilt. „Heute sollten Sie besser die Rockwood-Klassifikation nehmen, das ist genauer“, empfahl Denecke. Bei Verrenkungen und Dislokationen hilft die MRT beim korrekten Grading und der Therapieplanung. Wichtig dabei: Die richtigen Ebenen müssen erfasst werden (Alyas F et al. Radiographics 2008).

Rotatorenmanschette: Zur Beurteilung sind sowohl axiale als auch koronare Aufnahmen sinnvoll. Denecke empfahl bei akuten Traumata auch fettgesättigte T2-gewichtete Sequenzen. „Damit lassen sich Flüssigkeiten gut von Fett unterscheiden.“

Kalkschultern können besorgniserregend aussehen. Denecke zeigte Aufnahmen mit ausgedehnten Sklerosierungen im Humeruskopfbereich und umgebenden Weichteilreaktionen. Die vorgestellte Patientin war sehr besorgt, als Onkologin befürchtete sie eine maligne Ursache.

Adhäsive Capsulitis / Frozen Shoulder: Bei schmerzhafter Schultersteife kann die MRT-Diagnostik ohne Kontrastmittel erfolgen (Chi et al. Clin Imaging 2017).

Labrum: Pathologien an der oberen Gelenklippe (Labrum) des Schultergelenks lassen sich am besten mit der MR-Arthroskopie beurteilen. Einrisse werden in unterschiedliche SLAP (Superior Labrum Anterior Posterior)-Typen unterteilt. „Die Einteilung hängen Sie sich am besten irgendwo auf, das kann man sich nicht merken und es ändert sich auch ständig“, erläuterte Denecke. Wichtig sei es, stabile von instabilen Verletzungen abzugrenzen:

Stabile Verletzungen

  • GLAD (glenolabral articular disruption)= Knorpeldefekt am Übergang zum Labrum

Instabile Verletzungen

  • Bankart = Kontinuitätsunterbrechung zw. Knorpel und Labrum
  • Perthes = frischer kompletter Abriss von Labrum und IGHL (inferiores glenohumorales Ligament)
  • ALPSA = chronische Form der frischen Perthes-Läsion

Als mögliche Zusatzsequenzen nannte Denecke Aufnahmen in Abduktion und Außenrotation (Aydingöz U et al. Diagn Interv Radiol. 2014).

Knie

Für die Abklärung von Fragestellungen am Knie ist die MRT der Arthroskopie überlegen.

Ein Standardprotokoll beinhaltet:

  • T1 SE sagittal + coronal
  • PD FSE fs coronal + sagittal + axial
  • FOV 16cm
  • Schichtdicke 3mm (2D)

3D-Sequenzen (z.B. SPACE), so Denecke, seien zwar nicht dringend erforderlich, würden aber insbesondere Unerfahrenen helfen die Anatomie besser zu verstehen.

Meniskusverletzungen lassen sich mittels MRT-Befunde unterschiedlichen Schweregraden zuordnen, von Grad 0 (= normal) bis Grad IV (= mehrere bis zum Rand reichende lineare Signalveränderungen ≙ kompletter Riss bzw. Fragmentierung). „Das ist uralt und kennen Sie ja.“

Ausgedehnte longitudinale Vertikalrisse mit Verlagerung des separierten Meniskusfragments nach medial (Korbhenkelabriss), bei denen meist noch ein Verbindung zur Meniskusbasis besteht, ließen sich auf sagittalen Schichten gut diagnostizieren, sagte Denecke.

Bei allen Verletzungen sollte auch die Meniskuswurzel genau angeschaut werden. „Daran müssen Sie immer separat denken, die sind operationspflichtig.“ Falls diese nicht ausreichend beurteilt werden kann, bietet sich ein Vergleich mit der Gegenseite an.

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