CT 2020 Garmisch – Bildgebung bei Kindern mit akutem Abdomen

CT 2020 Garmisch – Bildgebung bei Kindern mit akutem Abdomen

Das akute Abdomen bedarf bei Kindern einer schnellen Abklärung. Wann dabei die Computertomographie zum Einsatz kommt, erläuterte Julia Ley-Zaporozhan, LMU München, beim diesjährigen CT-Symposium in Garmisch.

  • Präsentationstag:
    24.01.2020 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Julia Ley-Zaporozhan, LMU München
  • Quelle:
    11. Internationales CT-Symposium Garmisch

„Unspezifische Symptomatik sowie eingeschränkte Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erschweren bei Kindern die abdominelle Diagnostik“, sagte Julia Ley-Zaporozhan von der pädiatrischen Radiologie am Klinikum der Universität München.

Je nach Alter und Geschlecht der Kinder variieren die Krankheitsursachen, die zu akuten Bauchschmerzen führen.

Häufige Erkrankungen in unterschiedlichen Altersgruppen:

Neu- / Frühgeborene

Säuglinge / Kleinkinder

Schulkinder / Jugendliche

  • Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)
  • Atresien, Stenosen
  • Mekoniumileus
  • Malrotation, Volvulus
  • Morbus Hirschsprung
  • Pylorushypertrophie
  • Invagination
  • Duplikaturen
  • Fremdkörper
  • Gastroenteritis
  • Lymphadenitis
  • Appendizitis
  • gynäkologische / urologische Erkrankungen
  • Traumata
  • Cholezystitis

In Deutschland kommt bei den meisten Fragestellungen der Ultraschall als führende Bildgebung zum Einsatz. Abdomen-Übersichtsaufnahmen und Durchleuchtung ergänzen die Diagnostik.

„Wenn Sie befunden, sollten Sie die physiologische Darmgasverteilung bei Kindern kennen“, so Ley-Zaporozhan. Beispielsweise findet man bei Erwachsenen meist keine größeren Luftmengen im Dünndarm, bei Säuglingen und Kleinkindern ist das dagegen normal.

Bei Darmatresien ist der Ultraschall meist nicht so aussagekräftig. Da liefere die Abdomen-Übersicht bessere Ergebnisse.

Die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) ist bei Neugeborenen die häufigste Ursache für ein akutes Abdomen. Frühzeichen sind erweiterte und verdickte Darmschlingen. Typisches Zeichen der NEC ist die Pneumatosis, bei der sich Gasblasen perlschnurartig ansammeln. Bei Darmperforation entsteht ein Pneumoperitoneum, was auf Aufnahmen in Linksseitenlage als sichelartige suprahepatische Luftansammlung imponiert.

Bei einer Darmverschlingung (Volvulus) dreht sich der Darm um die mesenteriale Achse. Akute Bauchschmerzen sowie rezidivierend starkes, galliges Erbrechen zählen zu den typischen Symptomen. Die Erkrankung ist ein Notfall und bedarf meist einer chirurgischen Intervention. Die Diagnose kann im Ultraschall schwierig sein.

Beim Morbus Hirschsprung ist das Leitsymptom die Obstipation. Die angeborene Aganglionose des Dickdarms wird meist schon im frühen Kindesalter symptomatisch. Ultraschall, Abdomen-Übersicht und gegebenenfalls Kolon-Kontrasteinlauf helfen die Diagnose zu sichern.

Invaginationen treten häufig im 3. bis 24. Lebensmonat auf. In 90% der Fälle liegen sie ileokolisch. Mit Röntgen in zwei Ebenen und auf Übersichtsaufnahmen lässt sich freie Luft ausschließen. „In zehn Prozent der Fälle ist eine Raumforderung für die Einstülpung verantwortlich“, so Ley-Zaporozhan, beispielsweise Meckeldivertikel oder Non-Hodgkin-Lymphome.

Stumpfe Bauchtraumen sind die häufigste Indikation für eine CT bei akuten abdominellen Schmerzen. Hier geht es um eine schnelle und solide Diagnostik.

Fremdkörperingestion

„Kinder verschlucken gerne kleine Teile“, so Ley-Zaporozhan. Diese bleiben häufig an einer physiologischen Engstelle hängen.

Besondere Vorsicht ist bei Fremdkörpern geboten, die größer als zwei Zentimeter sind, weil sie leichter hängen bleiben, bei Knopfbatterien wegen der Gefahr der Laugenverätzung, und bei Magneten, da diese aneinander haften können.

Erbringen Ultraschall und Röntgen keine eindeutigen Ergebnisse, kann ein CT sinnvoll sein.

Appendizitis

Auch in der Pädiatrie ist Ultraschall die erste Wahl in der Diagnostik. Bei „verschleppten“ Fällen kann es sinnvoll sein, eine CT durchzuführen. Eine über längere Zeit anhaltende Symptomatik kann beispielsweise durch eine gedeckte Perforation verursacht sein.

Fazit

Die Ursachen eines akuten Abdomens variieren. Einflussgrößen sind Alter, Geschlecht sowie Vorerkrankungen.

Die CT wird hauptsächlich zur Diagnostik bei stumpfen Bauchtraumata durchgeführt. Ansonsten ist sie eine Folgeuntersuchung, wenn Ultraschall oder Röntgen keinen eindeutigen Befund ergeben. Ist eine CT indiziert, sollte dies an einem modernen Scanner und mit an Kinder angepassten Protokollen erfolgen, damit die Strahlenbelastung so gering wie möglich ist.

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