Form der Ohren beeinflusst Richtungswahrnehmung

Form der Ohren beeinflusst Richtungswahrnehmung
In dieser Schallkugel wurden die Hörtests durchgeführt (©Prof. Dr. Marc Schönwiesner)

Auch wenn wir unsere Augen schließen, wissen wir, aus welcher Richtung ein Ton kommt. Die Form unserer Ohren spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wie sich die gehörte Tonrichtung im Gehirn widerspiegelt, haben Neurowissenschaftler haben entschlüsselt.

  • Datum:
    16.04.2018
  • Autor:
    S. Huster (mh/ktg)
  • Quelle:
    Universität Leipzig

Für die Untersuchung veränderten Wissenschaftler der Universitäten Leipzig und Montreal bei 15 Probanden die äußere Ohrform. Dazu bekamen die Teilnehmer ein kleines, von außen nicht erkennbares Silikonstück eingesetzt. Zuvor und anschließend spielte man den Teilnehmern in einem Schall-Labor Töne vor, von denen sie entscheiden sollten, ob sie von oben oder unten kamen. Obwohl diese dabei jeweils den gleichen Tönen lauschten, zeigten sich in den Hörtests deutliche Unterschiede: Vor der Veränderung ihrer Ohrform konnten sie die Töne recht präzise verorten, mit den eingesetzten Silikonstücken gelang ihnen das kaum.

Untersuchung im MRT

Die Untersuchungen wurden auch unter MRT-Beobachtung durchgeführt. Dabei konzentrierten die Neurowissenschaftler sich auf die Aktivitäten im Hörcortex, also in jenem Bereich der Großhirnrinde, der auf das Hören spezialisiert ist. Es zeigte sich: Die Neurone sind umso weniger aktiv, je höher die Quelle eines Tones über unserem Kopf liegt. Anhand der Signale des Gehirns konnten die Wissenschaftler sogar direkt auf die Lage der Töne im Raum schließen.

Mit frisch eingesetzten Silikonstücken im Ohr zeigte sich ihnen jedoch ein anderes Muster: Die Neurone feuerten deutlich unorganisierter auf die eintreffenden akustischen Reize, ein Rückschluss auf die Lage der Töne im Raum war nicht möglich. Das änderte sich allerdings, nachdem sich die Freiwilligen mit ihren neuen Ohren durch den Alltag bewegt hatten. Die Hirnaktivitäten hatten sich wieder sortiert und entsprachen denen der unveränderten Ohrformen.

Potemzieller Nutzen für Hörgeräte-Anpassung

"Aktuell sind nach Schätzungen von Hörgeräteherstellern und Ärzten bis zu 25 Prozent der Hörgeräte nicht im Einsatz, weil Patienten häufig unterschätzen, dass das Gehirn Zeit zur Gewöhnung braucht und erwarten stattdessen eine sofortige Verbesserung“, so Marc Schönwiesner, Professor am Institut für Biologie der Universität Leipzig. „Wenn wir den Gewöhnungsprozess besser verstehen, können wir ihn vielleicht beschleunigen, so dass Patienten zielgerichtet beraten werden könnten."