DTI MRT: Alkoholbedingte Hirnschäden schreiten während Abstinenz weiter fort

DTI MRT: Alkoholbedingte Hirnschäden schreiten während Abstinenz weiter fort

Hirnschäden durch Alkohol schreiten nach einem Entzug noch für mindestens sechs Wochen fort. Dieses Ergebnis unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Abstinenzperioden.

  • Datum:
    09.04.2019
  • Autor:
    T. Lauer (mh/ktg)
  • Quelle:
    Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

Wer nach schwerem und langanhaltendem Alkoholkonsum eine Entzugskur beginnt, leidet noch eine ganze Weile unter den Folgeerscheinungen seiner Krankheit. Überraschend: Alkoholbedingte Schädigungen im Gehirn schreiten noch für mindestens sechs Wochen fort, auch wenn der Betroffene in der Zwischenzeit völlig abstinent war. Das hat nun ein Forschungsteam des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim und des Instituto de Neurociencias de Alicante nachgewiesen.

Bisher war man davon ausgegangen, dass sich alkoholbedingte Schäden schnell zurückbilden, wenn man mit dem Trinken aufhört. Von den Schädigungen betroffen ist vor allem die weiße Substanz des Gehirns. Sie spielt eine wichtige Rolle für Lernen und Gedächtnisbildung und besteht überwiegend aus Nervenfasern, die verschiedene Bereiche des Gehirns verbinden.

Deutliche mikrostrukturelle Schädigungen nachgewiesen

In ihrer nun veröffentlichten Studie untersuchten die Forscher bei mehr als 90 Patienten die Veränderung im Nervengewebe nach dem Alkoholentzug. Dazu benutzten sie das Diffusion Tensor Imaging, mit dem sich die Diffusionsvorgänge von Wassermolekülen im Gehirn darstellen lassen. Bei den Patienten konnten auf diese Weise ausgedehnte mikrostrukturelle Schädigungen nachgewiesen werden.

Dass die Schädigungen selbst nach der Entgiftung noch fortschreiten, könnte durch eine alkoholbedingte Entzündungsreaktion im Gehirn verursacht sein, so vermuten die Forscher. Diese Reaktion könnte auch für die hohe Rückfallrate von Patienten, insbesondere während der frühen Phase der Abstinenz, eine Rolle spielen.

Alkohol als Ursache der Hirnveränderungen identifiziert

Um Alkohol als ursächlichen Faktor der beobachteten Hirnveränderungen feststellen zu können, untersuchten die Forscher mit der gleichen Methodik eine Gruppe von Ratten. "Die Tiere zeigten im MRT genau die gleichen Hirnveränderungen wie die Patienten. Dies erlaubt es, den Ursachenzusammenhang klar festzustellen, was allein durch klinische Beobachtungen am Patienten nicht möglich gewesen wäre", sagt Prof. Dr. Wolfgang Sommer, Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. Andere Einflussfaktoren wie Rauchen, Ernährung, Schweregrad des Entzugs oder weitere Erkrankungen und geistige Einschränkungen konnten die Forscher so ausschließen.