Viele Amputationen bei kritischer Ischämie wären zu verhindern

Viele Amputationen bei kritischer Ischämie wären zu verhindern
Anteil an diagnostischer Angiographie und Revaskularisation vor einer ischämischen Amputation (© Dt. Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.)

Bei vielen pAVK-bedingten Bein-Amputationen wird keine Revaskularisation versucht. Oft erfolgt noch nicht einmal eine Bildgebung.

  • Datum:
    08.11.2023
  • Autor:
    K. Pyschik (mh/ktg)
  • Quelle:
    Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.

Etwa ein Drittel aller Amputationen auf dem Boden einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) erfolgen, ohne dass ein vorheriger Versuch zur Revaskularisation zwecks Bein-Erhalt unternommen wurde. Das zeigt eine kürzlich im European Journal of Vascular and Endovascular Surgery veröffentlichte Studie von Lena Makowski et al., Universitätsklinikum Münster, anhand von ca. 40.000 ischämie-bedingten Amputationen.

Bei 22 Prozent der Amputationen erfolgte noch nicht einmal eine Bildgebung – mittels intraarterieller DSA, CT- oder MR-Angiographie – um zu beurteilen, ob eine Revaskularisation möglich und ggf. erfolgreich gewesen wäre.

„Alle nationalen und internationalen Leitlinien zur Behandlung von pAVK und kritischer Bein-Ischämie propagieren eine rasche Diagnostik - und im Falle einer relevanten Ischämie - die Durchführung einer Revaskularisation, sei es endovaskulär oder gefäßchirurgisch“, sagt Makowski, Erstautorin der Studie.

Warum das evidenz-basierte und in den Leitlinien empfohlene Vorgehen mit adäquater Diagnostik und Revaskularisation vor einer Amputation nicht konsequent in die Praxis umgesetzt wird, kann sich Prof. Dr. med. Holger Reinecke, Kardiologe und Angiologe am Universitätsklinikum Münster, nicht erklären: „Es ist vorstellbar, dass bei einigen Patienten eine Revaskularisation nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Wir wissen aber aus bundesweiten Registern, wie dem CRITISH-Register, dass der Anteil der primär notwendigen Amputierten weniger als fünf Prozent beträgt. Und eine erfolgreiche Revaskularisation kann mittlerweile in Zentren mit hoher gefäßmedizinischer Expertise bei mehr als 95 Prozent der Betroffenen erreicht werden, wie das RECCORD-Register der Deutschen Gesellschaft für Angiologie zeigt.“

Zur Studie in Eur J Vasc Endovasc Surg 2023

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