Kolorektales Karzinom: Erkennung im Kontrast-CT

Kolorektales Karzinom: Erkennung im Kontrast-CT

Bereits in einem CT-Abdomen mit Kontrastmittelgabe ohne vorherige Darmreinigung lässt sich ein kolorektales Karzinom anhand bestimmter Bildzeichen mit einer hohen Sensitivität erkennen.

  • Datum:
    28.04.2016 0 Kommentare
  • Journal:
    Abdominal Imaging 2015;40(8):2993-3001
  • Titel:
    Revisiting the potential signs of colorectal cancer on contrast-enhanced computed tomography without bowel preparation
  • Autor:
    Naqvi J et al.
    Zur Originalstudie
Die Früherkennung des häufig letal verlaufenden kolorektalen Karzinoms (CRC) ist besonders wichtig für seine Prognose. Der Goldstandard zum Erkennen eines solchen Befundes ist die Koloskopie mit Probeentnahme. Im frühen Stadium hat das CRC jedoch häufig keine oder nur sehr unspezifische Symptome. Bei unklaren abdominellen Beschwerden gilt das Kontrast-CT ohne vorherige Darmentleerung als Standard-Diagnostik. Oft wird der Gastrointestinaltrakt hier jedoch weniger genau untersucht als andere Organe und die Peritonealhöhle. Jawad Naqvi und Kollegen des Royal Blackburn Hospital in Lancashire sind der Meinung, dass das Erkennen eines CRC durch genaue Befundung des Darms im Kontrast-CT häufig möglich ist und stellen in ihrem Artikel CT-Merkmale eines CRC vor.

CT-Technik
Im Royal Blackburn Hospital fertigen die Radiologen das CT-Abdomen mit i.v. Kontrastmittelgabe von Lungenbasis bis Pubis mit einer Schichtdicke von 1 mm an.

Bildzeichen
Ein typisches CT-Merkmal des CRC ist eine Weichgewebsmasse mit einem charakteristischen Apfelkern-Zeichen, die zu einer Wandverdickung und einer luminalen Einengung führt.

Tubulärer Tumor: Zumeist entsteht ein CRC aus tubulären oder villösen Polypen. Das Erkennen eines Tumors, der ins Darmlumen ragt, ist im CT möglich, jedoch anders als bei einer Koloskopie durch den Faeces erschwert. Kleinere Läsionen weisen eine homogene Attenuation auf. Größere Läsion, erhöhte Vaskularisierung oder Nekrosen zeigen sich dagegen häufig als heterogen.

Wandverdickung: Eine exzentrische oder asymmetrische Wandverdickung von mehr als 3 cm spricht für ein CRC. Multiplanare Bilder sind von Vorteil, um asymmetrische Wandverdickungen von weniger als 3 cm aufzuspüren, die im rein axialen CT leicht übersehen werden könnten. Benigne Läsionen weisen dagegen meist eine symmetrische Wandverdickung von weniger als 2 cm auf, jedoch über eine längere Darmstrecke hinweg.

Perikolische Veränderungen: Eine perikolische Tumorinfiltration manifestiert sich als Invasion hinter die Muskularis propria in das anliegende Fettgewebe. Vor der Entwicklung einer klar erkennbaren transmuralen Läsion kommt es zu einer im CT sichtbaren Verringerung der homogenen Attenuation des perikolischen Fettes und dem Verlust einer klaren Wandstruktur.
Durch eine dünnere Schichtung im Spiral- und Multidetektor-CT ist die Sensitivität des CT für die Erkennung einer solchen Läsion in den letzten 30 Jahren von 60% auf über 80% gestiegen.

Lymphknoten: Eine Lymphknoten-Vergrößerung von mehr als 1 cm ist normalerweise als pathologisch anzusehen. Ein Cluster von drei oder mehr Lymphknoten gilt dabei als Indikator für eine Lymphknoteninfiltration. In diesem Fall muss eine multiplanare Befundung des Gastrointestinaltrakts, insbesondere des Kolons, mit der Fragestellung nach einer intraluminalen Masse oder einer Wandverdickung erfolgen. Auch hier hat sich die Detektion von abnormen Lymphknoten in den letzten Jahren verbessert, liegt jedoch immer noch bei circa 70%.
Neben einem Karzinom können auch bei anderen neoplastischen, inflammatorischen oder infektiösen Prozessen abnorme Lymphknoten auftreten. In Kombination mit einer Wandverdickung sind sie jedoch sehr verdächtig für ein malignes Geschehen.

Ergebnis
Goldstandard für die Detektion eines CRC bleibt die optische Koloskopie, gefolgt von der virtuellen Koloskopie. Ein CT ohne Darmvorbereitung ist jedoch die Standard-Methode bei unspezifischen Bauchbeschwerden und hat auch das Potenzial, ein CRC zu erkennen. Ein anderer CT-Befund bei unklaren Bauchbeschwerden kann die Frühdiagnose eines CRC dagegen verhindern. Daher ist die genaue Beurteilung des Darms hier entscheidend für die eventuelle Diagnose eines CRC, die in weiterführenden Untersuchungen sichergestellt wird.

mm/ktg
28.04.2016

Sie müssen sich einloggen, um Kommentare zu verfassen.