RöKo Digital – Minimierung iodhaltiger Kontrastmittel im Abwasser

RöKo Digital – Minimierung iodhaltiger Kontrastmittel im Abwasser

Der Eintrag iodhaltiger Kontrastmittel in die Umwelt könnte durch Urinsammelsysteme stark reduziert werden.

  • Präsentationstag:
    21.05.2020 2 Kommentare
  • Autor:
    biho/ktg
  • Sprecher:
    Meinrad Beer, Universitätsklinikum Ulm
  • Quelle:
    Röntgenkongress Digital 2020

Iodhaltige Kontrastmittel werden chemisch unverändert über den Urin der PatientInnen ausgeschieden. Sie sind inert, langlebig und akkumulieren in der Umwelt – ausreichende Gründe, um sich um eine angemessene Entsorgung iodhaltiger Kontrastmittel zu bemühen. Meinrad Beer, Universitätsklinikum Ulm, berichtete von regionalen Pilotprojekten.

Pilotprojekte zur getrennten Entsorgung: Kosten, Zeit und Akzeptanz

Nach vier Stunden hat der Körper etwa die Hälfte der Menge des verabreichten Kontrastmittels über den Urin ausgeschieden; nach 24 Stunden sind nur noch geringe Mengen im Urin nachweisbar.

Um die Abwasserbelastung zu verringern, setzten Studien in verschiedenen stationären Einrichtungen Deutschlands auf getrennte Urinsammlung in entsprechenden Beuteln, die über den Hausmüll entsorgt werden können. Im Ergebnis halbierte sich die Konzentration iodhaltiger Kontrastmittel im krankenhauseigenen Abwasser zumindest zeitweise. Damit verbunden waren jedoch ein erhöhter Kosten- und Zeitaufwand sowie eine geringe Akzeptanz beim Krankenhauspersonal.

„Die zusätzlichen Kosten liegen bei ungefähr zehn Euro pro Patient. Für beispielsweise alle Berliner Kliniken hochgerechnet ergäben sich da Kosten von 1,3 Millionen Euro pro Jahr“, konstatierte Beer. Pro PatientIn fielen außerdem knapp zehn Minuten zusätzlicher Zeitaufwand an.

Am Universitätsklinikum Ulm wird in der „MindER II“-Studie an Verbesserungen gearbeitet: Patienten verwenden getrennte Urinale anstelle von Urinbeuteln. Das soll Aufwand und Kosten senken. Erste Ergebnisse zeigen eine erhöhte Akzeptanz unter PatientInnen und Personal.

Minimierung iodhaltiger Kontrastmittel im Abwasser stationärer Einrichtungen: Pilotprojekte am Universitätsklinikum Ulm
Der Eintrag iodhaltiger Kontrastmittel in die Umwelt könnte durch Urinsammelsysteme stark reduziert werden.

Pilotprojekte zur Aufreinigung: Recycling vorstellbar

Klärwerke können durch den Einsatz von biologisch aktiven Kohlefiltern, Ozonierung oder anderen Techniken den Prozentsatz an eingebrachten iodhaltigen Kontrastmitteln senken. „Theoretisch könnten die Kontrastmittel auch wiedergewonnen werden“, sagte Beer. Dazu fehlen jedoch bisher die Erfolgsdaten.

Fazit und Diskussion

„Der Fokus auf iodhaltigen Kontrastmitteln in der Umwelt ist neu“, fasste Beer zusammen. „Wichtig ist, dass sich alle Akteure an einen Tisch setzen: Hersteller, Anwender und Entsorger. Wir brauchen da eine europäische Lösung – bisher gibt es nur Ergebnisse aus regionalen Pilotstudien. Vor allem die Kostenverteilung müsste geklärt werden.“

Auf Nachfrage verwies Beer noch einmal darauf, dass iodhaltige Kontrastmittel keine nachgewiesenen zytotoxischen Wirkungen haben. „Im Vergleich sind Rückstände von Medikamenten im Trinkwasser, vorneweg die Hormonpräparate, wirklich bedenklich.“

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