Anschläge und Attentate: Ganzkörper-CT rettet Leben

Anschläge und Attentate: Ganzkörper-CT rettet Leben

Bei Massenunfällen ist Konzentration auf das Wesentliche wichtig: Wer profitiert von der ärztlichen Hilfe und wie diagnostiziert man am schnellsten lebensbedrohliche Verletzungen?

  • Präsentationstag:
    18.01.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Stefan Wirth, Universitätsklinikum München, Großhadern
  • Quelle:
    10. Internationales CT Symposium

Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt. Bei Massenunfällen geht es um Triage: „Wir interessieren uns für jene Personen, denen wir helfen können“, erklärte Stefan Wirth vom Universitätsklinikum München, Campus Großhadern.

Man müsse damit rechnen, dass im Schnitt 1/3 der Betroffenen verstirbt, ein weiteres Drittel überlebt auch ohne sofortige Hilfe und 1/3 bedarf sofort ärztlicher Unterstützung, um zu überleben.

Mit der Sonographie lässt sich schnell und einfach abklären, ob sich Blut im Bauchraum befindet oder größere Bauchorgane verletzt sind. Der Ultraschall kann schon während des Transportes eingesetzt werden, so dass die Informationen bei Eintreffen in der Notaufnahme bereits vorliegen. Einen genaueren Überblick erhält man jedoch mit der Computertomographie.

Standardisierte Ganzkörper-CT

Die Standard-Untersuchung bei Polytrauma-PatientInnen ist das Ganzkörper-CT. „Das ist ein MUSS“, betonte Wirth. Je schneller die Untersuchung durchgeführt wird, umso besser. Durch frühzeitigen Einsatz steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit (Huber-Wagner S et al. Lancet 2017).

Zurzeit fehlt noch ein allgemein etabliertes Vorgehen für die Ganzkörper-CT. Es sollte aber alles stimmen, so Wirth: Personalpräsenz und -kompetenz, schnelle Untersuchungszeiten, Erfassung relevanter Daten, Auswertung sowie Weiterleitung der Befunde und sichere Übergabe der PatientInnen zur weiteren Behandlung.

Als Protokoll-Beispiel bei Polytrauma nannte der Referent: Schädel nativ und anschließend Stamm mit Kontrastmittel. „Das reicht in den meisten Fällen aus“, so Wirth.

„Schauen Sie zuerst auf das, was potentiell tödlich ist. Für die Details können Sie sich später Zeit nehmen.“

Geyer et al. (Acta Radiol 2013) konnten zeigen, dass mit einer Ganzkörper-CT nur wenige klinisch relevante Verletzungen von Polytraumatisierten übersehen werden.

Wichtig sei es, das CT so früh wie möglich durchzuführen. Dies belege auch die Analyse einer Massenunfall-Übung der Universität München (Mueck FG et al. Br J Radiol 2016).

CT unter Reanimationsbedingungen

Sogar unter manueller Herzdruckmassage kann eine CT gefahren werden. Die Bildqualität sei unter der mechanischen Throraxkompression eingeschränkt, für die erste potentielle lebensrettende Orientierung aber ausreichend.

Durch die kardiopulmonale Reanimation (CRP) verteilt sich das Kontrastmittel ausreichend. Da die Scanzeit relativ kurz ist, kann eine automatisierte CRP für die Akquirierung der Bilder einfach ausgesetzt werden. Das erhöht die Bildqualität, da sie nicht durch Atem- oder Herzfrequenz-Artefakte beeinträchtigt wird.

2009 veröffentlichte Wirth eine Machbarkeitsstudie zur CT unter automatisierter CRP. Trotz mechanischer Thoraxkompression ließen sich alle relevanten Verletzungen detektieren (Wirth S et al. Eur Radiol 2009).

Besondere Notfälle

Bei einem Massenunfall reicht meist das einfache Ganzkörper-CT-Protokoll für Polytraumatisierte. Eine solche Untersuchung dauert zirka fünf Minuten, so dass mit einem Scanner pro Stunde insgesamt sechs PatientInnen untersucht werden können.

Für Bombenattentate typisch sind vier zeitlich versetzte Druckwellen. Je größer die Detonationskraft der Bombe und je näher eine Person an deren Ursprungsort ist, umso schwerer die Verletzungen. Marti et al. beschreiben in einem Artikel die Verletzungen von 36 Personen, die das Attentat in Madrid am 11. März 2004 überlebt hatten und zur Behandlung in die Notaufnahme des Universitätskrankenhauses La Paz in Madrid kamen (Emerg Radiol 2006).

Schussverletzungen durch komplett mit Metall ummantelte Geschosse richten meist weniger Schaden an als solche, die nur teilweise von Metall umhüllt sind. Grund ist die unterschiedliche Energieabgabe – bei letztgenannten Geschossen ‚explodiert‘ sie in alle Richtungen.

Fazit

Bei Notfällen hilft standardisiertes Vorgehen einen kühlen Kopf zu bewahren. Da ein Standard fehlt, muss sich jede Klinik ihren eigenen Notfall-Plan machen. Dieser sollte regelmäßig geübt und gegebenenfalls an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden.

Polytraumatisierte PatientInnen sollten immer, möglichst schnell eine Ganzkörper-CT erhalten. Wichtig ist die schnelle Detektion und Behandlung lebensbedrohlicher Verletzungen.


Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auf der Website der European Society of Emergency Radiology (ESER)

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