Kardiale MRT: Basics und Extras

Kardiale MRT: Basics und Extras

Wie man aus der Vielzahl der Möglichkeiten ein klinisches Routineprotokoll für die kardiale MRT konzipiert, erläuterte Ulrich Kramer vom Universitätsklinikum Tübingen.

  • Präsentationstag:
    03.02.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Ulrich Kramer, Universitätsklinikum Tübingen
  • Quelle:
    Internationales MRI Symposium 2017

Bedeutung der kardialen MRT

Die Funktionsdiagnostik bezeichnete Kramer als die Basis jeder kardialen MRT. Essentiell sei sie für kongenitale Herzerkrankungen. Bei Erwachsenen liegt ihre Bedeutung in der Diagnostik nicht-ischämischer Erkrankungen wie der dilatativen und der hypertrophische Kardiomyopathie (HCM/DCM), Aneurysmen, Tumoren. Zusätzliche Informationen liefert die 4D-Flow-MR-Angiographie.

Die häufigsten Indikationen für die kardiale MRT sind mit jeweils rund einem Drittel die Myokarditis/Kardiomyopathie und Verdacht auf Koronare Herzerkrankung bzw. Ischämie bei bekannter KHK, gefolgt von Untersuchungen zur Überlebensfähigkeit des Myokards.

Laut Bruder O et al. (J Cardiovasc Magn Res 2013) beeinflusst die Kardio-MRT das Patienten-Management in mehr als jedem zweiten Fall, wenn die Indikation „Myokarditis/Kardiomyopathie“ lautet, und in über 70% bei den Indikationen KHK/Ischämie und Myokard-Viabilität.

Koronare Herzerkrankung (KHK)

Kramer erläuterte, welche MR-Sequenzen sich zur Abklärung welcher Aspekte einer KHK eignen:

  • CINE SSFP für die allgemeine LV-Funktion und zum Abklären von Wandbewegungsstörungen
  • T2 STIR für das myokardiale Ödem und den Myokardialen Salvage Index (MSI)
  • T2* für myokardiale Blutungen
  • IR GRE für das Late Gadolinium Enhancement (LGE), für die Beurteilung von Infarktgröße und -transmuralität, mikrovaskuläre Obstruktion sowie für den MSI
  • Perfusionsbildgebung für mikrovaskuläre Obstruktion

Abgrenzung Ischämie / Non-Ischämie

Zur Abgrenzung ischämischer von nicht-ischämischen Erkrankungen empfahl Kramer

  1. die Funktionsdiagnostik mittels CINE SSFP
  2. die morphologische Diagnostik, evtl. mit ergänzender Ödemgewichtung, mittels T1 TSE, T2 TSE und T2 STIR
  3. die Perfusionsdiagnostik mittels Perfusionsbildgebung in Ruhe und unter Belastung
  4. die Beurteilung von Viabilität und Gewebecharakterisierung mittels LGE

Ein Protokoll, dass die Aspekte 1, 2 und 4 berücksichtigt, eigne sich für rund drei Viertel aller Überweisungen zur kardialen MRT, sagte Kramer.

Weitere Optionen der kardialen MRT

Weitere Potenzial der kardialen MRT haben – in Abhängigkeit von der Fragestellung und vorausgegangenen Untersuchungen – die Flussquantifizierung zum Beispiel bei Mitralklappeninsuffizienz, das frühe und späte Gadolinium-Enhancement, das T2-Mapping und die MR-Angio der Koronarien.

Zum Late Gadolinium Enhancement erläuterte Kramer, es basiere auf einem durch den Myokardschaden vergrößerten Verteilungsvolumen. Das LGE spiegele den fokalen zellulären Schaden wider, beispielsweise auch bei Fibrose, sei aber ein unspezifischer Marker und bei diffusen Myokardschäden schwierig zu interpretieren.

Der klinische Nutzen des LGE liegt in der Diagnostik von akuten und älteren Myokardinfarkten, Myokarditis und nicht-ischämischen Erkrankungen wie HCM/DCM. „Wir müssen das Late Enhancement als prädiktiven Marker sehen“, so Kramer, denn es gebe einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen LGE und therapeutischem Outcome.

„In Zukunft wird aber ein deskriptiver Ansatz wie ‚LGE vorhanden’ nicht mehr genügen“, so Kramer. Einer der zukünftigen Ansätze für quantitative Aussagen dürfte seiner Einschätzung nach das T1-Mapping sein. Die grafische Darstellung der Verkürzung der T1-Zeiten werde Bedeutung erlangen für die Abklärung und Risikobeurteilung nicht-ischämischer Myokarderkrankungen. „Mit zunehmender Verfügbarkeit sollten wir das Mapping verstärkt nutzen“, so Kramer.

Fazit

„Die kardiale MRT bietet schon heute viele Möglichkeiten zur Abklärung kardiovaskulärer Erkrankungen“, fasste Kramer zusammen. Die Methode sei inzwischen gut etabliert, habe Stärken vor allem in der funktionellen Beurteilung und gelte als Goldstandard für deren nicht-invasive Beurteilung. Das Late Enhancement werde größere Bedeutung für die Prognostik bekommen.

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