MRT in der kardialen Diagnostik – Indikationen und Herausforderungen

MRT in der kardialen Diagnostik – Indikationen und Herausforderungen

Das Potenzial der kardialen MRT lotete Thomas Grist von der University of Wisconsin aus. In allen Einsatzgebieten zeichnen sich signifikante Verbesserungen der aktuellen Technik ab. Gibt es eines Tages sogar die kardiale „One-Click-MRI“?

  • Präsentationstag:
    18.01.2019 0 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Thomas Grist, University of Wisconsin, Madison
  • Quelle:
    Internationales MRT Symposium 2019

Ischämische Myokarderkrankungen

Gegenwärtig wird die MRT bei ischämischen Myokarderkrankungen dazu genutzt, die Funktion in Ruhe und unter Belastung sowie die Perfusion und das Late Enhancement (LE) zu beurteilen. Das Protokoll bringt allerdings Untersuchungsdauern von rund 45 Minuten mit sich.

Typische MR-Muster ischämischer Myokarderkrankungen sind transmurales LE mit oder ohne Rückstromzone, die auf einen transmuralen Infarkt hinweisen, und subendokardiales LE als Zeichen eines subendokardialen Infarkts.

Cine SSFP Sequenzen und frühe LE-Bildgebung eignen sich gut, um den Effekt einer myokardialen Revaskularisierung zu beurteilen.

Als Herausforderungen beschrieb Grist die Verringerung der Scandauer (mit Verweis auf Daniel Sodickson, der am Vortag in Garmisch ein umfassendes Fünf-Minuten-Protokoll für die kardiale MRT vorgestellt hatte), eine Vereinfachung der Akquisition im Sinne eines „selbstfahrenden Scanners“, und die Automatisierung des Post-Processing durch Nutzung Künstlicher Intelligenz – etwa zur Messung der Ejektionsfraktion wie von Quian Tao (Radiology 2019;290:81-88) beschrieben.

Als Optionen zur Vereinfachung des Workflow schlug Grist vor, Cine Scouts zu nutzen, die Inversionszeiten (TI) präzise einzuschätzen, und die Verwendung von Inversion Recovery Sequenzen (IR) für das Late Enhancement.

Nicht-ischämische Myokarderkrankungen

Typische MRT-Muster nicht-ischämischer Herzerkrankungen sind

  • Intramyokardiales LE als Zeichen für hypertropher Kardiomyopathie, dilatativer Kardiomyopathie, restriktiver Kardiomyopathie oder einer Myokarditis
  • Subepikardiales LE als Indikator für Sarkoidose oder Myokarditis
  • Diffuses LE als Anzeichen von Amyloidose oder Sklerodermie bzw. nach Transplantation

Das LE dient aber bei der dilatativen Kardiomyopathie nicht nur diagnostischen Zwecken, sondern auch zur Einschätzung der Prognose.

Als Herausforderung für die Diagnostik nicht-ischämischer Herzerkrankungen nannte Grist die quantitative Bildgebung. Hierfür eigne sich einerseits das T2*-Mapping besonders gut (Scott Reeder et al. Magn Res Med 2005), andererseits das native T1-Mapping (Gottbrecht et al. Radiology 2018). „Sie müssen allerdings Ihre Messungen stets für Ihr Zentrum kalibrieren“, sagte Grist angesichts der großen Variabilität der T1-Messungen.

Beurteilung des rechten Ventrikels

„Für die Beurteilung des rechten Ventrikels gibt es kein besseres Verfahren als die MRT“, sagte Grist. Die Beurteilung der rechtsventrikulären Morphologie und Funktion mittels MRT seien einzigartig. Für Messungen mittels Echokardiographie habe es zwar kürzlich eine Verbesserung der Leitlinien gegeben, aber das Verfahren sei aufgrund des Schallfensters weiterhin limitiert.

Die gute Reproduzierbarkeit und Genauigkeit der Messung von RV Volumina und Ejektionsfraktion mittels kardialer MRT zeigten D’Errico et al. (J Cardiovasc Magn Reson 2016).

Herausforderung seien quantitative Funktions- und Flussmessungen, so Grist. Mittel der Wahl seien 4D Flussmessungen, diese seien aber noch zeitaufwendig und nicht leicht in den Workflow zu integrieren.

Klappenerkrankungen

4D Flussmessungen sind auch das richtige Verfahren, um bei Aortenklappeninsuffizienz mit Rückstrom die Rückstromfraktion zu errechnen. Wünschenswert wären, so Grist, ein vereinfachtes Post-Processing und das Errechnen auch komplexerer hämodynamischer Prozesse. Einen Ansatz für das automatisierte Tracking der Aortenklappe zur Flussquantifizierung beschreiben Kamphuis et al. (Radiology 2018). Sie konnten die benötigte Zeit für die Auswertung etwa halbieren (von 20-25 auf 12-15 Minuten) und die Genauigkeit signifikant verbessern.

Ausblick

Für das nächste MRT-Symposium in Garmisch 2021 wünschte Grist sich weitere Fortschritte im Sinne einer „One-Click-MRI“ wie sie Anbieter wie www.heartvista.ai jetzt schon versprechen. Diese Systeme sollen die vollständige Untersuchung mehr oder weniger selbständig fahren, Artefakte automatisch erkennen und korrigieren und schließlich die Aufnahmen befunden können.

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