neuroRAD 2018 – Fetale MRT für genauere Prognosen bei Hirnentwicklungsstörungen

neuroRAD 2018 – Fetale MRT für genauere Prognosen bei Hirnentwicklungsstörungen

Die MRT stellt die Plastizität des Gehirns – seine dauernden Veränderungen der Morphologie, Funktion und Vernetzung – umfassend dar. Inwieweit sie das Ausmaß der Funktionsstörungen durch fetale Fehlbildungen vorhersagen könnte, schildert eine der Expertinnen für fetale Bildgebung in Europa.

  • Präsentationstag:
    05.10.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Sprecher:
    Daniela Prayer, Universität Wien
  • Quelle:
    neuroRAD 2018

Daniela Prayer, Universität Wien, lobte zunächst die umfassenden Möglichkeiten der MRT: „Das zentrale Nervensystem kann seine Struktur, Funktion und Konnektivität immer wieder reorganisieren, und mit der MRT können wir uns all das ansehen.“ Klinische Relevanz sei allerdings nicht allem zuzuschreiben: „Beim Verständnis der Prozesse stehen wir erst am Anfang.“

Genetik und Epigenetik

Die Genetik weise zwar auf fetale Entwicklungsstörungen hin, die Epigenetik sei aber ebenso zu berücksichtigen. Der Organismus könne mit sehr ähnlichen genetischen Bedingungen starten, durch epigenetische Einflüsse aber an sehr unterschiedlichen Stellen ankommen, sagte Prayer. Zeitpunkt und die Ausprägung der Genexpression – also Epigenetik – sei ein gewichtiger Faktor.

Welche Hirnbereiche in der fetalen Entwicklung welche späteren Funktionsveränderungen am besten darstellen, ist zurzeit Gegenstand der Forschung (Schuler 2017, Schuler 2018; Marsan 2018).

Beispiel Corpus-Callosum-Agenesie

Der Blick auf die fetale MRT lasse in einigen Fällen bereits jetzt Rückschlüsse darauf zu, wie sich zerebrale Malformationen später auswirkten. Prayer nannte beispielhaft das Dandy-Walker-Syndrom und die Corpus-Callosum-Agenesie (CCA). Sie zeigte anhand klinischer Beispiele von Kindern mit fetal diagnostizierter CCA, wie unterschiedlich die Bewegungs- und Verhaltensmuster der Kinder später ausfallen können. Ein Beispiel eines Kindes mit „mehr als 200 Millionen aberranten Axonen im Corpus callosum“, dessen Bewegungsmuster dennoch auf der 90. Perzentile seiner Altersgruppe lagen (also nur zehn Prozent der Kinder in seinem Alter waren motorisch besser), verdeutlichte, dass die MRT-Muster der Klassifikation bedürfen.

Die Hauptfrage der Eltern sei, mit welchen Behinderungen sie rechnen müssten. Hier richtig zu beraten, sei ein Hauptanliegen ihrer Forschung. Bei der CCA zeige sich die Darstellung der Morphologie bis jetzt als einzig belastbare Untersuchung, die eine zuverlässige Prognose der Funktion ermöglichte, so Prayer. Ihr Team hat einen MR-basierten 16-Punkte-Score entwickelt, der eine Einschätzung ermöglicht. Je höher der Score, desto schlechter sei die Prognose, erläuterte Prayer. Die prädiktive Genauigkeit des Score wurde mit neuropädiatrischen Tests (AIMS) im Alter von rund 12 Monaten überprüft. Bei 75% der Kinder gelang eine genaue Prognose.

Asymmetrien

„Wir wissen, dass Asymmetrien assoziiert sind mit Dyslexie, Autismus und Sprachstörungen“, so Prayer. In der Traktographie hatten diejenigen Kinder eine gute Prognose, bei denen zwischen beiden Hirnhemisphären Konnektivität bestand – unklar sei aber, welchen Einfluss dies genau habe.

Im Moment sei klar, was mit morphologischen Daten anzufangen sei. „Ob uns die Traktographien und die funktionelle MRT helfen, wissen wir noch nicht“, so Prayer.

Den Antrieb für die Forschung fasste Prayer so zusammen: „Wir wollen die prognostische Genauigkeit bei Kindern mit zerebralen Störungen verbessern.“

 

Referenzen

Marsan E, Baulac S
Review: Mechanistic target of rapamycin (mTOR) pathway, focal cortical dysplasia and epilepsy.
Neuropathol Appl Neurobiol 2018;44(1):6-17

Schuler AL et al.
Mens inversus in corpore inverso? Language lateralization in a boy with situs inversus totalis.
Brain Lang 2017;174:9-15

Schuler AL et al.
Tracing the structural origins of atypical language representation: consequences of prenatal mirror-imaged brain asymmetries in a dizygotic twin couple.
Brain Struct Funct 2018 Jul 30 [Epub ahead of print]

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