Aal im CT: Knochenabbau zugunsten der Geschlechtsreife

Aal im CT: Knochenabbau zugunsten der Geschlechtsreife
CT-Darstellung der Knochenstruktur männlicher und weiblicher Aale verschiedener Reifestadien: juvenil, reifend, laichbereit. Mit fortschreitender Reife nimmt der Abbau der Knochen zu. (© Freese et al.)

Um zu ihren Fortpflanzungsgebieten zu gelangen, schwimmen europäische Aale mehrere Tausend Kilometer auf die andere Seite des Atlantiks. Dabei verändert sich ihr Körper auf dramatische Weise.

  • Datum:
    25.05.2019
  • Autor:
    M. Welling (mh/ktg)
  • Quelle:
    Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Der europäische Aal wächst über Jahre in europäischen Flüssen, Seen und Küstengewässern heran und begibt sich mit beginnender Geschlechtsreife auf eine mehrere Tausend Kilometer lange Reise, die ihn quer über den Atlantik in die Sargassosee führt. Dort angekommen, laicht er ab und stirbt.

Wissenschaftler haben jetzt untersucht, wie die Tiere ihren Körper während der Reifung umstrukturieren. Mit Beginn des Reifungsprozesses ändert sich die Färbung der Aale von hellgelb zu schimmerndem Silber. Die Aale stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihr Verdauungstrakt bildet sich zurück. Doch damit nicht genug: Anhand von CT- und MRT-Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zeigen, wie Aale während ihres Reifungsprozesses ihr Skelett als Mineralstoffquelle nutzen, um ihre Gonaden (Keimdrüsen) aufzubauen. Der Mineraliengehalt und die Masse der Knochen nehmen im Laufe der Reifung so stark ab, dass dies auch Auswirkungen auf die mechanische Stabilität der Wirbel haben kann. Die beobachteten Vorgänge sind bei Weibchen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männchen.

Neben den Mineralien, die in Knochen und Muskeln gespeichert sind, werden auch toxisch wirkende Schwermetalle in die sich entwickelnden Eier übertragen. In ihrer Studie diskutieren die Forscher nun, welche Konsequenzen dies für die bedrohte Art haben könnte. An der Studie beteiligt waren Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Bremerhaven, der RWTH Aachen, der Universität Ghent und der Universität Saskatchewan in Kanada.