Ebola-Infektion und Radiologie – Hygienemaßnahmen

Ebola-Infektion und Radiologie – Hygienemaßnahmen

Die 2014 in Westafrika ausgebrochene und bislang größte Ebola-Epidemie gibt auch Kliniken in den Industrienationen Anlass, entsprechende Hygiene- und Schutzmaßnahmen genau zu planen. Daniel Mollura von den National Institutes of Health, USA, und Kollegen diskutieren, wie sich radiologische Abteilungen für den Umgang mit Ebola-Infizierten rüsten sollten.

  • Datum:
    02.10.2015 0 Kommentare
  • Journal:
    Radiology 2015;275(2):538-44.
  • Titel:
    Radiology Preparedness in Ebola Virus Disease: Guidelines and Challenges for Disinfection of Medical Imaging Equipment for the Protection of Staff and Patients
  • Autor:
    Mollura DJ et al.
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass bei der jüngsten Ebola-Epidemie 3-4 Prozent aller Infektionen medizinisches Personal betreffen. Mitarbeiterschulungen, die nötige Ausstattung und entsprechende Richtlinien für den Umgang mit Patienten bei Verdacht auf oder mit bestätigter Ebola-Infektion sind daher essentiell.

Hintergrund
Zwar ist die bildgebende Diagnostik für die Ebola-Diagnosestellung nicht erforderlich, sie kann aber für die Triage und das Einschätzen von Komplikationen nötig werden. Frühe Ebola-Symptome wie Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Erschöpfung finden sich nach Fernreisen auch bei anderen Erkrankungen – etwa bei Malaria, Typhus oder Pneumonie. Daher kann es sein, dass eine Ebola-Infektion erst verzögert diagnostiziert wird.

Das Ebola-Virus verbreitet sich durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten eines Infizierten, oder durch Kontakt mit Objekten, die mit diesen Substanzen kontaminiert sind. Eine Übertragung des Virus durch die Luft ist nicht beschrieben. In experimentellen Studien konnte das Virus mehrere Tage auf trockenen Oberflächen überdauern. Allerdings gehen Experten davon aus, dass diese Übertragungswege keine bedeutende Rolle spielen.

Schutz des radiologischen Personals
Die Anzahl der Mitarbeiter, die den Raum mit dem Infizierten betreten, ist so gering wie möglich zu halten. Wenn möglich, sollte auf patientennahe Bildgebungsverfahren zurückgegriffen werden, um einen Patiententransport zu vermeiden. Sobald ein (Verdachts-)Fall bekannt ist, muss dies allen Beteiligten in der Klinik bekanntgegeben werden.

Ganzkörper-Schutzanzüge sind zentraler Bestandteil des Personalschutzes. Kein Teil der Haut oder der Kleidung darf unbedeckt bleiben. Auch wenn für Personen, die sich nicht unmittelbar im Untersuchungsraum gemeinsam mit dem Patienten aufhalten, ein geringeres Schutzlevel ausreicht, ist es sinnvoll, dass MTRAs volle Schutzkleidung tragen. Dann können sie im Bedarfsfall ohne Gefahr in den Raum mit dem Patienten eintreten. Das korrekte An- und Ausziehen der Schutzkleidung muss vorher mit allen Beteiligten geübt werden.

Patientennahe Bildgebung – „Point-of-Care“
Mollura und Kollegen schildern beispielhaft den Umgang mit einem mobilen digitalen Röntgengerät im Zusammenhang mit Ebola:
  • Das mobile Röntgengerät befindet sich – sofern nicht im Einsatz – in einem separaten Raum außerhalb des Patientenzimmers.
  • Der Röntgen-Detektor ist zweifach in flüssigkeitsundurchlässiges Plastik eingehüllt.
  • Die/der MTRA trägt Ganzkörper-Schutzanzug in allen Räumen, wo dies verlangt wird.
  • Im abgeschirmten Patientenzimmer bedient ein Arzt oder Krankenpfleger den eingepackten Detektor und ist die einzige Person, die den Patienten berührt und ihn lagert.
  • Nach dem Lagern des Patienten macht der/die MTRA die Aufnahme der Bilder.
  • Arzt oder Krankenpfleger im Patientenzimmer führt eine zweifache Wisch-Desinfektion des äußeren Plastikbeutels des Detektors durch, nimmt den doppelt eingepackten Detektor in den Vorraum mit, wo eine Pflegeperson den noch einfach umhüllten Detektor aus dem äußeren Beutel nimmt.
  • Die verbliebene innere Plastikumhüllung wird zweifach wisch-desinfiziert.
  • Erst danach wird der Detektor entnommen und zweimal mit Isopropylalkohol abgewischt.
  • Die gesamte portable Röntgenanlage wird zweifach mittels Wisch-Desinfektion behandelt und über eine mit Desinfektionsmittel getränkte Matte in einen Raum gerollt, wo sie mit Wasserstoffperoxid dampfbehandelt wird. Das Gerät kann dann gelagert oder wieder verwendet werden.
  • Die Detektorkassette lässt sich dann normal prozessieren.
Schutz und Dekontamination von Großgeräten
Die Dekontamination von Großgeräten in radiologischen Untersuchungsräumen ist aufwendig. Angesichts der hohen Kosten solcher Geräte und ihrer hohen Auslastung muss ihr Einsatz bei Ebola-(Verdachts-)Fällen sehr genau abgewogen werden. Wenn jedoch eine bildgebende Untersuchung innerhalb der radiologischen Abteilung als zwingend angesehen wird, sind Patiententransport, Isolieren des Patienten in der Abteilung und die Dekontamination von Räumen und Geräten präzise zu planen.

Für die Dekontamination empfiehlt sich die oben beschriebene Behandlung mit Wasserstoffperoxid-Dampf. Vorausgehen muss eine gründliche Reinigung, bei der alle potenziell infektiösen Rückstände beseitigt werden.

Original Artikel
http://dx.doi.org/10.1148/radiol.15142670

mh/ktg
02.10.2015

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