MRT-Sicherheit: Wege zu mehr Patientensicherheit

MRT-Sicherheit: Wege zu mehr Patientensicherheit

Eine schottische Patientenbefragung zeigt, dass bei der Überweisung zur MRT-Untersuchung sicherheitsrelevante Aspekte oft gar nicht abgefragt werden. Kurzfristige Interventionen haben die Situation deutlich verbessert.

  • Datum:
    11.07.2019 0 Kommentare
  • Journal:
    BJR Open 2019;1:20180011
  • Titel:
    Developing patient-centred MRI safety culture: a quality improvement report
  • Autor:
    Yong A et al.
    Zur Originalstudie

Zwei Schritte auf dem Weg zu einer geplanten MRT-Untersuchung sind dazu angetan, Implantate zu identifizieren und deren MRT-Tauglichkeit zu bestimmen: 1. Der Zeitpunkt der Überweisung zur MRT, und 2. bei der Vorbereitung der MRT-Untersuchung durch das Radiologie-Personal.

Aiwang Yong und KollegInnen vom Ninewells Hospital im schottischen Dundee haben festgestellt, dass es trotz des zweistufigen Systems immer wieder zu „Beinahe-Zwischenfällen“ kommt, in denen Patienten mit Herzschrittmacher oder einem anderen Implantat zur Untersuchung kommen, ohne dass das Implantat bei der Überweisung in irgendeiner Form dokumentiert wurde. Die Folge: Verzögerungen oder Absagen von Untersuchungen sowie eine Restrisiko, dass bei einem Fehler auch in Stufe zwei ein Patient ins MRT gelangt, dessen Implantat dafür ungeeignet ist.

Daher haben Yong et al. an ihrer Klinik mit 1100 Betten und vier 1,5T-Scannern an drei Standorten eine Umfrage unter Patienten gemacht. Zielsetzung: Die Qualität der Aufklärung und Befragung der Überweiser hinsichtlich Sicherheitsrisiken zu untersuchen.

Patientenbefragung mittels Fragebogen

Von April bis Juni 2017 wurden 120 ambulant mittels MRT untersuchte Patienten mittels Fragebogen befragt. Je 40 Patienten waren von einem Klinikarzt, einem Niedergelassenen oder einer nicht-medizinischen Instanz (Besonderheit des britischen NHS) überwiesen worden. Eine Untergruppe von 20 Patienten wurde später noch einmal eingehend und im direkten Gespräch interviewt, um gegebenenfalls Probleme mit dem Verständnis der Befragung aufzudecken.

Ergebnisse

Die Ergebnisse ähnelten sich für alle drei Gruppen, waren also unabhängig davon, wer die Überweisung ausgestellt hatte: Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten gab an, explizit nach dem Vorhandensein eines Herzschrittmachers befragt worden zu sein. Nicht einmal jeder Zweite war nach dem Vorhandensein anderer Implantate wie Herzklappen oder Coils befragt worden. Auch Klaustrophobie wurde bei der Überweisung viel zu selten thematisiert.

Ein Viertel der Befragten gab an, mit der Überweisung keine schriftliche Patienteninformation ausgehändigt bekommen zu haben.

Diskussion

Selbst unter der Annahme, dass einige Patienten sich an eine Befragung durch den Überweiser einfach nicht mehr erinnern können, bleibt nach Ansicht der Autoren ein beträchtlicher Anteil an Patienten, bei denen sicherheitsrelevante Fragen im Zusammenhang mit der MRT nicht vom Überweiser geklärt wurden. Sie vermuten dafür mehrere Gründe:

  • Einige Klinikärzte füllen die Überweisung unter Umständen nur unter Zuhilfenahme der Patientenakte aus. Das Patientengespräch unterbleibt aus Zeitgründen.
  • Delegieren der Befragung an Nachwuchskräfte, denen die Sicherheitsaspekte der MRT nicht voll bewusst sind.
  • Die fälschliche Annahme, dass ein Patient, der bereits einmal eine MRT mitgemacht hat, noch immer uneingeschränkt dafür in Betracht kommt. Dabei kann zwischenzeitlich ein neues Implantat hinzugekommen sein.

Abhilfe schaffen

Nachdem das Ausmaß bekannt war, in dem Sicherheitsrisiken für MRT-Patienten bestehen, hat man am Ninewells Hospital in Dundee folgende Schritte unternommen:

  • Warnhinweis an alle Überweiser, der diese an ihre Verantwortung erinnert
  • Ergänzung des Überweiser-Fragebogens um den Aspekt, dass der Fragebogen vollständig und im persönlichen Gespräch mit dem Patienten durchgegangen wurde
  • Umformulieren der Frage nach Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren, um explizit nach „MRI Conditional“ (bedingte MRT-Tauglichkeit) zu fragen

Darüber hinaus müssten sektorenübergreifend Schulungen verpflichtend werden, so die Autoren. Dazu bedürfe es allerdings übergeordnete Maßnahmen auf nationaler Ebene.

Kurzfristige Effekte der Intervention

Im Rückblick auf die zwölf Monate nach ihren Interventionen stellen die Autoren fest, dass kein einziger „Beinahe-Zwischenfall“ mehr aufgetreten ist. Der Kontrast zur Situation vor Intervention sei überdeutlich; sie vermuten, dass die Kombination der Maßnahmen zum Erfolg geführt habe.

mh/ktg
11.07.2019

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