Zum Umgang mit Kontrastmittel-Paravasaten

Zum Umgang mit Kontrastmittel-Paravasaten

Wie häufig treten Kontrastmittel-Paravasate auf, welche Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung und welche Empfehlungen lassen sich daraus ableiten? Um diese Fragen zu beantworten, haben zwei plastische ChirurgInnen und ein Radiologe von der Universitätsklinik Regensburg systematisch die wissenschaftliche Literatur zur Kontrastmittel-Paravasation ausgewertet.

  • Datum:
    31.01.2019 0 Kommentare
  • Journal:
    Fortschr Röntgenstr 2019; 191(01): 25-32
  • Titel:
    Kontrastmittel-Paravasat bei CT und MRT – Aktuelle Literaturübersicht und Behandlungsstrategien
  • Autor:
    Mandlik V, Prantl L, Schreyer A
    Zur Originalstudie

Inzidenz von Kontrastmittel-Paravasaten

Shaqdan K et al. kamen 2014 in ihrer Auswertung von rund 500.000 kontrastverstärkten Untersuchungen zu diesen Ergebnissen: Im Zusammenhang mit der CT traten Extravasate bei 451 von 352.125 Patienten (0,13%) auf. Frauen waren signifikant häufiger betroffen als Männer (0,15 vs 0,11%). Bei MRT-Untersuchungen traten Extravasate bei 90 von 150.266 Patienten (0,06%) auf. Hier war der Unterschied zwischen Frauen und Männern nicht signifikant. (Zur vollständigen Zusammenfassung der Studie von Shaqdan et al.)

Ansätze zur konservativen Behandlung

Auch wenn es an wissenschaftlicher Evidenz für nicht-invasive Behandlungsmaßnahmen mangelt, empfehlen die AutorInnen nach Kontrastmittel-Paravasaten grundsätzlich die folgenden Maßnahmen im Sinne „guter klinischer Praxis“:

  • Versuchen Sie, das para-injizierte Kontrastmittel über den noch liegenden Zugang zu aspirieren.
  • Lagern Sie die betroffene Extremität erhöht.
  • Kühlen Sie den betroffenen Bereich.

Treten Durchblutungs- oder Sensibilitätsstörungen, Hautnekrosen, Blasen oder Ulzera auf, sollte sofort ein (plastischer) Chirurg hinzugezogen werden.

Ansätze zur invasiven Behandlung

Für die Injektion von Hyaloronsäure über den fehlerhaft liegenden Zugang gibt es keine ausreichende Evidenz, so die AutorInnen. Sie vertreten aber die Meinung, dass dieser Ansatz – etwa bei inoperablen Patienten, die nach dem Paravasat ein Kompartmentsyndrom entwickeln – notfallmäßig in Erwägung gezogen werden kann.

Ebenfalls keine Evidenz fanden Mandlik et al. für die lokale Verdünnung des Paravasats mit anschließender Aspiration („Spülung“). Diese komme aufgrund der relativ hohen Invasivität gegebenenfalls bei zytotoxischen Paravasaten in Betracht, bei Kontrastmittel-Paravasaten jedoch eher nicht.

Das händische Auspressen des Paravasats nach mehrfacher Inzision des Paravasatgebiets gilt als schnell und leicht durchführbar. Kim SM et al. (2017) sowie Tsai YS et al. (2007) beschreiben eine Reihe von Fällen, die nach diesem Manöver folgenlos ausheilten. Aber auch für das „Squeezing“ fehlt es in der Literatur an Evidenz.

Die Spaltung von Faszie/Kompartment ist eine notfallmäßige chirurgische Maßnahme, um Ödembildung und Druckanstieg mit Nekrosegefahr entgegenzuwirken. Fallscheer et al. (2007) beschreiben eine Reihe von Fällen: „Wenn die Patienten frühzeitig behandelt wurden, kam es zu keinen dauerhaften postoperativen Einschränkungen.“

Fazit

Paravasate sind genau zu dokumentieren. Für den Umgang mit und die Dokumentation von Kontrastmittel-Paravasaten stellen die Autoren über die Deutsche Röntgengesellschaft zwei Downloads zur Verfügung:

Ab einem Paravasat-Volumen von 150 ml empfehlen Mandlik et al. (in Übereinstimmung mit Sbitany et al. 2010) konsiliarisch einen (plastischen) Chirurgen hinzuziehen. Treten jedoch Sensibilitäts- oder Durchblutungsstörungen auf, ist auch bei geringeren Paravasat-Volumina der (plastische) Chirurgen notfallmäßig zu konsultieren.

 

Referenzen

Fallscheer P et al.
Injury to the upper extremity caused by extravasation of contrast medium: a true emergency.
Scand J Plast Reconstr Surg Hand Surg 2007;41:26-32

Kim SM et al.
Computed tomography contrast media extravasation: treatment algorithm and immediate treatment by squeezing with multiple slit incisions.
Int Wound J 2017;14:430-434

Sbitany H et al.
CT contrast extravasation in the upper extremity: strategies for management.
Int J Surg 2010;8:384-386

Shaqdan K et al.
Incidence of contrast medium extravasation for CT and MRI in a large academic medical centre: a report on 502391 injections.
Clin Radiol 2014;69:1264-1272

Tsai YS et al.
Squeeze maneuver: an easy way to manage radiological contrast-medium extravasation.
Acta Radiol 2007;48:605-607

mh/ktg
31.01.2019

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