High-Pitch Thorax CT bei Kindern: Robustere Bildqualität und niedrigere Strahlenexposition als normale MDCT

Die native High-Pitch Thorax-CT ist mit einer Aufnahmezeit von unter einer Sekunde bei Kindern so schnell, dass Bewegungs- und Atemartefakte weitgehend entfallen – trotz eines längeren Scanareals ist die Strahlenbelastung niedriger als in der normalen MDCT.

  • Datum:
    18.05.2012 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Quelle:
    Röntgenkongress 2012

"Native low-dose CT des Thorax in high-pitch Technik bei Kindern" (VO 103.1)
Mittwoch, 16. Mai 2012, 13:55
Ilias Tsiflikas, Universitätsklinikum Tübingen

Ilias Tsiflikas, Universitätsklinik Tübingen, wies zunächst darauf hin, dass bei der CT generell, aber insbesondere bei Kindern eine zurückhaltende Indikationsstellung angebracht sei. Dennoch ist die CT bei Kindern für die Lungendiagnostik durch ihre höhere diagnostische Genauigkeit im Vergleich zum konventionellen Röntgen häufig indiziert. Um Bewegungs- und Atemartefakte zu vermeiden, ist allerdings die Sedierung von Säuglingen und Kleinkindern nötig.

Die neue Technik der High-Pitch CT (HPCT) kommt hingegen ohne Sedierung und Atemstopp aus. Dies zeigte Tsiflikas anhand einer Studie mit 27 Kindern und Jugendlichen (12 Jungen, 15 Mädchen) mit einem durchschnittlichen Alter von 25 Monaten (7-225 Monate):

  • sieben litten an einem Malignom (sechs Sarkome, ein hepatozelluläres Karzinom),
  • 17 an einer malignen hämatologischen Erkrankung,
  • ein Kind hatte eine Fallot-Tetralogie mit Akuten Respiratorischen Distress Syndrom (ARDS),
  • eines eine komplexe tracheobronchiale Fehlbildung und
  • ein Kind Sklerodermie mit Lungenbeteiligung.

Die Kinder unterzogen sich jeweils

  • einem gewichtsadaptierten, standardisierten nativen low-dose Protokoll im 64-Zeilen-CT (Pitch 1,2; Rotationszeit 0,33s; Kollimation 64x0,6mm) sowie
  • einer High-Pitch Dual Source CT-Untersuchung (Pitch 3,0; Rotationszeit 0,28s; Kollimation 128x0,6mm).

Die Kinder erhielten keine Sedierung – ganz kleine Kinder wurden mit einer Lagerungshilfe fixiert. Zwischen beiden Untersuchungen lagen im Schnitt 85 Tage (6-220d). Alle Untersuchungen verliefen komplikationsfrei.

Zwei Radiologen werteten die Aufnahmen im Konsens-Verfahren auf Bewegungsartefakte, Atemartefakte, Pulsationsartefakte und Detailerkennbarkeit aus. Die effektive Dosis wurde aus Dosislängenprodukt und Konversionsfaktor berechnet.

In den Untersuchungen zeigten sich keine Bewegungsartefakte. Bei einem Kind waren in der HPCT geringgradige Atmungsratefakte erkennbar – in der NPCT hingegen bei zwei Kindern geringe und bei vier Kindern deutliche Atmungsartefakte.
Bei den Pulsationsartefakten fiel das Ergebnis noch deutlicher aus: Fanden sich in der HPCT bei fünf Kindern geringgradige Artefakte in den mediastinalen und bei einem in den pulmonalen Gefäßen, so war die Zahl in der NPCT deutlich höher: In den mediastinalen Gefäße traten bei 18 Kindern geringe und bei acht deutliche Pulsationsartefakte auf, in den pulmonalen Gefäßen bei 16 Kindern geringe und bei zwei deutliche Pulsationsartefakte. Der Unterschied war signifikant.

Die Detailerkennbarkeit war bei fünf Kindern in der HPCT besser, bei 22 genauso gut wie in der NPCT.

Die Länge des Scanareals nannte Tsiflikas einen „Wermutstropfen“: Sie war in der HPCT (30,3±5,6cm) rund 5cm länger als in der NPCT (25,7±5,7cm). Dies hatte aber keinen wesentlichen Einfluss auf die Strahlendosis: Sie lag für die HPCT bei 1,24mSv±0,36mSv, für die NPCT bei 1,34mSv±0,36mSv.

„Die HPCT liefert im Vergleich zur normalen 65-Zeilen CT die robustere Bildqualität bei niedrigerer Strahlendosis, freier Atmung und ohne Sedierung“, so Tsiflikas.

Diskussion
Er schloss mit der Frage, ob nun jede Kinderradiologie ein DSCT brauche. An seiner Klinik würden kleine Kinder mittlerweile damit untersucht: „Wenn es vorhanden ist, sollte man es nutzten“, ermpfahl Tsiflikas.

Eine weitere Anmerkung aus dem Publikum zielte auf die schnelle Tischvorschubgeschwindigkeit: „Muss man die Kinder bei 40 Zentimeter pro Sekunde festbinden?“ Sein „Nein“ erläuterte Tsiflikas dahingehend, dass das Gerät 30cm „Anlauf“ nehme und währenddessen beschleunige, so dass der Scan in gleichmäßiger Grundgeschwindigkeit stattfinde.

Die Frage nach der hohen Wiederholungsrate der CT-Untersuchungen bei vorwiegend kleinen Kindern räumte Tsiflikas durch die detaillierte Erklärung der jeweiligen Indikation der Einzeluntersuchungen aus.

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