RöKo 2017 – Das Prostatakarzinom aus Sicht des Urologen

RöKo 2017 – Das Prostatakarzinom aus Sicht des Urologen

In der Urologie gibt es eine Reihe an Untersuchungsmöglichkeiten, um einem Prostatakarzinom auf die Schliche zu kommen.

  • Präsentationstag:
    26.05.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    if/ktg
  • Sprecher:
    Georg Salomon, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Quelle:
    Deutscher Röntgenkongress 2017

„Die Radiologie hat die Therapie des Prostatakarzinoms entscheidend geändert“, so Georg Salomon, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Bildgebung kann dem Urologen nicht nur bei der Detektion des Tumors unterstützen, sondern auch Informationen über Morphologie und Lage beisteuern und so für die Wahl der Behandlungsstrategie wichtige Antworten liefern: Ist das Karzinom fokal oder multifokal? Besteht eine extrakapsuläre Infiltration? Sind Lymphknoten betroffen?

Werkzeuge der Urologen

Je nach Erkrankungsstadium wird der Urologe eine Therapie wählen, die von aktivem Beobachten bis hin zur radikalen Prostatektomie reichen kann. Einen ersten Hinweis auf ein Prostatakarzinom liefert häufig ein Laborwert: das prostataspezifische Antigen (PSA). Hohe PSA-Levels lassen einen Tumor vermuten. Der definitive Krebsnachweis inklusive Staging erfolgt dann mittels Biopsie und Definition des Gleason-Scores in Kombination mit Anzahl der positiven Stanzen sowie dem PSA-Levels und den Ergebnissen einer digitalen rektalen Untersuchung (DRE).

Die Krux mit dem Nomogramm

Zur Risikostratifizierung setzen Urologen Nomogramme ein. Dabei handelt es sich um eine Art Fragebogen, bei der jeder Antwort eine Punktezahl zugeordnet wird. Erfasst werden Alter, DRE-Ergebnis, PSA-Level und weitere Werte. Die durch Summierung erlangte Gesamtpunktezahl gibt schließlich die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Patient an einem Prostatakarzinom erkrankt ist. Salomon zufolge ist diese Art der Risikobewertung jedoch viel zu ungenau: „Das MRT ist vermutlich zielführender.“

Überdiagnose?

Urologen müssen beim Prostatakarzinom nicht nur gegen den Krebs ankämpfen, sondern auch gegen das Phänomen der Übertherapie. Dank neuester diagnostischer Möglichkeiten werden auch Karzinome detektiert, die zumindest statistisch gesehen nicht zum Tod führen. Heute weiß man, dass Prostatakarzinome eine sehr häufige Erkrankung sind: Rund 42 Prozent aller Männer über fünfzig Jahre tragen eines in sich, ohne daran zu sterben.

Besonders bei älteren Patienten, die im Durchschnitt eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren vor sich haben, sei die chirurgische Behandlung des Tumors daher nicht mehr zielführend. Salomon richtet sich bei seiner Einschätzung jedoch nicht ausschließlich nach dem wirklichen Alter, sondern auch nach dem biologischen. Aber auch bei jüngeren Patienten ist häufig eine aktive Beobachtung der bösartigen Erkrankung ausreichend. Dennoch wird der Tumor oft radikal herausgeschnitten, weil der Patient sich so entscheidet.

Potenz erhalten

Im Fall dieses chirurgischen Eingriffs verfolgt der Urologe neben der Entfernung des Tumors ein weiteres Ziel: die Potenz des Patienten zu erhalten. Dazu braucht er genaue Kenntnisse über Lage und Ausdehnung des Tumors. Entscheidend ist, wie nah der Tumor an die für die Potenz relevanten neurovaskulären Strukturen heranreicht.

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