RöKo 2017 – Qualitätssicherung in Herz-CT und -MRT

RöKo 2017 – Qualitätssicherung in Herz-CT und -MRT

Quantitative Bildgebung braucht Qualitätssicherung. Häufige Fehlerquellen in der kardialen Bildgebung und wie man an der Universitätsmedizin Göttingen versucht, sie zu minimieren.

  • Präsentationstag:
    26.05.2017 2 Kommentare
  • Autor:
    mh/ktg
  • Sprecher:
    Joachim Lotz, Universitätsmedizin Göttingen
  • Quelle:
    Deutscher Röntgenkongress 2017

Die Kehrseite der quantitativen Bildgebung

In der Radiologie vollzieht sich ein Paradigmenwechsel von überwiegend visuell gesteuerter Bildauswertung hin zu quantitativen Ansätzen. Die quantitative Bildgebung habe zwar unbestreitbare Vorteile, denn ihre Ergebnisse seien besser vergleichbar und besser verwertbar, sie habe aber auch eine Kehrseite:

  • Absolute Werte verleiten zu absoluten Schwellenwerten, aber auch quantitative Werte bedürfen einer Wertung. „Das wird mit der computer-assistierten Diagnostik noch wichtiger werden“, so Joachim Lotz, Universitätsmedizin Göttingen.
  • Fehlerhafte Werte sind schwer zu erkennen. Dies wiegt umso schwerer, als jedes Ergebnis Resultat einer komplexen Kette von Einzelschritten ist.

Lotz’ Forderung daher: „Quantitative Bildgebung braucht Qualitätssicherung.“

Vermeiden häufig auftretender Fehler

Als exemplarische Fehler im Pre-Scan-Management nannte Lotz das Vergessen von Teilschritten, wie etwa das Erfassen von Medikamenten oder das Training des Patienten für das Luftanhalten. „Die MTRAs, die die meisten dieser Schritte durchführen, stehen oft unter enormem Stress und da kann es vorkommen, dass mal ein Schritt vergessen wird.“ Für Abhilfe sorgen Checklisten, die gewissenhaft abzuarbeiten sind.

Zu den häufigen Fehlern im Scan-Management gehören Lagerungsfehler, suboptimales Timing oder das Vergessen einer Ebene. Lotz empfahl regelmäßige Trainings am Modell und am Patienten sowie die Definition von Standard Operating Procedures (SOP). Interessierten bot er ein Tool zum Training der Herzebenen an, das die Radiologie der Universitätsmedizin Göttingen auf Anfrage zur Verfügung stellt (radiologie@med.uni.goettingen.de). Es enthält einen anonymisierten CT-Datensatz und läuft auf Mac-Rechnern.

Vier Elemente der Qualitätssicherung

  • Scannen mit Supervision durch einen Senior-Radiologen
  • Qualitätswochen mit einem Fokusthema, wie beispielsweise Lagerung oder Ebenen
  • Qualitätsevents – ein Sicherheitstraining und ein Reanimationstraining sollten im Wechsel jeweils zweimal jährlich angeboten werden. Für das Durchführen der Trainings sollte ein festes Team verantwortlich sein, bestehend aus einer/einem Radiologen und einer/einem MTRA. Die Teilnahme müsse für alle verpflichtend sein.
  • Selbständiges Lernen wie mit dem oben genannten Trainingstool der Herzebenen

Bilddatenauswertung

Für die Auswertung – Segmentation und Messwerte – gelten ähnliche Empfehlungen: Checklisten und Trainingsdatensätze verwenden und regelmäßiges Wiederholen der Trainings. Für die primäre Auswertung seien die MTRA beziehungsweise MFA am besten geeignet; auch wenn sie für manche Fragestellungen ein geringeres Verständnis hätten, seien sie angesichts ihrer Erfahrenheit sehr schnell. Außerdem gebe es unter ihnen eine wesentlich geringer Personalfluktuation, oder umgekehrt: eine hohe personelle Konstanz als bei Ärzten und Doktoranden.

Für standardisierte Auswertungen seien SOP unerlässlich. Jede Änderung an einer Sequenz oder der Auswertung müsse validiert und dokumentiert und kommuniziert werden.

Vermitteln der Ergebnisse

„Der Befund muss da ankommen, wo er hingehört“, betonte Lotz. Das sei vor allem bei einem akuten Geschehen wichtig. Sinnvoll sei es daher, Regeln für den telefonischen Alert zu definieren, um im Akutfall die Befundkommunikation zu intensivieren. „Sie müssen einen klaren Cut definieren, ab dem eskaliert wird.“ Um die Befundkommunikation systematisch zu dokumentieren, bedürfe es einer angemessenen EDV-Infrastruktur.

Fazit

„Qualitätssicherung kostet zwar Zeit und Personal, aber sie ist unverzichtbar“, so Lotz’ Fazit. Alle Mitglieder Teams müssen eingebunden werden. Die regelmäßige Wiederholung der Trainings ist essentiell.

Diskussion

In der anschließenden Diskussion äußerte Jörn Sandstede, Hamburg, eine gewisse Skepsis hinsichtlich des großen Aufwands für die geschilderten Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Qualitätssicherung sei zwar unbestreitbar wichtig, man müsse aber die Gesamtuntersuchung im Blick behalten. Jeder Messwert müsse auch kritisch betrachtet werden.

Lotz entgegnete, im Entlassungsbrief finde sich häufig nur noch ein einziger Wert, der aus dem Zusammenhang gerissen nicht zu interpretieren sei. Wichtig sei es, hier aussagefähige Zusatzinformationen mitzugeben, wie etwa ‚Ejektionsfraktion von X Prozent plus/minus 35 Prozent’.

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