RöKo 2017 – Sportverletzungen der Schulter

RöKo 2017 – Sportverletzungen der Schulter

MR-Zeichen von Schulterverletzungen hört sich Sportreporter Marcel Reif vermutlich nur selten an. Auf einer Highlight Session beim Röntgenkongress 2017 saßen Reporter und Mediziner an einem Tisch. Ein Thema: Sportverletzungen der Schulter.

  • Präsentationstag:
    25.05.2017 0 Kommentare
  • Autor:
    kf/ktg
  • Sprecher:
    Martin Breitenseher, Landesklinikum Waldviertel Horn, Österreich
  • Quelle:
    Deutscher Röntgenkongress 2017

In der Session unter dem Vorsitz von Ernst Rummeny, TU München, und Martin Mack, Radiologie München, gab unter anderem Martin Breitenseher, Landesklinikum Waldviertel Horn, einen Überblick zum radiologisch-diagnostischen Umgang mit Schulterverletzungen.

 Martin Breitenseher, Landesklinikum Waldviertel Horn (® B. Radike)

Rotatorenmanschette / Schulterluxation

Hier ist zu unterscheiden, ob die Verletzung die Rotatorenmanschette selbst betrifft, ob Muskelverletzungen vorliegen, oder sonstige Sehnenverletzungen oder knöcherne Sehnenausrissverletzungen feststellbar sind.

Bei Schulterluxationen sollten Radiologen abklären:

  • Alter
  • Sportanamnese
  • Morphologische Veränderungen
    1. Lokalisation medial (häufig) oder lateral (selten)
    2. Cavitas gleoidale als Uhr (+Ausdehnung)
    3. Art der Labrumverletzung
    4. Knöcherne Zusatzverletzungen (+Ausmaß)

Der knöcherne Verlust sei genau zu betrachten. „Die kritische Grenze liegt bei 20 bis 30 Prozent der kurzen Glenoidachse“, so Breitenseher.

Nach einer Hill-Sachs-Delle ist per CT zu suchen. Unter Hill-Sachs-Delle versteht man eine Impression am Humeruskopf durch die Schultergelenkspfanne. Sie kann den Knorpel allein oder Knochen und Knorpel gemeinsam betreffen. Dem Radiologen stellt sich die Frage, ob eine Hill-Sachs-Läsion vorhanden ist oder nicht, wo sie lokalisiert ist und wie groß sie ausfällt (kraniokaudal x Tiefe x anteroposterior / Fläche).

Bankart-Läsionen werden in der Regel durch Schulterluxation nach vorn bei Trauma verursacht. Das Labrum glenoidale der Gelenkpfanne reißt im unteren Bereich des vorderen Pfannenrandes teilweise oder vollständig ab. Die Bankart-Läsionen sind im Bereich 3-6 Uhr zu sehen. Zu beachten ist die Form des Labrums; auf weitere knöcherne Verletzungen ist zu achten.

SLAP

Die Verletzung des Bizepssehnen-Ankers (SLAP-Läsion) entsteht beispielsweise durch plötzlichen Zug oder Druck auf die bereits vorgespannte Bizepssehne. Hier ist nach Riss und Dislokation zu fahnden:

  • Grad 1: Die Verletzung ist oberflächlich, der Bizepsanker ist stabil. Die Behandlung ist konservativ.
  • Grad 2: Ablösung des Bizepsankers mit Knorpellippe vom oberen Pfannenrand. Konservative Behandlung ist möglich.
  • Grad 3: Riss des Labrums bei intaktem Bizepsanker. Chirurgische Behandlung ist indiziert.
  • Grad 4: Dislozierung des Bizepsankers und longitudinale Rissbildung in der Bizepssehne. Chirurgische Behandlung ist indiziert.

Riss nach Trauma

Zunächst ist die Anzahl der gerissenen Sehnen zu diagnostizieren. Hier seien alle vier Sehnen einzeln zu betrachten, so Breitenseher. Die Art des Risses – partiell oder komplett transmural, isoliert oder proximal am Muskelsehenenübergang – ist festzustellen. Je weiter proximal der Riss verläuft, desto wahrscheinlicher handle es sich um eine Sport- beziehungsweise traumatische Verletzung.

Die Supraspinatus-Sehne sei eher bei degenerativen Erkrankungen zuerst betroffen, erläuterte Breitenseher.

Aus therapeutischer Sicht ist eine OP-Indikation gegeben bei mehr als 50% Partialruptur oder über 50-prozentigem Riss der Sehne.

Bei knöchernen Sehnenausrissen sei mit einer lang dauernden Symptomatik von bis zu acht Monaten zu rechnen.

Muskelriss nach Trauma

Es kann sich um ein direktes oder indirektes Trauma handeln. Der Musculus infraspinatus ist am häufigsten betroffen. Es ist zu bewerten, ob es sich um eine Muskelzerrung (stain) oder einen Einriss handelt. „Komplette Risse des Infraspinatus kommen nicht vor“, konstatierte Breitenseher.

Zu sehen sind Ödem und strukturelle Veränderungen wie etwa Muskelfaserrisse. Hinsichtlich der therapeutischen Einordnung empfahl Breitenseher die Einteilung nach Müller-Wohlfahrt:

Grad 1a

Grad 1b

Grad 2

Grad 3a

Grad 3b

Grad 4

Schmerzhafte

Muskelerhärtung,

ermüdungsbedingt

Schmerzhafte

Muskelerhärtung,

neurogen

(Muskelkontusion)

Muskelzerrung

 

Muskelfaserriss

 

Muskelbündelriss

 

Muskelriss

 

Traumata des M. latissimus dorsi seien bei Wurfsportarten selten.

Referenzen

Mueller-Wohlfahrt HW, Ueblacker P, Haensel L, Muskelverletzungen im Sport. Thieme, Stuttgart 2010

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