RöKo Digital – CT bei komplexen Herzfehlern

RöKo Digital – CT bei komplexen Herzfehlern

Die Beurteilung kongenitaler Vitien ist eine Herausforderung. Worauf man achten muss, erläuterte Sebastian Reinartz, RWTH Aachen, beim digitalen Deutschen Röntgenkongress.

  • Präsentationstag:
    25.06.2020 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Sebastian Reinartz, Universitätsklinikum RWTH Aachen
  • Quelle:
    Röntgenkongress Digital 2020

Bei angeborenen Herzfehlern besteht erheblicher Besprechungsbedarf mit den Eltern und später auch mit den Kindern selbst. „Da steckt viel Arbeit und Potential drin“, sagte Reinartz.

Trotz Strahlenbelastung ist die CT die Bildgebung der Wahl. Das lange ruhige Liegen und die notwendigen Atempausen, wie sie bei der MRT nötig sind, können die Kleinen nur schwer einhalten.

Vorbereitung

Untersuchende sollten mit der normalen Herzanatomie bestens vertraut sein und mögliche Anomalien wie Septumdefekte gut kennen.

Eine einfache anatomische und klinische Zuordnung der komplexen Vitien gemäß KISS (keep it simple and stupid) erleichtert die spätere Befundung:

 

KISS-Schema

 

OHNE Zyanose (L-R-Shunt)

MIT Zyanose (R-L-Shunt)

Venen

PAPVR (partieller Pulmonalvenenrückfluss)

TAPVR (Totaler Pulmonalvenenrückfluss)

Vorhöfe

ASD (Atriumseptumdefekt)

Ebstein-Anomalie

 

AV-SD (Atrioventrikulärer Septumdefekt)

TA (Trikuspidalatresie)

Kammern

VSD (Ventrikelseptumdefekt)

CC-TGA (Kongenital korrigierte Transposition großer Arterien)

TOF (Fallot)

 

PK/AK-Stenose (Pulmonal-/ Aortenklappenstenose)

PA (Pulmonalatresie)

Arterien

ISTA (Aortenisthmusstenose)

PDA (persistierender Ductus arteriosus)

D-TGA (Dextro-Transposition großer Arterien)

TAC (Truncus arteriosus communis)


Auch wenn diese Zuordnung manchmal schwierig ist, beispielsweise kann sich der Blutfluss bei Septumdefekten umkehren. Wurden Herzfehler bereits operiert, kann das die Beurteilung weiter erschweren.

Untersuchung

Materialien wie EKG-Verkabelung und Lagerungskissen sollten den pädiatrischen Verhältnissen angepasst sein.

Kinder sind sehr viel strahlensensibler als Erwachsene, so dass die Strahlendosis möglichst gering zu halten ist (ALARA).

Für den Scanvorgang gilt:

  • mindestens 64 Zeilen
  • aufgehobene untere mAs-Grenze
  • automatische Dosismodulation
  • spezielles Kinder-Protokoll mit High Pitch – „Triggern geht auch, ist aber etwas schwieriger.“
  • zentrierte Lagerung mit minimalem Overbeaming und -ranging
  • v. Zugang 22G – „Die Gefäßsituation kleiner Kinder ist meist schwierig. Wenn Sie mit der Kinderklinik vereinbaren können, dass der Zugang bereits dort gelegt wird, sind Sie im Vorteil.“
  • Kontrastmittel: Flussrate variiert nach Alter – „Achten Sie darauf, die Spritze mit dem restlichen Kontrastmittel nicht ins Field of View abzulegen!“

Mit einer Röhrenspannung unter 120kV lässt sich das SNR verstärken, die Strahlendosis senken und Kontrastmittel einsparen.

Kinder sind schnell irritiert, daher sollte jede Störung vermieden und zügig, aber in entspannter Atmosphäre, gearbeitet werden.

Befundung


Für die strukturierte Beurteilung empfahl Reinartz folgendes Vorgehen:

  1. Einzelne Herzhöhlen identifizieren (Venen, Atrien, Ventrikel, Arterien)
  2. deren Verbindungen zueinander überprüfen (konkordant/diskordant)
  3. nach Löchern in Scheidewänden suchen
Mit der Kinderherz-Sammlung der DRG könne man seinen diagnostischen Blick schulen, ergänzt Reinartz. Diese interaktive Fallsammlung stellt die DRG ihren Mitgliedern auf der interaktiven Lernplattform CONRAD zur Verfügung.

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