RöKo Digital – CT hilft bei Brustschmerzen das kardiale Risiko zu stratifizieren

RöKo Digital – CT hilft bei Brustschmerzen das kardiale Risiko zu stratifizieren

Kalkscore, koronare CTA, CT-Perfusion und CT-FFR: Was brauchen RadiologInnen wirklich?

  • Präsentationstag:
    25.06.2020 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    CT hilft bei Brustschmerzen das kardiale Risiko zu stratifizieren
  • Quelle:
    Röntgenkongress Digital 2020

Agatston-Score

Das standardisierte Kalzium-Scoring ist ein robuster Marker, um kardiale Ereignisse oder die Mortalität der PatientInnen einzuschätzen.

Kontrastmittel ist für die EKG-getriggerte Bildakquisition nicht erforderlich. Das Scoring scheint den klinischen Scores, beispielsweise dem Framingham Risk Score (FRS), überlegen.

„Wenn wir das on top zum FRS einsetzen, werden wir noch besser“, so Moritz Albrecht vom Universitätsklinikum in Frankfurt am Main.

Beim „Low Dose“ Scoring mit 100kV und Vorfilterung reduziert sich die effektive Strahlendosis um bis zu 75% (von 0,82 auf 0,19 mSv). Die Korrelation zur Standard-Methode sei gut, so Albrecht. Das Protokoll sei vor allem bei PatientInnen mit niedrigem bis intermediärem Risiko eine sinnvolle Alternative.

Kardiale CT-Angiographie (cCTA)

Die cCTA etabliert sich als nicht-invasive Alternative zum Herzkatheter. In der Detektion signifikanter Koronarstenosen (≥ 50%) erreicht die Methode Sensitivitäten von bis zu 99% und hohe negative Vorhersagewerte. Dies gelte sowohl für die Abklärung stabiler Brustschmerzen (Newby DE et al., NEJM 2018) als auch bei instabiler Angina pectoris (ROMICAT-II-Trial), so Albrecht.

Mit dem CAD-RADS Score (Cury RC et al., JACC 2016) steht ein standarisiertes Reporting System zur Verfügung, das die interdisziplinäre Kommunikation vereinfacht und die Therapieentscheidungen verbessert (Cury RC et al., JCCT 2016). „Wir machen das zur besseren Vergleichbarkeit. Die Evidenz ist von den Fachgesellschaften approved.“

Die räumliche und zeitliche Auflösung der CT bietet gegenüber der MRT Vorteile. Auch die Rekonstruktionskernels seien ein Plus der CT, meinte Albrecht.

Weniger Strahlendosis und mehr Bildkontrast lässt sich am effektivsten durch Reduktion der Röhrenspannung erreichen, bei 84kV statt 117kV verringert sich die Strahlendosis beispielsweise um 60% (Albrecht MH et al. Eu Radiol 2018). „Das klappt auch bei Adipösen“, ergänzte Albrecht.

Als Beispiel zur iterativen Bildrekonstruktion nannte Albrecht ADMIRE (ADvanced Modeled Iterative REconstruction). Aufhärtungsartefakte, wie sie insbesondere im Bereich des inferioren Myokards auftreten können, lassen sich durch Aufhärtungskorrektur (iBHC, iterative Beam-Hardening Correction) reduzieren.

CT-Perfusion

Die funktionelle Beurteilung der Stenosen mit statischer oder dynamischer CT-Perfusion werde noch kontrovers diskutiert, sagte Albrecht. Gegenüber der MRT ist die CT kostengünstiger und für die PatientInnen angenehmer. Mehrere Studien würden die gute Detektierbarkeit myokardialer Defekte mittels CT-Perfusion bestätigen. „Da werden natürlich auch immer die schönsten Fälle präsentiert. Im Alltag sind wir sicher noch nicht so gut“, relativierte Albrecht die Ergebnisse.

Bestimmung der Blutflussreserven

Die Messung der fraktionellen Flussreserve (FFR) wird kommen, ist sich Albrecht sicher. Das Verfahren basiert auf Daten der cCTA, erfordert keine zusätzliche Kontrastmittelgabe und erhöht nicht die Strahlenbelastung. Albrecht nennt aber auch die aktuellen Nachteile: hohe Kosten und bisher noch wenig Erfahrung.

„Durch FFR lassen sich Herzkatheter einsparen und koronare Ereignisse vorhersagen.“

Albrecht MH et al.
Diagnostic Accuracy of Low and High Tube Voltage Coronary CT Angiography Using an X-ray Tube Potential-Tailored Contrast Medium Injection Protocol
Eur Radiol 2018;28(5):2134-42 

Cury RC et al.
Coronary Artery Disease - Reporting and Data System (CAD-RADS): An Expert Consensus Document of SCCT, ACR and NASCI: Endorsed by the ACC
JACC Cardiovasc Imaging. 2016;9(9):1099-1113

Cury RC et al.
CAD-RADS(TM) Coronary Artery Disease - Reporting and Data System. An Expert Consensus Document of the Society of Cardiovascular Computed Tomography (SCCT), the American College of Radiology (ACR) and the North American Society for Cardiovascular Imaging (NASCI). Endorsed by the American College of Cardiology
J Cardiovasc Comput Tomogr 2016;10(4):269-81

Newby DE et al.
Coronary CT Angiography and 5-Year Risk of Myocardial Infarction
N Engl J Med 2018;379(10):924-33

Reinhardt SW et al.
Noninvasive Cardiac Testing vs Clinical Evaluation Alone in Acute Chest Pain: A Secondary Analysis of the ROMICAT-II Randomized Clinical Trial
JAMA Intern Med. 2018;178(2):212-9

Sie müssen sich einloggen, um Kommentare zu verfassen.