RöKo Digital – Sinnvolle Anwendung verkürzter Mamma-MRT-Protokolle

RöKo Digital – Sinnvolle Anwendung verkürzter Mamma-MRT-Protokolle

Verkürzte MRT-Protokolle zur Brustkrebsdiagnostik sind in der klinischen Praxis kein Standard. Sie könnten es aber sein.

  • Präsentationstag:
    23.07.2020
  • Autor:
    biho/ktg
  • Sprecher:
    Evelyn Wenkel, Universitätsklinikum Erlangen
  • Quelle:
    Röntgenkongress Digital 2020

Das sagen die Leitlinien zur Mamma-MRT

Die S3-Leitlinien empfehlen eine kontrastmittelverstärkte MRT dann, wenn

  • eine eindeutige Befundung mit Mammographie, Ultraschall und perkutaner Biopsie nicht möglich ist.
  • die regionale Ausbreitungsdiagnostik und damit die Therapieentscheidung verbessert werden kann.

„Unser Mamma-MRT-Standardprotokoll dauert 17 Minuten“, sagte Evelyn Wenkel, Universitätsklinikum Erlangen. Studien zur Brustkrebserkennung zeigen, dass ein auf wenige Minuten verkürztes, kontrastmittelverstärktes MRT-Protokoll eine ebenso gute diagnostische Sicherheit liefert wie das längere Standardprotokoll. Welche Bilder am aussagekräftigsten sind, verdeutlichte Wenkel anhand von Beispielen aus der Praxis.

Aufschlussreich: Anreicherungskurve, MIP, DWI

Die größte Aussagekraft haben aus Wenkels Erfahrung die Anreicherungskurve der frühen Kontrastmittelphase, Maximum-Intensitäts-Projektionsbilder (MIP) sowie diffusionsgewichteten Bilder (DWI). Bei den MIP bezieht sich Wenkel auf Subtraktionsbilder einer Prä- und einer oder zwei Postkontrastaufnahmen. Wenkels Kurzprotokoll besteht aus einer dreiminütigen T1 FLASH 3D DIXON Sequenz oder/und einer dreiminütigen DWI.

„Die MIP verkürzen die Befundungszeit von ungefähr 30 auf drei Sekunden“, sagte Wenkel. „Damit lässt sich meistens sehr viel abklären. Auch bei nicht raumfordernden Prozessen liefern MIP gute Bilder.“

Wenn die Malignität noch nicht eindeutig geklärt ist, erhöhen diffusionsgewichtete Bilder die diagnostische Sicherheit. Zusätzlich spricht ein schnelles Anfluten und ein schneller Washout in der Anreicherungskurve für Malignität. „Die Anreicherungskurve ist allerdings nicht immer verfügbar und die Auswertung nicht trivial“, sagte Wenkel.
Mamma-MRT-Standardprotokoll vs. Kurzprotokoll

Ungeeignet: MRT ohne Kontrastmittel, DWI allein

Ohne Kontrastmittelgabe liefert die verkürzte MRT keine überzeugenden Ergebnisse. Zum einen fehlt eine Anreicherungskurve, zum anderen schneiden die MIP nicht gut ab. Die DWI allein überzeugt ebenfalls nicht: Ihre Sensitivität schwankt bei den von Wenkel betrachteten Studien zwischen 50-100%. „Die DWI eignet sich lediglich gut für die Abklärung der Malignität“, sagte Wenkel.

Sonderfall Brustprothesen

Für Patientinnen mit Brustprothesen ist ein verkürztes Protokoll nicht uneingeschränkt geeignet. Sollte zum Brustkrebsverdacht noch eine Prothesenruptur kommen, sind weitere Sequenzen zur Abklärung notwendig. Eine DWI erweist sich bei Prothesen als ungeeignet: „Da sehen Sie zu viele Artefakte“, sagte Wenkel.

Fazit

Wenkel hält ein verkürztes Mamma-MRT-Protokoll zur Detektion und in Screening-Situationen für sinnvoll. Sie empfiehlt zudem die Hinzunahme diffusionsgewichteter Bilder. Bei einer dezidierten Fragestellung würde Wenkel beim Standardprotokoll bleiben.

Bei der konkreten Frage nach der Anwendung in der Praxis offenbarte sich, dass das verkürzte MRT-Protokoll den ihm zustehenden Platz noch nicht gefunden hat: Weder Wenkel selbst noch die zwei anderen Vortragenden dieses ECR-Blocks, Ulrich Bick von der Charité Universitätsmedizin Berlin und Stephanie Sauer, Universitätsklinikum Würzburg, setzen verkürzte Mamma-MRT-Protokolle häufig ein.

Referenzen

Leitlinienprogramm Onkologie | S3-Leitlinie Mammakarzinom| Version 4.3| Februar2020