neuroRAD 2018 – Aktueller Stand in der zerebralen Tumorbildgebung

neuroRAD 2018 – Aktueller Stand in der zerebralen Tumorbildgebung

Heute basiert die zerebrale Tumorbildgebung noch auf morphologischen Kriterien. Pathophysiologische Parameter rücken aber zunehmend in den Fokus.

  • Präsentationstag:
    05.10.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Elke Hattingen, Universitätsklinikum Frankfurt am Main
  • Quelle:
    neuroRAD 2018

Wurden früher zerebrale Malignome anhand von Angiographie, Szintigraphie und Computertomographie beurteilt, stehen heute weitere Methoden für eine genauere Diagnostik zur Verfügung, erklärt Elke Hattingen vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Trotzdem liege das Augenmerk immer noch auf anatomischen Strukturen, „aber da kommen Sie schnell an eine Grenze“, so Hattingen. Sie nannte Gliome ab Grad II, die die natürlichen Grenzen zwischen grauer und weißer Substanz nicht mehr respektieren: „Die breiten sich wie ein Pinselstrich aus, egal welche Strukturen dabei im Weg sind.“

Auch das Grading ist mit morphologischen Kriterien allein unzureichend. In 30 Prozent der Fälle kommt es zu keiner Kontrastmittelanreicherung. „Da fängt das System dann schon ordentlich an zu bröckeln und Sie brauchen weitere Informationen.“

Ergänzende Verfahren

Die Diffusionsbildgebung (ADC-Mapping) liefert Informationen zur Zelldichte, die MR-Perfusion lässt Aussagen zur Epithelproliferation zu. Für die Beurteilung der Zellteilung eigne sich die Spektroskopie, so Hattingen. “Ist der Cholinwert im Tumor doppelt so hoch wie in der Umgebung, können Sie bereits von einem Malignom ausgehen.“

Der Schluss ‚je höher der Cholinwert, um so maligner die Läsion‘, sei aber nicht zwangsläufig richtig: „Nekrosen im Tumor lassen das Cholin wieder sinken.“ Ist eine Biopsie geplant, sollte sie im Gebiet mit Cholin-Peak durchgeführt werden.

Abwarten statt Biopsie empfiehlt Hattingen, wenn trotz spektroskopischer Proliferation kein Cholinanstieg in der Läsion sichtbar ist.

In der MR-Perfusion sind Mikroblutungen ein Zeichen für neovaskuläre Gefäße. „Die sehen Sie beim Glioblastom. Das differentialdiagnostisch auszuschließende ZNS-Lymphom weist dagegen keine Mikroblutungen auf.“

Verlaufskontrollen

Im Follow-Up sollte man sich nicht auf den Signalverlauf verlassen, da die Nachuntersuchungen häufig an unterschiedlichen Geräten mit unterschiedlichen technischen Parametern durchgeführt werden.

Hattingen fordert hier eine Standardisierung, wie sie bereits in den USA diskutiert wird. Als Beispiel nannte sie die schnelle simultane Akquisition von T1- und T2-Relaxation, Protonendichte und Höhe der lokalen Hochfrequenzfelder (Warntjes JB et al. Magn Reson Med 2008 ). Andere Ansätze sind das quantitative T2-Mapping (Hattingen E et al. Neuro Oncology 2013) oder T1- und T2-Mapping (Lescher S et al. Neuroradiology 2015).

Mittels quantitativen T1-Mappings scheinen kontrastanreichernde Tumoren früher detektierbar als auf MR-Aufnahmen nach Kontrastmittelgabe. „Bei kontrastmittelverstärkten MR-Aufnahmen müssen Sie auf lange T1-Zeiten achten“, ergänzte Hattingen (Müller A et al. Cancer Med 2017).

Das quantitative Mapping der Relaxationszeiten scheint auch empfindliche Indizien für eine gestörte Blut-Hirn-Schranke zu liefern. „Wenn diese Ansätze robust genug sind, was noch nicht der Fall ist, wäre das gut.“

Neue Entwicklungen

In der MRT hat jedes Gewebe ein ganz bestimmtes Signalverhalten. Dieser individuelle MR-Fingerabdruck (MR-Fingerprinting) lässt sich für alle Strukturen erheben (Ma D et al. Nature 2013). „Das haben Sie in fünf Minuten im Kasten. Daraus lässt sich anschließend alles errechnen“, so Hattingen.

Funktionelle MRT und Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) sind mit Brainlab-Software-Modulen heute schon einfach durchführbar. „Das machen die Operateure heute bereits meist schon selber“, erklärte Hattingen, riet aber dazu, das Verfahren auch in der Radiologie anzuwenden, soweit vorhanden.

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